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Die vorletzten Tage der Menschheit – von Hakan Gürses

DER OPTIMIST: Es ist nicht alles schlecht. Wir können uns heute einiges leisten: neue Kleidung, Auto, Eigentumswohnung in der Seestadt, Theater, Konzert und Weihnachtsmarkt. Wer fleißig und willens ist, bekommt eine gutbezahlte Stelle, mit Homeoffice und Work-Life-Balance, 14 Gehälter, fünf Wochen Urlaub. Es gibt Schlimmeres.

DER NÖRGLER: Nur wenn man sich umzuschauen weiß. Global-nördlicher Echoraum und schichtspezifische Filterblase heißen die neuen Mauern, gegen die sich jeder eiserne Vorhang weicher ausnähme als Wachs.

DER OPTIMIST: Die alte Leier von Kolonialismus, globaler Ungerechtigkeit und verschwindender Solidarität! Finden Sie nicht, dass wir den Klassenkampf und die Identitätspolitik schon für alle Zeiten hinter uns gelassen haben?

DER NÖRGLER: Sie scheinen aber schneller gewesen zu sein als wir, denn bald werden wir von ihnen überholt. Unterwegs sind ihnen einige Fahrgäste zugestiegen: Klimakrise, Digitalisierung und autoritäre Demokratie. Sie werden bald sehen, dass Ihre Sehkraft mit dem Alter abgenommen hat. Das Ende kommt näher, je langsamer wir werden.

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