Eröffnung
Eva-Maria Holzleitner | Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Volksgruppengesetz | ljet Zakona o narodni grupa | berscha flogoskero grupnengero tschatschipe | rokov Zákona o národnostných skupinách obletnica Zakona o narodnih skupnostih | let Zákona o národnostních menšinách | éves a Népcsoporttörvény
Die Initiative Minderheiten und das Haus der Geschichte Österreich laden ein zu einer Veranstaltung anlässlich des 50. Jubiläums der Unterzeichnung des Volksgruppengesetzes am 7. Juli 1976. Bis heute bildet es gemeinsam mit Artikel 7 des Staatsvertrags die rechtliche Grundlage für die österreichischen Volksgruppen. Demnach sind die kroatische, slowakische, slowenische, tschechische und ungarische Minderheit sowie seit 1993 die Volksgruppe der Rom*nja in Österreich offiziell anerkannt.
Die Veranstaltung diskutiert die Entstehungsgeschichte des Volksgruppengesetzes, zeigt, wie rechtliche Regelungen zu Sprache, Topografie und Förderung entstanden sind und thematisiert den langwierigen Kampf der Rom*nja um offizielle Anerkennung als Volksgruppe, sowie die aktuellen Bemühungen der Jenischen.
Vor dem Hintergrund jüngster Entwicklungen – wie der Polizeimaßnahme am Gedenkort Peršmanhof, der Beschmierungen von zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten/Koroška und im Burgenland/Gradišće, sowie der aktuellen Novellierung des Gesetzes im Juli 2026, werden historische Perspektiven mit gegenwärtigen Debatten verbunden. Dabei wird die Frage aufgeworfen, wie eine moderne und zukunftsorientierte Volksgruppenpolitik aussehen könnte.
PROGRAMM
Begrüßung
Monika Sommer | Gründungsdirektorin, Haus der Geschichte Österreich (hdgö)
Cornelia Kogoj | Initiative Minderheiten
Eröffnung
Eva-Maria Holzleitner | Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung
Zum Projekt „Weil die ja nie zufrieden sind“
Laura Darvas, Ana Grilc und Lydia Novak
Keynote: „Vom Nationalitäten- zum Volksgruppenrecht – historische Zäsuren“
Ilse Reiter-Zatloukal | Professorin am Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien
Statements zur Frage „Was braucht es für eine zeitgemäße Volksgruppenpolitik?“
Tereza Grandits | Hrvatske Novine
Mirjam Karoly | Romano Centro
Richard Basler | Kulturklub der Tschechen und Slowaken in Österreich/ Kulturní klub Čechů a Slováků v Rakousku
Simone Schönett | Schriftstellerin und jenische Aktivistin
Rudi Vouk | Jurist und Autor von „50 Jahre Volksgruppengesetz – und noch immer keine Lösung“
Andrea Seidler | Zentralverband Ungarischer Vereine und Organisationen in Österreich/ Ausztriai Magyar Egyesületek és Szervezetek Központi Szövetsége
Moderation: Jessica Beer | Initiative Minderheiten
Um Anmeldung wird gebeten: HIER
Die Veranstaltung ist der Auftakt einer gleichnamigen Ausstellung, die ab 20. November im Museum Niederösterreich – Haus der Geschichte, St. Pölten gezeigt wird.
Ein Projekt der Initiative Minderheiten in Kooperation mit dem Museum Niederösterreich – Haus der Geschichte, dem kärnten.museum und dem 10. Bundesland – Die Grünen
Die Auftaktveranstaltung wird gefördert aus Mitteln des BMFWF – Abt. Erwachsenenbildung
Die Ausstellung und das Rahmenprogramm in St. Pölten werden gefördert aus Mitteln von:
Zukunftsfonds der Republik Österreich, Bundeskanzleramt – Abt. Volksgruppen, BMWKMS – Abt. Kulturinitiativen, Slowenisches Kulturinformationszentrum – SKICA WIEN
Auftaktveranstaltung:
Dienstag, 27. Oktober 2026, 18:00 – 20:30 Uhr
Haus der Geschichte Österreich (hdgö), Wien
Ausstellungseröffnung:
Donnerstag, 19. November 2026, 18:30 Uhr
Museum Niederösterreich – Haus der Geschichte, St. Pölten
Ausstellungszeitraum: 20.11.2026 – 28.02.2027
Kuratorinnen: Ana Grilc, Laura Darvas, Cornelia Kogoj, Lydia Novak
Gestaltung: koerdtutech (Irina Koerdt, Sanja Utech)
Grafik: Larissa Cerny
Intro-Video: Marie Köhler, Carolin Köhler










Chefredakteurin: Gamze Ongan
Gestaltung: Fatih Aydoğdu
Lektorat: Dan Müller
Wir freuen uns über jedes neue Abonnement
Aboservice: abo(at)initiative.minderheiten.at
Abopreise:
Jahresabo: € 30,- // Zwei-Jahresabo: € 50,-
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Eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung „Was wir fordern! Minderheitenbewegungen in Österreich“ und des Jahresschwerpunkts „50 Jahre Volksgruppengesetz – Nationale Minderheiten in Österreich“.
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Volksgruppengesetzes, das neben Artikel 7 des Staatsvertrags von 1955 bis heute die zentrale rechtliche Grundlage der österreichischen Minderheitenpolitik bildet, laden die Pädagogische Hochschule Wien, die Initiative Minderheiten, ERINNERN:AT und die BAfEP Wien 10 zu einem Nachmittag mit Workshops, Ausstellungsführung und Austausch ein.
Im Mittelpunkt stehen aktuelle Fragestellungen zu Minderheitenrechten in Österreich. Junge Angehörige österreichischer Volksgruppen und Minderheiten vermitteln historische Zusammenhänge, zeigen Kontinuitäten von Ausgrenzung und Anerkennung auf und diskutieren gegenwärtige Herausforderungen. Die Workshops finden im Rahmen der Wanderausstellung „Was wir fordern! Minderheitenbewegungen in Österreich“ statt. Unterrichtsmaterialien zum Thema werden von ERINNERN:AT Wien präsentiert und werden interessierten Pädagog:innen zur Verfügung gestellt.
Termin: 14. Dezember 2026, 16:00 bis 18:45 Uhr
Veranstaltungsorte:
Workshops (16:00–17:30 Uhr)
Pädagogische Hochschule Wien
Grenzackerstraße 18, 1100 Wien
Ausstellungsführung und Abschlussprogramm (17:45–18:45 Uhr)
BAfEP Wien 10
Ettenreichgasse 45c, 1100 Wien
Programm
16:00–17:30 Uhr | Workshops (PH Wien)
Workshop 1
„Warum ist der Peršmanhof ein so wichtiger Ort für die Kärntner Slowen:innen?“
Ausgehend von der Polizeirazzia auf ein antifaschistisches Jugendcamp am Peršmanhof im Juli 2025 thematisiert der Workshop die Geschichte des Peršmanhofs als zentralen Erinnerungsort der Kärntner Slowen:innen. Vermittelt werden die historischen Hintergründe des nationalsozialistischen Massakers an der Familie Sadovnik im April 1945 sowie die Kämpfe der Kärntner Slowen:innen um Anerkennung und Minderheitenrechte.
Workshopleitung: David Ressmann
Workshop 2
„Zwischen Anerkennung und Ablehnung: Burgenländisch-kroatische Geschichte im öffentlichen Raum“
Anlass für den Workshop sind Beschädigungen zweisprachiger Ortstafeln im Burgenland im Frühjahr 2026. Ausgehend davon werden die Geschichte der burgenländisch-kroatischen Volksgruppe, die Bedeutung des Artikels 7 des Staatsvertrags sowie die langjährigen Kämpfe um die Umsetzung sprachlicher und kultureller Rechte behandelt.
Workshopleitung: Vera Buranits
Workshop 3
„Warum gibt es kein zentrales Denkmal für die im Porajmos ermordeten Rom:nja und Sinti:zze?“
Der Workshop widmet sich der Geschichte von Rom:nja und Sinti:zze, insbesondere der Verfolgung während des Nationalsozialismus und den bis heute bestehenden Herausforderungen in der Erinnerungskultur. Im Fokus stehen der Porajmos, die gesellschaftliche Aufarbeitung sowie die Forderung nach einem zentralen österreichischen Denkmal für die Opfer.
Workshopleitung: Martha Darvas
17:45–18:15 Uhr | Führung durch die Ausstellung (BAfEP Wien 10)
„Was wir fordern! Minderheitenbewegungen in Österreich“
Führung mit der Kuratorin und Geschäftsführerin der Initiative Minderheiten, Cornelia Kogoj.
Die Ausstellung beleuchtet zentrale Kämpfe um Gleichberechtigung und Teilhabe in Österreich: von den Auseinandersetzungen um zweisprachige Ortstafeln und Schulen über die Anerkennung von Rom:nja und Sinti:zze als Volksgruppe bis zur Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention und den Bemühungen gegen die Kriminalisierung von Homosexualität.
Zwölf Autor:innen aus unterschiedlichen Minderheiten und Volksgruppen präsentieren zentrale Forderungen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ergänzt werden die Beiträge durch Perspektiven junger Aktivist:innen. Die Ausstellung macht die Vielfalt minoritärer Bewegungen sichtbar und verdeutlicht die gesellschaftliche Relevanz ihrer Anliegen.
18:15–18:45 Uhr | Präsentation und Diskussion
Präsentation der Unterrichtsmaterialien von ERINNERN:AT zum Jahresschwerpunkt „50 Jahre Volksgruppengesetz – Nationale Minderheiten in Österreich“
Anschließend besteht im Rahmen einer Fragerunde die Möglichkeit zum Austausch mit den Workshopleiter:innen sowie mit der Ausstellungskuratorin Cornelia Kogoj.
Anmeldungen richten Sie bitte per Mail an christian.filko@phwien.ac.at (Schulleitung als Zeichen der Genehmigung in CC setzen).
Teilnahmebestätigungen im Sinne des BMB können für Lehrpersonen und pädagogisches Personal ausgestellt werden.
]]>Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien

Die manipulierte Öffentlichkeit. Netz-Radikalisierung als Bedrohung für Demokratie und Minderheiten
Antisemitische, rassistische, antiziganistische, rechtsextreme, antimuslimische, frauen- und queerfeindliche Inhalte verbreiten sich im Netz mit enormer Eigendynamik und verstärken Hass und Gewaltbereitschaft gegen Minderheiten. 68 Prozent der im Jahr 2024 von der Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien dokumentierten antisemitischen Vorfälle fielen in den digitalen Raum. Laut dem aktuellen Rechtsextremismusbericht des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) wurde im selben Jahr ein Viertel der rechtsextremistischen Delikte (nach dem Verbotsgesetz) im Internet begangen. Der Bericht warnt, dass die zunehmende Gewaltorientierung, Militarisierung und erfolgreiche Nachwuchsrekrutierung die neonazistische Bedrohungslage verschärfen – insbesondere für sichtbare Minderheiten wie People of Colour und queere Personen.
Auch wenn Fake News kein neues Phänomen sind, werden sie heute vorsätzlich mit politischer Agenda verbreitet und treiben die Polarisierung voran. Durch KI-gestützte Bild- und Videogenerierung bekommen sie in Form von sogenannten „Deepfakes“ eine neue, Qualität („Seeing is believing“). Zusätzliche Gefahren liegen in der niederschwelligen, ungefilterten Verbreitung im Netz. Zudem greifen Algorithmen in Kommunikationsprozesse ein, indem sie bestimmte Themen gewichten, extremistische Akteur*innen legitimieren und zugunsten homogener „Echokammern“ den demokratischen Meinungspluralismus ausblenden. Wer sich hier seine politische Meinung bildet, verliert den Bezug zu Gegenpositionen.
In diesem zweitägigen Symposium wurden diese brennenden Themen von Expert*innen aus Wissenschaft, Journalismus, Erwachsenenbildung, zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und Minderheitenmedien diskutiert.





PROGRAMM:
Freitag, 16. Oktober 2026 | 18:30 – 20:30 Uhr
18:30 – 19:00 Uhr
Begrüßung:
Depot Team
Cornelia Kogoj | Initiative Minderheiten
Keynote: Beate Hausbichler | Der Standard
„Auf Kosten von Minderheiten: Wie die Aufmerksamkeitsökonomie Hass schürt – und wie wir digitale Räume resilient machen“
19:00 – 20:30 Uhr
Panel 1: „Desinformation, Algorithmen und KI“
Mit:
Eva Wackenreuther | ORF defacto
Hannah Metzler | Psychologin und Neurowissenschafterin
Viktoria Kirner | die_chefredaktion
Beate Hausbichler | Der Standard
Moderation: Gerd Valchars, Politikwissenschafter
Samstag, 17. Oktober 2026 |10:00 – 13:30 Uhr
10:00 – 11:30 Uhr
Panel 2: „Minderheiten im Fokus – Dynamiken digitaler Hasskommunikation“
Mit:
Anastasia Lopez | Multimedia-Journalistin, Mitbegründerin von BAIT – dem ersten deutschsprachigen TikTok-Faktencheck-Kanal
Bianca Kämpf | Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes – DÖW
Santino Stojka | Hochschüler*innen Österreichischer Roma und Romnja – HÖR
Moderation: Jessica Beer, Verlagslektorin und Obmann-Stellvertreterin der Initiative Minderheiten
11:30 – 12:00 Uhr Pause
12:00 – 13:30 Uhr
Panel 3: „Gegenstrategien und demokratische Resilienz“
Eşim Karakuyu | Kollektiv Digital Storytelling von Unten
Fiona Steinert | Radio Orange 94.0
Stefanie Mayer | Institut für Konfliktforschung
Moderation: Stefan Vater, Erwachsenenbildner, Verband österreichischer Volkshochschulen
Eine Veranstaltung der Initiative Minderheiten in Kooperation mit Depot – Kunst und Diskussion
Gefördert aus Mitteln des BMFWF – Abt. Erwachsenenbildung und der Österreichischen Gesellschaft für politische Bildung (ÖGPB)




„Egal, mit wem ich sprach, die Stimmung war dieselbe: Wir müssen etwas tun, wir können nicht einfach nur zuschauen.“1
Mit diesen Worten beschreibt der Schriftsteller Josef Haslinger die beklemmende Atmosphäre im Winter 1992, als Jörg Haiders rassistisches Volksbegehren „Österreich zuerst“ das Land spaltete. Das Ergebnis waren die Gründung von SOS Mitmensch und das legendäre Lichtermeer 1993. Sechs Jahre davor war Österreich schon einmal tief gespalten: Die Waldheim-Affäre von 1986 hatte das Land in eine schwere Identitätskrise gestürzt, antisemitische Ressentiments offengelegt und eine erste große Welle zivilgesellschaftlichen Protests ausgelöst.
Aus diesen Protesten entstanden bleibende Strukturen. Die Aufbruchsstimmung führte 1991 auch zur Gründung der Initiative Minderheiten – mit der Vision, unterschiedliche Diskriminierungserfahrungen zu bündeln und Allianzen zu schmieden.
Wie eng die Netzwerke von Beginn an verwoben waren, zeigt ein Foto vom Gründungsfest des Romano Centro im selben Jahr: Es fand in den Räumlichkeiten des Republikanischen Clubs – Neues Österreich statt, der wiederum 1986 als direkte Antwort auf die Waldheim-Affäre ins Leben gerufen worden war.
Dieses Heft blickt auf die Entstehungsgeschichte der zivilgesellschaftlichen Organisationen, die damals wie heute unverzichtbar sind. Die Mahnung „Bleiben wir wachsam“ ist das verbindende Motiv der folgenden Beiträge:
Den Auftakt bildet ein Essay von Hakan Gürses. Der langjährige Chefredakteur der Stimme holt politisch wie persönlich ein halbes Jahrhundert weit aus, um den Bruch zwischen der „alten“ Arbeiterbewegung und den neuen sozialen Bewegungen herauszuarbeiten. Seine Analyse zeigt zudem, dass manche problematischen Gegenwartserscheinungen – wie Cancel Culture, ungeprüftes „Wissen“ oder der Anspruch auf die eine Wahrheit – eine längere Vorgeschichte haben.
Zum 40. Geburtstag des Republikanischen Clubs – Neues Österreich zieht Vorstandsmitglied Sibylle Summer Bilanz: ein historischer Rückblick auf die Protestbewegung rund um das legendäre „Waldheim-Holzpferd“ und die andauernde Notwendigkeit, auf antijüdische Ressentiments zu reagieren.
In einem sehr persönlichen Essay erzählt die Ethnomusikologin Ursula Hemetek die Entstehungsgeschichte der Initiative Minderheiten und wie aus unterschiedlichen Diskriminierungserfahrungen ein neuer Minderheitenbegriff entstand.
Die Politologin Mirjam Karoly zeichnet die Entwicklung von Romano Centro nach – von den frühen Kämpfen um Anerkennung der Rom:nja bis hin zu einer professionalisierten Bewegung.
Seit 35 Jahren leistet die asylkoordination österreich Widerstand gegen eine Politik der Abschottung. Die Mitbegründer:innen Anny Knapp und Herbert Langthaler blicken auf Meilensteine des Flüchtlingsschutzes zurück.
Wie entsteht aus Protest dauerhafter Widerstand? Martin Schenk, Sozialexperte und ehemaliger Vorsitzender von SOS Mitmensch, erinnert an die Entstehung der Bewegung und das „Kraftwerk Lichtermeer“, das den Weg für bleibende Initiativen wie das Integrationshaus oder die Armutskonferenz ebnete.
Doch kein Fortschritt ist unumkehrbar: Im Stimme-Gespräch reflektiert die Journalistin Irene Brickner die gesellschaftlichen Umbrüche rund um die Waldheim-Affäre, die Rolle der Zivilgesellschaft als demokratisches Korrektiv und die Gefahr politischer Regression. Ein Plädoyer für Wachsamkeit gegenüber Desinformation und demokratischen Rückschritten.
Der Blick zurück ist nie Selbstzweck. Vielmehr bietet er die Gelegenheit, historische Erfahrungen mit politischen Herausforderungen der Gegenwart zu verbinden – Herausforderungen, die vor vier Jahrzehnten jenseits jeder Vorstellungskraft lagen.
Wir werden gewiss darüber nachdenken, was versäumt wurde und was es heute besser zu machen gilt. Doch davor dürfen wir uns auch selbst feiern:
Happy Birthday!
Gamze Ongan, Chefredakteurin
1 Aus dem Interview mit Josef Haslinger im Rahmen der Ausstellung „Man will uns ans Leben. Bomben gegen Minderheiten 1993–1996“, 2004.
Stimmlage: Immer wieder Identität – von Hakan Gürses
Lektüre:
Richard Schuberth: Vom Antisemitismus, der keiner sein will – Besprechung von Vlatka Frketic
Elke Rajal: Antisemitismus und Aufarbeitung – Besprechung von Bianca Kämpf
Gestaltung: Fatih Aydoğdu
Lektorat: Dan Müller
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Neue Abopreise:
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Seit 35 Jahren steht die Initiative Minderheiten für die Sichtbarmachung, gegenseitige Stärkung und das Empowerment von Minderheiten. Wegbegleiter*innen präsentieren in einem kurzweiligen Programm ihre Geschenke in Form von Geschichten, Musik, Lyrik etc. und in der Ausstellung „Was wir fordern -Minderheitenbewegungen in Österreich“ werden die Vielfalt minoritärer Bewegungen und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung ihrer Forderungen sichtbar. Deshalb lade wir euch herzlich ein am 29.05.2026, ab 18 Uhr im Kreuzgang des Volkskunstmuseums mit uns gemeinsam zu feiern.
Genauere Infos zum Programm findet ihr bald hier.
In Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen
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Mit dem unaufhaltsamen Ende der unmittelbaren Zeitzeugenschaft verlagert sich das Erinnern zunehmend auf die Orte der NS-Verbrechen selbst. Gedenkstätten müssen bewahren, erzählen und vermitteln – und sie müssen Verantwortung einfordern. Zwischen stiller Trauer und politischen Auseinandersetzungen wird hier verhandelt, wie eine Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit umgeht.
Dieses Heft widmet sich sichtbaren und verborgenen Orten, Formen und Konflikten des Erinnerns in Österreich. Der Blick reicht von großen Gedenkstätten über lange übersehene Tatorte bis hin zu Perspektiven von Minderheiten, die im öffentlichen Gedenken noch immer zu wenig sichtbar sind.
Bertrand Perz, führender Experte für die Geschichte des KZ Mauthausen vor und nach 1945, zeichnet in seinem einleitenden Beitrag die umkämpfte Erinnerung an die NS-Verbrechen am Beispiel Mauthausen und seinen Außenlagern nach.
Christoph Viscorsum (vorm. Mayer chm.) wuchs in St. Georgen an der Gusen auf, ohne zu wissen, dass sich dort ein Konzentrationslager in der Größe von Mauthausen befunden hatte. Der Audioweg Gusen, den der Künstler mit Stimmen von Überlebenden, Anwohner:innen und auch Täter:innen entwickelt hat, macht dieses unsichtbare Lager hörbar.
Menschlichkeit als tägliche Aufgabe: Die Gedenkstättenpädagogin Gudrun Blohberger setzt sich seit drei Jahrzehnten mit der Vermittlung von NS-Verbrechen auseinander. Cornelia Kogoj und Gamze Ongan trafen sie zum Gespräch.
Der freischaffende Historiker Tim Corbett veranschaulicht, wie die jüdischen Friedhöfe Österreichs bis heute als Erinnerungs- und Gedenkorte wirken: als Zeugnisse jüdischen Lebens ebenso wie als Mahnmale für Zerstörung, Restitution und Erinnerung.
Der Beitrag von Michael Hieslmair und Michael Zinganel, den Gründern der Forschungsplattform „Tracing Spaces“, erinnert an den Wiener Nordwestbahnhof als Tatort der NS-Propaganda. Die Autoren plädieren dafür, das hier seit 2021 bestehende temporäre Denkmal zur Erinnerung an die antisemitische Ausstellung „Der ewige Jude“ (1938) dauerhaft zu sichern.
Nirgendwo in Österreich wird explizit an gehörlose NS-Opfer erinnert. Die Gebärdensprachenforscherin Verena Krausneker argumentiert gegen ein „mitgemeintes“ Gedenken und unterstreicht die Kraft des Erinnerns für die Politisierung einer Minderheit.
Die Ausstellung „Hinschaun! Poglejmo.“ im Jahr 2025 im kärnten.museum forderte 80 Jahre nach Kriegsende zur öffentlichen Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte Kärntens auf. Der Zeithistoriker Peter Pirker, Mitkurator der Ausstellung, zeichnet in seinem Beitrag die Entstehung der Ausstellung, ihre inhaltlichen Schwerpunkte sowie die Reaktionen darauf nach.
Im vorliegenden Heft präsentieren wir zudem eine Fotostrecke mit Bildern aus den Sammlungen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Unser herzlicher Dank gilt Vida Bakondy und Ralf Lechner, die die Fotos mit einem begleitenden Text fachkundig einordnen.
Die Beiträge in diesem Heft laden dazu ein, genauer hinzuschauen – auf die Geschichte der Gedenkorte, auf die Konflikte im Erinnerungsprozess und auf die Verantwortung, die daraus für uns alle erwächst. Gedenken bleibt eine Aufgabe der Gegenwart.
In eigener Sache
Wir haben Geburtstag: Die Initiative Minderheiten und die Stimme werden 35 Jahre alt. Diesen besonderen Anlass möchten wir gemeinsam mit all jenen feiern, die uns über dreieinhalb Jahrzehnte hinweg mit Solidarität und Engagement für Minderheitenrechte begleitet haben – im Juni im Rahmen der Veranstaltung „35 Jahre Initiative Minderheiten“ sowie am 29. November 2026 mit einem Fest im Wiener Rathaus.
Kommen wir gemeinsam gut durch die nächsten Jahrzehnte!
Gamze Ongan, Chefredakteurin
Stimmlage: Das minoritäre Modell 2 – von Hakan Gürses
Gestaltung: Fatih Aydoğdu
Lektorat: Daniel Müller
Wir freuen uns über jedes neue Abonnement
Aboservice: abo(at)initiative.minderheiten.at
Neue Abopreise:
Jahresabo: € 30,- // Zwei-Jahresabo: € 50,-
Abo International: € 50,- // Zwei-Jahresabo International: € 75,-
(Für Vereinsmitglieder kostenlos, Mitgliedschaft jährlich € 35,-)
Nach der Befreiung
Das ausklingende Erinnerungsjahr 2025 stand im Zeichen der Befreiung der Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrationslager, der Verfolgten in Verstecken und im Exil sowie der Erinnerung an zahlreiche weitere Opfer des Nationalsozialismus. Das Ende der Gewaltherrschaft vor 80 Jahren bedeutete jedoch keineswegs auch das Ende des erlittenen Unrechts. Die Hoffnungen vieler Verfolgter auf einen Neubeginn nach 1945 wurden bitter enttäuscht. Es dauerte oft Jahrzehnte, bis das Unrecht als solches anerkannt und – meist nur symbolisch – entschädigt wurde.
In dieser Stimme beschäftigen wir uns mit den Kontinuitäten diskriminierender Politik gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus in der Zweiten Republik. Unsere Autor:innen zeigen auf, wie lange viele Betroffene auf Anerkennung warten und wie beharrlich sie kämpfen mussten, bis ihr erlittenes Unrecht sichtbar wurde und Gerechtigkeit möglich war.
Brigitte Bailer, Historikerin und ehemalige Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW), zeigt in ihrem einführenden Text, wie NS-Zuschreibungen auch in der Nachkriegszeit die Anerkennung der Überlebenden als Opfer und ihre Chancen auf Entschädigung beeinflussten.
Es ist ein Skandal, dass den Überlebenden des Porajmos, des NS-Genozids an Rom:nja und Sinti:zze, die Anerkennung durch das offizielle Österreich lange verwehrt blieb. Der Historiker Gerhard Baumgartner macht am Beispiel der Familie Konrad und Anna Reinhardt deutlich, wie bürokratische Willkür über Jahrzehnte hinweg über das Leben der Betroffenen entschied.
„Unsere Demokratie ist erneut in Gefahr.“ Mit dieser eindringlichen Warnung meldet sich Nationalfonds-Vorständin Hannah M. Lessing zu Wort. Im Gespräch mit der Stimme erzählt sie von der politischen Zäsur, die vor 30 Jahren zur Gründung des Fonds führte, den Herausforderungen, über Jahrzehnte ignorierte Opfergruppen sichtbar zu machen, und der Notwendigkeit, das Erinnern immer wieder neu zu denken.
Bereits im Herbst 1943 beschlossen die alliierten Außenminister, Österreich nach dem Krieg an seinem Beitrag zur eigenen Befreiung zu messen. Dennoch wurde die widerständige slowenische Bevölkerung Kärntens nach 1945 nicht gewürdigt und lange Zeit nicht als Opfer anerkannt. Die Historikerin Brigitte Entner nimmt die Diskriminierung und Verfolgung der Kärntner Slowen:innen vor und nach dem Krieg in den Blick.
Ein weiteres Kapitel verwehrter Gerechtigkeit dokumentieren Bernhard Schneider und Michael Haupt vom Jenischen Archiv, Innsbruck: Wäre Friedrich D. nicht im KZ ermordet worden, hätte er als jenisches Opfer 126 Jahre alt werden müssen, um erst 2024 im Rahmen des Opferfürsorgegesetzes Gerechtigkeit zu erfahren.
Im Zentrum des Beitrags von Brigitte Halbmayr, Soziologin und Politikwissenschaftlerin, stehen jene Frauen, die im Nationalsozialismus als „asozial“ verfolgt und in Konzentrationslager deportiert wurden. Halbmayr beschreibt die Auswirkungen der bis zur Gründung des Nationalfonds 1995 verweigerten Anerkennung auf ihre Familien und Nachkommen.
An dieser Stelle gilt ein herzlicher Dank Karin Lehner und Cornelia Kogoj für ihre konzeptuelle Unterstützung bei der Entstehung dieses Schwerpunkthefts.
In eigener Sache
Seit Herbst stellt sich uns eine schwierige Frage: Können wir die nächste Stimme-Ausgabe, geplant für Frühjahr 2026 und in diesem Heft bereits angekündigt, tatsächlich realisieren? Und wie lange wird die Initiative Minderheiten noch am Leben sein?
Die Lage ist ernst. Öffentliche Förderungen werden knapp – in einem Ausmaß, das unsere Arbeit massiv gefährdet. Doch wir suchen nach Lösungen, arbeiten an neuen Projekten und geben nicht auf.
Damit wir weitermachen können, sind wir auch auf die Unterstützung unserer Leser:innen, Verbündeten und Wegbegleiter:innen angewiesen.
Unser Ziel ist klar: Die Initiative Minderheiten und ihre Stimme sollen auch 2026, im 35. Jahr ihres Bestehens, hörbar bleiben.
Arbeiten wir gemeinsam daran – mit aller Kraft!
Ein gutes Jahr wünscht
Gamze Ongan, Chefredakteurin
Stimmlage: Das minoritäre Modell 1 – von Hakan Gürses
Buchtipp: Die Konstruktion von Kriminellen – von Andreas Kranebitter
Klagelied der Widerständler – Text: Arne Hestenes, Quelle: Peter Grusch
Gestaltung: Fatih Aydoğdu
Lektorat: Daniel Müller
Wir freuen uns über jedes neue Abonnement
Aboservice: abo(at)initiative.minderheiten.at
Neue Abopreise:
Jahresabo: € 30,- // Zwei-Jahresabo: € 50,-
Abo International: € 50,- // Zwei-Jahresabo International: € 75,-
(Für Vereinsmitglieder kostenlos, Mitgliedschaft jährlich € 35,-)
Amerlinghaus (Raum 4, unten links), Stiftgasse 8, 1070 Wien

Filmpräsentation um 18 Uhr – Initiative Minderheiten
„Dass wir ihre Stimmen weitertragen“ | Minderheitenkämpfe. Aktivismus und Erinnerung
anschließend Gespräch mit den Filmprotagonist*innen Ana Grilc und Elsabeth Magdlener
Konzert um 21 Uhr
Medea Production, Musikgruppe Dschurdschuna – Curcuna
Eintritt frei – Spenden willkommen
Vielen Dank für die Kooperationen: Amerlinghaus, Medea Production
Fotos: Initiative Minderheiten
Die Diskussion wird gefördert von: BMFWF – Abt. Erwachsenenbildung
Der Film wurde gefördert von: SHIFT und BMFWF – Abt. Erwachsenenbildung

