19. 09. – 24. 11. 2024 | kärnten.museum, Klagenfurt
07. 02. – 23. 03. 2025 | OHO – Offenes Haus Oberwart
14. 05. 2025 – 08. 02. 2026 | Volkskundemuseum am Paulustor, Graz
Ausstellungsrezension im Wien Museum Magazin von Peter Stuiber: Explosive Mischung. Bomben gegen Minderheiten
Das Begleitheft zur Ausstellung hier zum Downloaden








Ausstellung „Man will uns ans Leben“ Bomben gegen Minderheiten 1993–1996. Alle Fotos: Kollektiv Fischka / Kramar © Volkskundemuseum Wien
Die Ausstellung handelt vom größten Fall rechtsterroristischer Gewalt im Österreich der Zweiten Republik. In den Jahren 1993 bis 1996 erschütterte eine Anschlagserie mit Briefbomben und Sprengfallen das Land. Die Attentate hatten vor allem Minderheiten und ihre Unterstützer*innen im Visier. Eine umfassende historische Aufarbeitung der Terrorwelle und ihrer Folgen hat bis heute nicht stattgefunden.
Zwischen den Jahren 1993 und 1996 erhielten in ganz Österreich insgesamt 25 Personen und Organisationen explosive Post. Im gleichen Zeitraum detonierten in Kärnten und im Burgenland drei Spreng- bzw. Rohrbomben. Die Anschläge hatten vier Tote, vier lebensgefährlich Verletzte und neun Verletzte zur Folge.
Der Terror adressierte ausschließlich Minderheitenangehörige und ihre Unterstützer*innen. Der folgenschwerste Anschlag fand im Februar 1995 im burgenländischen Oberwart statt, bei dem vier Roma-Angehörige einer Sprengfalle zum Opfer fielen. Josef Simon, Karl Horvath, Erwin Horvath und Peter Sarközi starben durch eine Explosion, als sie eine Tafel mit der Inschrift „Roma zurück nach Indien!“ entfernen wollten.
Im Zentrum der Ausstellung steht die Perspektive jener, die Ziel des Terrors waren. Dies zeigt sich auch im Ausstellungstitel „Man will uns ans Leben“, entnommen einer Aussage der damaligen Nationalratsabgeordneten und Adressatin einer Briefbombe, Terezija Stoisits. Am 6. Februar 1995, zwei Tage nach dem tödlichen Anschlag in Oberwart und dem Tag als in der zweisprachigen burgenländischen Gemeinde Stinatz/Stinjaki eine Rohrbombe detonierte, sagte die aus Stinatz stammende damalige Minderheitensprecherin der Grünen im Ö1-Mittagsjournal: „Bitte alle Minderheitenangehörigen, alle Aktivisten, bitte, passt alle auf, es ist eine wahnsinnig gefährliche Situation, man weiß nicht, wer will uns an das Leben.“
Obwohl die Auswahl der Adressat*innen bald auf Urheber aus dem rechten Eck schließen ließ, gestalteten sich die Ermittlungen sehr langwierig und nahmen erst im Herbst 1997 zufällig ein Ende. Bei einer Verkehrskontrolle im südsteirischen Gralla zündete der angehaltene 48jährige Vermessungstechniker Franz Fuchs einen Sprengkörper, der ihm beide Hände abriss.
In welchem ideologischen und politischen Umfeld ereigneten sich die Terroranschläge? Inwiefern hatte die Denkwelt des schlussendlich verurteilten Einzeltäters mit der rechten Stimmungsmache Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre in Österreich zu tun? Etwa mit dem Anti-Ausländer-Volksbegehren der FPÖ und mit der menschenverachtenden Sprache, die von Stammtischen in die Politik überschwappte?
Die vier Jahre andauernde Terrorwelle der „Bajuwarischen Befreiungsarmee“, wie sich die Urheber der Bombenserien in ihren Pamphleten bezeichneten, nahm Aspekte des aktuellen Rechtsterrorismus vorweg. Nicht nur in der Wahl der Opfer, auch die Inhalte der seitenlangen anonymen Bekennerbriefe von damals, die „Fremdherrschaft“, „Invasion“ und „Bevölkerungsaustausch“ anklagen, wiederholen sich heute in einschlägigen Hasspostings im Internet sowie in politischen Programmen rechter Parteien und Gruppen.
Die Ausstellung der Initiative Minderheiten erinnert an den Schrecken der Bomben und die Angst, die Österreichs Minderheiten vier Jahre lang begleitete. Sie gedenkt der Opfer, lässt Betroffene zu Wort kommen und dokumentiert den politischen und medialen Umgang mit der Terrorwelle. Anhand von historischen Dokumenten, Fotografien und medialer Berichterstattung wird zeitgeschichtliches Wissen über die Jahre des innenpolitischen Terrors vermittelt und die Rolle des politischen Klimas in der Zeit der Gewalttaten beleuchtet. Neun Videos mit Zeitzeug*innen und Expert*innen kommentieren Facetten der Geschehnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Rechtsextremismus ist keine Randerscheinung mehr. Die menschenverachtende Propaganda findet bis in die sogenannte Mitte der Gesellschaft Anklang. Als harmloser Protest getarnt, greift sie in gesellschaftliche Debatten ein. Der Übergang von rechtsextremem Gedankengut zu rechtsextremistischem Terror, von verbalen Angriffen zu physischer Gewalt ist fließend. Davon zeugt nicht nur die Geschichte des Brief- und Rohrbombenterrors der 1990er Jahre. Das Thema ist brennend aktuell.



Eine Ausstellung der Initiative Minderheiten in Kooperation mit dem Volkskundemuseum Wien, dem kärnten.museum und dem Offenen Haus Oberwart (OHO)
Weitere Kooperationspartner*innen: Roma Volkshochschule Burgenland, Roma-Pastoral der Diözese Eisenstadt, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Hrvatski akademski klub/Kroatischer akademischer Klub, Klub slovenskih študentk*študentov na Dunaju/ Klub slowenischer Student*innen in Wien
Die Ausstellung wird gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums
Zusätzliche Förderungen: BMKÖS (Videos) und BMBWF – Erwachsenenbildung (Rahmenprogramm)



Einblicke in die Dreharbeiten der Ausstellungsvideos vom 29. bis zum 31. Jänner 2024










Standort: Stadtbibliothek Innsbruck, 24.09.2021 – 01.03.2022, Foto: Alena Klinger

Standort: Haus der Geschichte Österreich (hdgö), 25.10.2022 – 18.01.2023, Foto: Lorenz Paulus/hdgö
Ob die Kämpfe für zweisprachige Ortstafeln und Schulen, die Bemühungen von Romnja und Sinitizze um Anerkennung als österreichische Volksgruppe, die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention, oder das Ringen gegen die Kriminalisierung von Homosexualität: die Wanderausstellung „Was wir fordern! Minderheitenbewegungen in Österreich“ zeigt, welche Anstrengungen notwendig waren, um gleiche Rechte für Minderheiten zu erkämpfen und welche Forderungen noch immer nicht erfüllt sind.
Zwölf Autor*innen aus minoritären Gruppen werfen einen fokussierten Blick auf ihre Geschichte und präsentieren ihre wesentlichen Forderungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Gerahmt wird die Ausstellung zudem mit Statements von jungen Aktivist*innen.
Die Initiative Minderheiten initiiert diese Ausstellung, um die Vielfalt minoritärer Bewegungen und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung ihrer Forderungen sichtbar zu machen.
VERTIEFENDE TEXTE UND MATERIALIEN
Zur Ausstellung ist eine Broschüre erschienen, die kostenlos hier angefordert werden kann: office@initiative.minderheiten.at
Anfragen zum Verleih unter: office@initiative.minderheiten.at
EINLEITENDE AUSSTELLUNGSFOTOS

Beitrag von Andreas Brunner: Bis in die 1990er-Jahre war der Aktionismus der LGBT-Bewegung auf die Abschaffung der strafrechtlichen Verfolgung gerichtet. Hier der Protest der HOSI Wien gegen § 209 StG auf der Regenbogenparade 1996.
© HOSI Wien

Beitrag von Mirjam Karoly: 2012 initiierte der Musiker Harri Stojka die Aktion »Ich bin gegen das Wort Zigeuner!«, die sich gegen die Verwendung dieses beleidigenden und herabwürdigenden Begriffs gewendet hat. Unterstützt wurde die Aktion von zahlreichen Prominenten. Das Foto zeigt den Gründungstag dieser Kampagne mit der ersten Fotosession im Cafe Korb am 21. März 2012, dem „Internationalen Tag gegen Rassismus“.
Foto: Reinhard Loidl. © Valerie und Harri Stojka

Beitrag von Volker Schönwiese und Petra Flieger: Zur Eröffnungsfeier des Jahres der Behinderten im Jahr 1981 blockieren Behindertenrechts-Aktivist*innen für kurze Zeit den Eingang der Hofburg. Sie versuchen Bruno Kreisky ein Flugblatt zu überreichen. In der Folge gab es ein Gespräch mit dem damaligen Sozialminister Dallinger – ohne irgendein Ergebnis. Foto: Frimmel

Beitrag von Vanessa Spanbauer: Demonstration: Black Movement Austria im Juli 2020. Rund 50.000 Menschen gingen in Wien auf die Straße, um anlässlich der Ermordung von George Floyd gegen Rassismus zu demonstrieren. © Vanessa Spanbauer

Beitrag von Vladimir Wakounig: Nach einer angekündigten Aktion slowenischer Aktivisten zur Aufstellung von zweisprachigen Ortstafeln Mitte der 1970er Jahre in St. Jakob im Rosental / Šentjakob v Rožu musste diese von Gendarmeriebeamten bewacht werden.
Foto: Franc Kattnig / Florijan Sablatschan
© Narodni svet koroških Slovencev / Rat der Kärntner Slowenen

Beitrag von Eleonore Lappin-Eppel: Lichtinstallationen an das Gedenken zum Novemberpogrom 1938. © APA PictureDesk

Beitrag von Margit Hauser und Birge Krondorfer: Transparent für die Solidaritätsdemonstration am Schwedenplatz gegen die Einführung der Clause 28 in Großbritannien im Jahr 1988. Als Margaret Thatcher 1988 die Clause 28 einführte, mit der Rechte von Lesben und Schwulen in Großbritannien beschnitten wurden, kam es am 18. Juni 1988 zu einer spontanen Solidaritätskundgebung in Wien. Die Gesetzesänderung betraf viele Einschränkungen im Sozial- und Kulturleben und verhinderte Maßnahmen gegen Diskriminierung.
Quelle: STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung (Wien)

Beitrag von Lydia Novak: Kundgebung im Jahr 1985 für zweisprachige Kindergärten und für die Umsetzung des Art. 7 des Österreichischen Staatsvertrags: „30 Jahre ist unsere Sprache nicht gleichberechtigt – Warum?“.
Foto: Petar Tyran

Beitrag von Herbert Langthaler: Im Jahr 2012 protestierten somalische Flüchtlinge gegen Abschiebungen und für das Recht auf ein faires Asylverfahren.
© asylkoordination österreich

Beitrag von Hager Abouwarda: Als die von der österreichischen Bundesregierung im Jahr 2020 eingesetzte Dokumentationsstelle Politischer Islam die sogenannte Islam-Landkarte erstellt hat, anhand derer rund sechshundert muslimische Einrichtungen mit Adressen und Zusatzinformationen öffentlich gemacht wurden, forderte die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) eine sofortige Löschung derselben. In einem offenen Brief, der breite Unterstützung von namhaften Persönlichkeiten und Institutionen erfuhr, wurde u.a. dargelegt, unter welchem Sicherheitsrisiko Muslim*innen nun lebten.

Beitrag von Persson Perry Baumgartinger: Was wir für die Zukunft fordern!

Beitrag von Ali Gedik: Bereits Ende der 1980er-Jahre formierte sich in Vorarlberg – wo aufgrund der Textilindustrie viele Arbeitsmigrant*innen lebten – ein Wahlrechtskomitee rund um die Organisation ATIGIF (Föderation der Arbeiter und Jugendlichen aus der Türkei in Europa). Wahlurnen für symbolische Parallelwahlen wurden u.a. in Bregenz, vor den Bahnhöfen in Bludenz, Feldkirch und Dornbirn und in einigen größeren Betrieben aufgestellt, auch wenn diese Stimmen keine Rechtsgültigkeit hatten.
Ausstellungsteam:
Kuratorinnen: Jessica Beer und Cornelia Kogoj
Mit Beiträgen von: Hager Abouwarda, Persson Perry Baumgartinger, Andreas Brunner, Ali Gedik, Petra Flieger, Margit Hauser, Mirjam Karoly, Birge Krondorfer, Herbert Langthaler, Eleonore Lappin-Eppel, Lydia Novak, Volker Schönwiese, Vanessa Spanbauer und Vladimir Wakounig
Mit Statements von: Noomi Anyanwu, Heline Ahmad, Ara Badrtarkhanian, Isabel Frey, Lara Guttmann, Dunia Khalil, Elisabeth Magdlener und Samuel Mago
Korrektorat: Ela Maywald
Finanzen: Sabine Schwaighofer
Administration: Ebru Uzun
Display und Grafik Design: Toledo i Dertschei, Wien
Mobile Konstruktion: acpteam, Wien (Transporttaschen: Ann Muller, Wien)
Druck: Viennaprint, Wien
Eine Ausstellung der Initiative Minderheiten
Gefördert aus Mitteln des BMFWF – Erwachsenenbildung

Fotos der ersten Ausstellungsstation in der Stadtbibliothek Innsbruck

Im Jahr 2004 gestaltete die Initiative Minderheiten gemeinsam mit gangart, dem Wien Museum einem Recherche- und Autor*innenteam die Ausstellung Gastarbajteri. 40 Jahre Arbeitsmigration, die erstmals die Geschichte aus der Perspektive der Betroffenen, der sog. Gastarbeiter zeigte. Mittels Archivrecherchen, Zeitzeug*inneninterviews und einer Timeline wurden elf Orte beleuchtet, die exemplarisch für diese Zeit standen.
Die Ausstellung war vom 22. Jänner bis 11. April 2004 im Wien Museum und in der Hauptbücherei Wien zu sehen.
Ausstellung: Wien Museum
Elf Orte beleuchtete die Ausstellung im Wien Museum: die 1964 von der Österreichischen Wirtschaftskammer errichteten Anwerbestelle in Istanbul von Gamze Ongan und Dilman Muradoğlu, die sogenannte Gastarbeiterroute von Peter Payer die Arbeitersiedlung Walddörfl in Ternitz von Arif Akkılıç, oder die Fischfabrik Warhanek von Vida Bakondy, die eine der ersten legalen Beschäftigungsmöglichkeiten für Migrantinnen bot. Weitere Ausstellungsstationen waren: Adatepe, ein kleines Dorf in der Westtürkei, aus dem mehr als die Hälfte der Einwohner*innen nach Österreich emigrierten und wohin 1994 die ersten Pensionist*innen zurückgekehrt sind von Gamze Ongan und Dilman Muradoğlu, der Mexikoplatz von Hanna Esezobor der Ägyptische Club von Thomas Schmidinger, die Lokalzeile am Naschmarkt von Sylvia Mattl-Wurm und der islamische Friedhof in Wien von Thomas Schmidinger waren ebensolche Orte dieser Geschichte, wie die Fremdenpolizei am Hernalser Gürtel von Renée Winter und der Demonstrations-Treffpunkt vor der Wiener Oper von Ljubomir Bratić und Arif Akkılıç, an dem 1993 verschiedene Migrant*innengruppen gegen das damalige Aufenthaltsgesetz demonstrierten. Zudem wurde eine Timeline von August Gächter erstellt.
Idee: Cemalettin Efe und Andrea Jantschko
Team: Cornelia Kogoj und Sylvia Mattl-Wurm (Kurator*innen), Simonetta Ferfoglia und Heinrich Pichler von gangart (Künstlerische Konzeption und Gestaltung), Gamze Ongan (Rechercheleitung), Thomas Schmidinger (Recherchekoordination)
Ausstellungsautor*innen: Arif Akkılıç, Vida Bakondy, Ljubomir Bratić, Hanna Esezobor, Sylvia Mattl-Wurm Dilman Muradoğlu, Gamze Ongan, Peter Payer, Thomas Schmidinger und Renée Winter
Vermittlung: Büro trafo.K (Nora Sternfeld, Renate Höllwart, Elke Smodics), Arif Akkılıç und Ljubomir Bratić
Fördergeber: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Bundeskanzleramt Kunstsektion, Wiener Integrationsfonds, Kulturabteilung der Stadt Wien, Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), Landesjugendreferat, Arbeiterkammer Wien, Wirtschaftskammer Österreich, Österreichischen Gewerkschaftsbund, Österreichische Entwicklungszusammenarbeit, Europäischer Sozialfonds, Demokratie für Alle, 7. Bezirk, Büro für Kulturvermittlung, Presseinformationsdienst der Stadt Wien, WienXtra jugendinwien
Ausstellung: Hauptbücherei Wien

Im zweiten Teil des Ausstellungsprojekts lag der Fokus auf dem Thema Medien und Migration.
So veranschaulichte das private Archiv österreichischer und türkischer Zeitungen von Ali Gedik mediale Diskurse über Migrationsprozesse, Migrationspolitik und ihre AdressatInnen. Der Nutzung elektronischer Medien in transnationalen Kontakten ist das dokumentarische Video Telekommunikation Wien-Jemen und anderswo gewidmet. Sprache als Medium der Ausgrenzung und nationaler Identität ist im Zentrum von Fatih Aydoğdus Soundscape Speech. Die Installation von Şule Attems beschäftigt sich mit der Erfahrung von Fremdheit und ihrer Reflexion in Briefen. Anna Kowalskas Arbeit thematisiert die filmische Konstruktion von Wirklichkeit am Beispiel des Drehortes von Polanskis Film „Der Pianist“ in Warschau. Unterschiedliche Interpretationen der Lebenswelt von Hidir Emir, der als einer der ersten „Gastarbeiter“ aus der Türkei nach Wien migriert ist, bietet der fotografische Zyklus Vater und ich von Mehmet Emir. Lebensrealitäten und Standpunkte von Jugendlichen zeigt das Videoarchiv von dezentrale medien. Hubert Lobnigs Video und Fotografien interpretieren das Archiv des Sammlers Sivomir, der die vielfältigen Abfälle einer Mediengesellschaft verarbeitet. Ein Videoarchiv zur Situation von Jugendlichen gestalteten das Team von dezentrale medien. Ausgesuchte Medien der Büchereien Wien zum Thema der Ausstellung – Fachliteratur und Belletristik – stehen in markierten Lesezonen zur Verfügung (Auszüge der Arbeiten aus einer Kooperation mit museum in progress und Der Standard).
Team: Martina Böse und Cornelia Kogoj (Kurator*innen), Şule Attem, Fatih Aydoğdu, Martina Böse, dezentrale medien, Mehmet Emir, Ali Gedik, Anna Kowalska, Hubert Lobnig (Ausstellungsbeiträge). Gesamtes Team Hauptbücherei
Im Rahmen von „Gastarbajteri“ fand weiters die Filmreihe MigrantInnen im Film im Filmarchiv Austria statt, sowie der filmische Ausstellungsbeitrag Phantom fremdes Wien von Lisl Ponger.
Ausstellungsdauer: 22. Jänner – 11. April 2004










Geschätzte 70 bis 90 % der österreichischen Roma wurden in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ermordet. Die wenigen Überlebenden standen nach 1945 vor dem Nichts und wurden systematisch benachteiligt. Etliche zogen nach Wien, auch in der Hoffnung, nicht erkennbar zu sein. Der überwiegende Teil der heute in Österreich lebenden Roma kam als Arbeitsmigrant*innen aus Ost- und Südosteuropa. Bis heute leben viele „im Verborgenen“.
Darstellungen von Roma und Sinti stammten über Jahrhunderte hauptsächlich von Nicht Roma. Dazu gehören romantisierende Vorstellungen ebenso wie Bilder der Verachtung. Es existieren kaum historische Selbstzeugnisse. Auf diese Weise wurden Stereotype und Feindbilder festgeschrieben, die letztlich der Legitimation von rassistischer Verfolgung dienten und weiterhin dienen.
Einige Ausstellungsbeiträge:
Auftakt: Ein Gespräch über Ausstellung zwischen Gilda Horvath und Manuela Horvath
NS-Verfolgung und Völkermord. Mit einem Filmausschnitt von „Ceija Stoika“ von Karin Berger, 1999
Orte der Rückkehr der Überlebenden des Genozids
Die Gründung der ersten Romavereine
Migration aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Wien
Die Ausstellung wurde ein Jahr später, 2016 im Landesmuseum Burgenland und 2017 im Vorarlberg Museum gezeigt.
Idee: Andrea Härle
Kurator*innen: Andrea Härle (Romano Centro), Cornelia Kogoj (Initiative Minderheiten), Werner Michael Schwarz und Susanne Winkler (Wien Museum), Michael Weese (Landesmuseum Burgenland)
Dokumentarische und künstlerische Beiträge: Gerhard Baumgartner, Usnija Buligović, Barka Emini, Robert Gabris, Lilly Habelsberger, Gilda Horvath, Manuela Horvath, Stefan Horvath, Willi S. Horvath, Rabie Perić, Žaklina Radosavljević, Marius Weigl, Manuel Weinrich und Tamara Weinrich
Ausstellungsdauer:
Wien Museum 12. Februar – 17. Mai 2015
Landesmuseum Burgenland 14. April – 11. November 2016
Vorarlberg Museum 25. Mai – 08. Oktober 2017
Zum virtuellen Ausstellungsrundgang
Unterrichtsmaterialien für Schulen
Katalog Andrea Härle, Cornelia Kogoj, Werner Michael Schwarz, Michael Weese, Susanne Winkler (Hg.*innen): Romane Thana. Orte der Roma und Sinti. Wien, Czernin Verlag, 2015
Fördergeber*innen: Bundeskanzleramt Kunstsektion, Bundeskanzleramt Volksgruppenfördrung, Bundesministerium für Bildung, ERSTE Stiftung, Zukunftsfonds, Nationalfonds, Wien Kultur, Wiener Stadtwerke
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Eine Ausstellung von Vida Bakondy und Amila Širbegović für die Initiative Minderheiten, in Kooperation mit den Büchereien der Stadt Wien.

Ausstellungsdisplay und Grafik: Toledo i Dertschei
Mitwirkende Zeitzeug*innen: Adisa Beganović, Nermin Nero Beharić, Časlav Brukner, Radmila Erceg, Azra Merdžan, Selma Nišić, Dragan Perak, Mislav Plavša, Javorka Finci-Pocrnja, Predrag Pocrnja, Miroslav Prstojević, Sanda Schmidjell, Amila Širbegović, Edita Tolo
Gefördert aus Mitteln der der Integrationsabteilung der Stadt Wien
Nach der Flucht widmet sich den Geschichten von Menschen, die im Zuge des kriegerischen Zerfalls Jugoslawiens zu Beginn der 1990er Jahre aus ihrem Land flüchten mussten und in Wien ein neues Zuhause fanden. Mit über 100.000 aufgenommenen Kriegsflüchtlingen war Österreich ein zentraler Fluchtpunkt, wobei die größte Gruppe mit 85.000 Schutzsuchenden aus Bosnien und Herzegowina stammte. Ungefähr zwei Drittel von ihnen blieben dauerhaft in Österreich. 25 Jahre nach dem offiziellen Kriegsende in Bosnien spürt die Ausstellung anhand persönlicher Erinnerungsstücke den Biografien von 14 Wiener*innen nach. Die gezeigten Objekte schlagen eine Brücke zwischen ihrem Leben vor der Flucht und danach. Sie vermitteln Einblicke in individuelle Erfahrungen von Krieg, Flucht und Neubeginn.





Am 22. September 2020 fand die Podiumsdiskussion „De-facto-Unterstützung. Zwischen Aufruf zur Hilfe und Forderung nach Einreisestopp“ statt.
Die zivilgesellschaftlichen und politischen Reaktionen auf die große Flüchtlingsbewegung im Sommer 2015 ließen viele an die Aufnahme von Kriegsvertriebenen aus dem ehemaligen Jugoslawien zu Beginn der 1990er Jahre denken. Damals gewährte der österreichische Staat mehr als 85.000 Schutzsuchenden aus Bosnien und Herzegowina auf unbürokratischem Wege vorübergehenden Schutz. Vor dem Hintergrund aktueller staatlicher Flüchtlingspolitik sprechen ehemalige Akteur*innen des Staates und der Zivilgesellschaft sowie Geflüchtete über Flucht und Politik damals und heute
Mit:
Alma Zadić (Bundesministerin für Justiz), Helmut Schüller (ehem. Präsident der Caritas Österreich), Heide-Marie Fenzl (ehem. Leiterin der »Bosnier-Aktion« im Bundesministerium für Inneres), Marion Kremla (Mitarbeiterin bei der asylkoordination österreich) und Melisa Erkurt (Journalistin beim ORF Report)
Moderation: Olivera Stajić (Ressortleiterin & Kolumnistin beim Standard)
Begrüßung: Jürgen Czernohorszky (Stadtrat für Bildung, Integration und Jugend), Vida Bakondy und Amila Širbegović (Kuratorinnen), Cornelia Kogoj (Initiative Minderheiten)







Link zum Stream der Podiumsdiskussion Beginn ab der 18. Minute
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Grafik: Beatrix Bakondy © Initiative Minderheiten
Vor 50 Jahren, am 15. Mai 1964, wurde das Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Türkischen Republik über die Anwerbung türkischer Arbeitskräfte und deren Beschäftigung in Österreich unterzeichnet. Es war eines von insgesamt drei Anwerbeabkommen, die Österreich im Laufe der 1960er Jahre unterzeichnen sollte. Zeitgenössischen Kommentatoren zufolge stellte das Inkrafttreten des Abkommens mit der Türkei „das nachträglich geschaffene Legalfundament eines seit geraumer Zeit bestehenden de facto-Zustandes dar“, denn schon seit Beginn der 1960er Jahre hatten aus der Türkei kommende Arbeiterinnen und Arbeiter Beschäftigung in Österreich gefunden.
Frühjahr 2014: 50 Jahre nach der Unterzeichnung des zwischenstaatlichen Abkommens, das bis heute von keinem der Vertragspartner offiziell annulliert worden ist, leben in Österreich knapp 250.000 Menschen, die selbst oder deren Eltern oder Großeltern in der Türkei geboren wurden. Und diese „Türken“ haben heute nicht unbedingt das Gefühl, in diesem Lande willkommen zu sein. Gibt es also etwas zu feiern?
Es wird auch nicht wirklich gefeiert. Kein Staatsakt. Keine koordinierte Aktion zu diesem Jubiläum. Nur einige wenige, lose Veranstaltungen hier und da.
Unser Projekt ist ein Versuch, die Anfänge der Geschichte der Arbeitsmigration in Plakaten aufleben zu lassen. Im Gegensatz zu heute wurde in den 1960er Jahren nicht regelmäßig öffentlich über „die Türken“ geredet und gemutmaßt. Die Gespräche liefen im Hintergrund. Die Arbeitsmigration wurde „abgewickelt“, war Teil des Verwaltungsapparats. Die Medien berichteten sporadisch.
Die Plakate bilden Originalzitate aus den Jahren 1962 bis 1964 ab: Zeitungsschlagzeilen, Anforderungsprofile für Arbeitskräfte, einen Auszug aus dem Beschwerdebrief eines angeworbenen Arbeiters.
Wir haben Wert darauf gelegt, verschiedene Akteure und Akteurinnen und somit unterschiedliche Perspektiven auf diese Geschichte zum Vorschein zu bringen.
Die Texte sprechen für sich.
Vida Bakondy und Gamze Ongan
Ein Projekt von Vida Bakondy und Gamze Ongan für die Initiative Minderheiten in Kooperation mit dem Archiv der Migration, der GBW Minderheiten und der Diversity Abteilung der ÖBB






Ausgehend vom Ausstellungsprojekt „Gastarbajteri. 40 Jahre Arbeitsmigration“ wurde von der Initiative Minderheiten, einem transnationalen Team, der ERSTE Stiftung und andere kooperierenden Einrichtungen das Nachfolgeprojekt „Viel Glück! Migration heute. Wien, Belgrad, Zagreb, Istanbul“ initiiert, das sich mit Migrationsbewegungen und –politiken in Österreich, Kroatien, Serbien und der Türkei seit den späten 1980er Jahren sowie deren kulturellen und wirtschaftlichen Folgen beschäftigte.

Plakat: Viel Glück! Migration heute. Wien, Belgrad, Zagreb, Istanbul. Grafik: Beatrix Bakondy, © Initiative Minderheiten
Historisch verbunden durch die staatliche Anwerbepolitik Österreichs in den 1960er Jahren haben diese vier Länder vor allem in den letzten 20 Jahren neue Migrationsbewegungen erfahren. Die Existenz einer chinesischen Community in Belgrad und jene von moldawischen Pflegerinnen in Istanbul oder die Geschichte der Situation von Asylwerber_innen in Kroatien sind nur drei von vielen Beispielen, die auf diese Situation hinwiesen.
Das Projekt setzte sich aus der Publikation „Viel Glück! Migration heute. Wien, Belgrad, Zagreb, Istanbul“ und den beiden Ausstellungen „Grenzpegel. Kreativität und Kontroversen migrantischer Musikszenen“ von Fatih Aydoğdu und Ruby Sircar (Wien Bibliothek) und „Living Across. Spaces of Migration“ von Christian Kravagna (Akademie der bildenden Künste) zusammen.
Projektteam: Vida Bakondy, Simonetta Ferfoglia, Jasmina Janković, Cornelia Kogoj, Gamze Ongan, Heinrich Pichler, Ruby Sircar, Renée Winter, Christiane Erharter (ERSTE Stiftung), Amir Hodžić (Zagreb), Vladimir Ivanović (Belgrad), Dilman Muradoğlu (Istanbul)
Gesamtes Team und Fördergeber*innen: Folder
Publikation Vida Bakondy, Simonetta Ferfoglia, Jasmina Janković, Cornelia Kogoj, Gamze Ongan, Heinrich Pichler, Ruby Sircar, Renée Winter. Herausgegeben für die Initiative Minderheiten. Wien, Mandelbaum Verlag, 2010.
]]>Die Plakatausstellung „Am Anfang war der Kolaric“ war eine kommentierte Zusammenschau von Plakaten gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Österreich aus drei Jahrzehnten. Sie wurde von der Initiative Minderheiten im Jahr 1994 zusammengestellt, damals im österreichischen Parlament präsentiert und als Wanderausstellung verliehen.

Plakat: „I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogn´s zu dir Tschusch“, © Aktion Mitmensch, 1973
Der begleitende Katalog bietet neben einem Farbteil mit den Plakaten auch einen historischen Überblick über Migrationsbewegungen und Anregungen für die pädagogische Arbeit.
Kuratorinnen: Ursula Hemetek, Doris Kaiserreiner
Katalog Ursula Hemetek (Hg. für die Initiative Minderheiten). Am Anfang war der Kolaric. Plakate gegen Rassismus und Fremdenfeinlichkeit. Wien, Mandelbaum Verlag 2010.
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