{"id":1546,"date":"2019-04-09T10:59:44","date_gmt":"2019-04-09T08:59:44","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.minderheiten.at\/wordpress\/?p=1546"},"modified":"2022-07-07T11:28:25","modified_gmt":"2022-07-07T09:28:25","slug":"zur-geschichte-der-homosexuellenbewegung-in-oesterreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/2019\/04\/zur-geschichte-der-homosexuellenbewegung-in-oesterreich\/","title":{"rendered":"Andreas Brunner: Eine Frage der Menschenrechte: Zur Geschichte der Homosexuellenbewegung"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eDu aber seist mir gepriesen, o \u00d6sterreich!\u201c, rief der deutsche Jurist Karl Heinrich Ulrichs 1868 in einer seiner Schriften \u00fcber die \u201emannm\u00e4nnliche Liebe\u201c aus. Er hatte gerade erfahren, dass der \u00f6sterreichische Justizminister den Entwurf eines neuen Strafrechts vorgelegt hatte, der die strafrechtliche Verfolgung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen abschaffte. Doch Ulrichs freute sich viel zu fr\u00fch! Der Entwurf wurde vom Reichsrat nie beschlossen und es sollte bis 1971 dauern, dass das sogenannte Totalverbot homosexueller Handlungen zwischen Erwachsenen straffrei gestellt wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"695\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/04_Homosexualita\u0308t-Kopie-1024x695.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5117\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/04_Homosexualita\u0308t-Kopie-1024x695.jpg 1024w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/04_Homosexualita\u0308t-Kopie-300x204.jpg 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/04_Homosexualita\u0308t-Kopie-768x521.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/04_Homosexualita\u0308t-Kopie-520x353.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Bis in die 1990er-Jahre war der Aktionismus der LGBT-Bewegung auf die Abschaffung der strafrechtlichen Verfolgung gerichtet. Hier der Protest der HOSI Wien gegen \u00a7 209 StG auf der Regenbogenparade 1996. \n\u00a9 HOSI Wien\n<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Kaiser Franz Joseph I. hatte 1852 ein neues Strafrecht erlassen, das f\u00fcr den Tatbestand der \u201eUnzucht wider die Natur\u201c eine Strafe von ein bis f\u00fcnf Jahren schweren Kerkers vorsah. Auch wenn diese drakonische Strafe im Falle einer Erstverurteilung kaum ausgesch\u00f6pft und das richterliche Milderungsrecht meist gro\u00dfz\u00fcgig angewandt wurde, zerst\u00f6rte der \u00a7 129 Ib in den fast 120 Jahren seiner G\u00fcltigkeit zehntausende Existenzen, trieb M\u00e4nner* und Frauen* in den Selbstmord oder bildete die rechtliche Basis f\u00fcr die Verschleppung und Ermordung von Homosexuellen in nationalsozialistische Konzentrationslagern. Durch die geschlechtsneutrale Formulierung des Paragrafen war auch die strafrechtliche Verfolgung weiblicher Homosexualit\u00e4t m\u00f6glich \u2013 eine Besonderheit im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern, die nur m\u00e4nnliche Homosexualit\u00e4t verfolgten. Ein Vergleich von europ\u00e4ischen Kriminalstatistiken zeigt \u00fcberdies, dass in \u00d6sterreich die Verfolgungsintensit\u00e4t von der Monarchie bis in die Zweite Republik am h\u00f6chsten war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Arzt Magnus Hirschfeld machte sich 1897 mit der Gr\u00fcndung des Wissenschaftlich Humanit\u00e4ren Komitees (WHK) in Berlin zum Wortf\u00fchrer der ersten (m\u00e4nnlich dominierten) Homosexuellenbewegung, die auch in \u00d6sterreich f\u00fcr die Abschaffung der strafrechtlichen Verfolgung warb. Hirschfeld fand dabei in Wien (selbst wenn sie seinen wissenschaftlichen Thesen teilweise kritisch gegen\u00fcberstanden) bedeutende F\u00fcrsprecher wie Sigmund Freud oder Karl Kraus. Der Versuch, in Wien eine eigenst\u00e4ndige, selbstbewusste von Homosexuellen getragene Bewegung wie in Berlin zu etablieren, scheiterte allerdings. Eine f\u00fcr 1907 angek\u00fcndigte Gr\u00fcndung einer Wiener Dependance des WHK ging \u00fcber die Ank\u00fcndigung offenbar nicht hinaus. Eine Selbstorganisation lesbischer Frauen ist ebenso wenig nachweisbar.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Ersten Republik versuchte der Bund f\u00fcr Menschenrecht, eine Dachorganisation von in ganz Deutschland existierenden Gruppen des Deutschen Freundschaftsverbands, auch in Wien Fu\u00df zu fassen. In der in Berlin erscheinenden Zeitschrift \u201eBl\u00e4tter f\u00fcr Menschenrecht\u201c wurde auch die Gr\u00fcndung einer Wiener Gruppe angek\u00fcndigt, die ihr Vereinslokal im Caf\u00e9 K\u00fcnstlerst\u00fcbel in der Lederergasse betrieb. Wie aktiv diese etwas mehr als ein Jahr lang bestehende Gruppe war, ob sie politische Aktionen plante oder nur ein Geselligkeitsverein war, l\u00e4sst sich heute nicht mehr sagen, da sie keine bislang auffindbaren Spuren hinterlie\u00df. Der Versuch, wenige Jahre sp\u00e4ter eine \u00f6sterreichische Landessektion des \u201eBunds f\u00fcr Menschenrecht\u201c zu gr\u00fcnden, wurde von den Beh\u00f6rden untersagt, weil aus dem in den Statuten festgelegten Vereinszweck hervorging, dass \u201eder Zusammenschlu\u00df unter den Vereinsmitgliedern auf dem gemeinsamen Interesse f\u00fcr Verirrungen des menschlichen Geschlechtslebens beruht, die zu den gem\u00e4\u00df \u00a7 129 Ib, St.G., verbotenen Handlungen geh\u00f6ren\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mai 1930 reichte der angesehene Wiener Anwalt Dr. Otto Ekstein beim Justizminister einen \u201eAppell an den Strafrechtsausschuss des Nationalrates wegen Aufhebung des \u00a7 129 Ib\u201c ein. Dem Schreiben beigelegt wurden eine mehrseitige Begr\u00fcndung und eine Liste mit den Unterschriften von 63 Pers\u00f6nlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur, die dieses Anliegen unterst\u00fctzten. Nicht nur K\u00fcnstler*innen und Pers\u00f6nlichkeiten des intellektuellen Lebens der Stadt wie Arthur Schnitzler, Stefan Zweig und Franz Werfel, die Kammers\u00e4ngerin Rosa Papier-Baumgartner und ihr Kollege Leo Slezak, Sigmund Freud oder der Philosoph Moritz Schlick haben unterschrieben, es ist auch eine N\u00e4he zur \u00d6sterreichischen Liga f\u00fcr Menschenrechte, der \u00e4ltesten Menschenrechts-NGO \u00d6sterreichs, feststellbar. Etwa ein Drittel der Unterzeichner*innen standen mit der Liga in Verbindung, allen voran ihr Pr\u00e4sident Adolf Vetter, die Schriftstellerin Rosa Mayreder, der Kunsthistoriker Hans Tietze oder der Schriftsteller Ernst Lothar.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zum WHK Hirschfelds und dem Bund f\u00fcr Menschenrecht, die unterst\u00fctzt von Erkenntnissen der sexualwissenschaftlichen Forschung emanzipatorisch agierten, argumentierte die hinter der Ekstein-Petition stehende Gruppe aus Pers\u00f6nlichkeiten der Zivilgesellschaft auf Basis eines umfassenden Verst\u00e4ndnisses der Menschenrechte. So hie\u00df es in der Petition: \u201eDer Strafparagraph stellt eine \u00e4usserste Verletzung der Menschenrechte dar, weil er den Homosexuellen verwehrt, \u00fcber ihre Sexualit\u00e4t zu verf\u00fcgen, trotzdem keinerlei Rechtsgut verletzt wird.\u201c In der Literatur \u00fcber das internationale Menschenrechtsregime ist es eine weitverbreite Darstellung, dass die sexuelle Orientierung und Selbstbestimmung erst in der zweiten H\u00e4lfte der 2000er-Jahre in den Katalog der Menschenrechte aufgenommen wurden, nachdem LGBTI*-Organisationen jahrelang f\u00fcr eine Anerkennung gek\u00e4mpft hatten. In diesem Lichte betrachtet war die Ekstein-Petition wegweisend. Es gelang den Unterst\u00fctzer*innen der Petition auch, ihren Appell in die \u00d6ffentlichkeit zu bringen. Eine weiterf\u00fchrende Diskussion \u00fcber sie gab es aber nicht, der Rechtsruck in Politik und Gesellschaft verhinderte dies. So erscheint die Ekstein-Petition wie ein letztes Aufflackern der vom Geist der Menschenrechte getragenen Humanit\u00e4t vor dem Sieg der Barbarei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/01_KZ_Mauthausen-1024x942.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1851\" width=\"512\" height=\"471\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/01_KZ_Mauthausen.jpg 1024w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/01_KZ_Mauthausen-300x276.jpg 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/01_KZ_Mauthausen-768x707.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/01_KZ_Mauthausen-520x478.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Im KZ Mauthausen wurde 1984 die erste Tafel weltweit enth\u00fcllt, die an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus erinnert<br>\u00a9 HOSI Wien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Unter austrofaschistischem und nationalsozialistischem Regime war Selbstorganisation kaum m\u00f6glich, unter den Nazis schnellten die Verhaftungszahlen nach oben, den Beschuldigten drohten lange Haftstrafen und KZ. Eine schwule bzw. lesbische Subkultur, wie sie in Wien seit der Jahrhundertwende nachweisbar ist, hielt sich jedoch \u00fcber all die Jahre. Selbst in den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur gab es eine kleine, verborgene Lokalszene. Die M\u00f6glichkeiten zur Selbstorganisation blieben bis in die 1960er-Jahre sehr beschr\u00e4nkt. Lesbische Frauen engagierten sich oft innerhalb der Frauen*Bewegung f\u00fcr allgemeine feministische Ziele und standen dabei nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung in der \u00d6ffentlichkeit. Homosexuelle M\u00e4nner, deren sexuelle Orientierung bekannt wurde, mussten auch in den Nachkriegsjahren nicht nur das Gef\u00e4ngnis f\u00fcrchten, denn in einem Klima der Pr\u00fcderie, getragen von einem von konservativer Seite betriebenen Kampf gegen \u201eSchmutz und Schund\u201c, war ein \u00f6ffentliches Eintreten f\u00fcr die eigene Sache auch gesellschaftlich ge\u00e4chtet. Als einzige Organisation setzte sich ab den sp\u00e4ten 1940er-Jahren wiederum die \u00d6sterreichische Liga f\u00fcr Menschenrechte nachweisbar f\u00fcr die Abschaffung der strafrechtlichen Verfolgung homosexueller M\u00e4nner* und Frauen* ein. Aber selbst nachdem eine auch mit konservativen Experten besetzte Kommission zur Reform des Strafrechts 1957 die Abschaffung des Totalverbots empfohlen hatte, scheiterte die Umsetzung am nachhaltigen Widerstand der \u00d6VP. Erst Justizminister Christian Broda sollte 1971 unter SP\u00d6-Bundeskanzler Bruno Kreisky die Reformvorschl\u00e4ge von 1957 umsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch vor den strafrechtlichen Reformen hatte sich 1963 der \u201eVerband f\u00fcr freie Mutterschaft und sexuelle Gleichberechtigung\u201c gegr\u00fcndet, der sich f\u00fcr das Recht auf Abtreibung und die Befreiung der Homosexuellen einsetzte. Die Verbindung von feministischen Forderungen wie dem Recht auf Abtreibung mit jenen nach sexueller Selbstbestimmung von Lesben und Schwulen sollte eine breite Allianz schaffen, die jedoch bald zerbrach, nachdem der Verband von Medien als \u201eSexpartei\u201c denunziert wurde. Mit der sogenannten \u201eKleinen Strafrechtsreform\u201c 1971 wurde zwar das Totalverbot homosexueller Beziehungen zwischen Erwachsenen aufgehoben, aber auch vier neue Strafrechtsparagrafen eingef\u00fchrt, die die Entwicklung der Lesben- und Schwulenbewegung hemmten. Neben \u00a7 209, der ein Mindestalter von achtzehn Jahren f\u00fcr m\u00e4nnliche homosexuelle Beziehungen festlegte (f\u00fcr heterosexuelle und lesbische lag es bei vierzehn), und einem Verbot m\u00e4nnlicher homosexueller Prostitution (\u00a7 210) waren es die \u00a7\u00a7 220 und 221, die Werbung f\u00fcr \u201eUnzucht mit Personen desselben Geschlechts\u201c und Verbindungen zu deren Beg\u00fcnstigung verfolgten. Die Gr\u00fcndung von Vereinen, die sich \u00f6ffentlich f\u00fcr die Rechte von Lesben und Schwulen einsetzten, schien damit unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/02_Neujahrskonzert-1024x695.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1852\" width=\"621\" height=\"422\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/02_Neujahrskonzert-1024x695.jpg 1024w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/02_Neujahrskonzert-300x204.jpg 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/02_Neujahrskonzert-768x521.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/02_Neujahrskonzert-520x353.jpg 520w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/02_Neujahrskonzert.jpg 1716w\" sizes=\"(max-width: 621px) 100vw, 621px\" \/><figcaption>H\u00fcllenlos wurden beim Neujahrskonzert 1982 \u201eMenschenrechte f\u00fcr Schwule\u201c gefordert.<br>\u00a9 HOSI Wien<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bevor eine Gruppe engagierter M\u00e4nner 1979 die Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien auf Vereinsbasis gr\u00fcnden konnte (eine Expertise von Justizminister Christian Broda \u00fcber die Auslegung von \u00a7 221 machte das m\u00f6glich), sammelten sich schwule M\u00e4nner ab 1975 in der informellen Gruppe Coming Out (CO) und lesbische Frauen ab 1976 in der autonomen Frauenbewegung innerhalb der AUF (Aktion Unabh\u00e4ngiger Frauen) in einer eigenen Lesbengruppe. Vom Anspruch her emanzipatorisch, links und antipatriarchal, gab es zwischen bewegten Lesben und Schwulen durchaus eine gro\u00dfe ideologische Schnittmenge, die Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Bewegung war aber von Anfang an nicht selbstverst\u00e4ndlich. In Deutschland, wo die Schwulenbewegung seit den fr\u00fchen 1970er-Jahren aktiv war und wohin die bewegten \u00f6sterreichischen Schwulen blickten, gab es eine konfliktreiche Beziehung zur Lesbenbewegung, die dazu f\u00fchrte, dass sich kooperative Projekte erst sp\u00e4t entwickelten.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00d6sterreich entstand zwar auch ein autonomer Strang der Frauen*Lesben*M\u00e4dchen-Bewegung, die im 1977 gegr\u00fcndeten Frauencaf\u00e9 einen zentralen Ort fand und die sich auf den ab 1980 regelm\u00e4\u00dfig stattfindenden \u00f6sterreichischen Lesbentreffen organisierte. Seit 1981 war auch das Frauen*Lesben*M\u00e4dchenzentrum mit dem FZ-Beisl im WUK ein fixer Bestandteil der autonomen, heute queer-feministischen Szene. Im Gegensatz zu Deutschland entwickelte sich in Wien aber bald eine enge institutionelle Zusammenarbeit zwischen Lesben und Schwulen. Schon im Jahr nach der Gr\u00fcndung der HOSI Wien, die sp\u00e4ter auch eine Reihe von vergleichbaren Vereinsgr\u00fcndungen in den Bundesl\u00e4ndern inspirierte, bildete sich innerhalb der HOSI eine Lesbengruppe, die eine parit\u00e4tische Besetzung des Vorstands und entsprechende Repr\u00e4sentanz im Au\u00dfenauftritt der HOSI erk\u00e4mpfte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/03_Rosa-Lila-Villa-1024x736.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1853\" width=\"512\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/03_Rosa-Lila-Villa-1024x736.jpg 1024w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/03_Rosa-Lila-Villa-300x216.jpg 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/03_Rosa-Lila-Villa-768x552.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/03_Rosa-Lila-Villa-520x374.jpg 520w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/03_Rosa-Lila-Villa.jpg 1143w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Die besetzte Rosa Lila Villa vor der Sanierung, ca. 1985<br>\u00a9 Zentrum QWIEN<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Etwa zur selben Zeit besetzten in Wien 1982 einige Lesben und Schwule an der Linken Wienzeile ein zum Abbruch vorgesehenes Haus, das der Stadt Wien geh\u00f6rte. Die Rosa Lila Villa war als Teil der in den fr\u00fchen 1980er-Jahren sehr aktiven Hausbesetzer*innen-Szene geboren, neben Wohnraum wurde ein Beratungs- und Kommunikationszentrum, das \u201eWarme Nest\u201c, eingerichtet. Die Stadt Wien konnte in Person der zust\u00e4ndigen Stadtr\u00e4tin Gertrude Fr\u00f6hlich-Sandner \u00fcberzeugt werden, dem Tr\u00e4gerverein der Villa das Baurecht f\u00fcr das Geb\u00e4ude zu \u00fcbertragen, womit die Generalsanierung des Hauses 1987 m\u00f6glich wurde. Was sich heute als Erfolgsgeschichte liest \u2013 sowohl die HOSI als auch die RLV sind heute noch aktive und zentrale Orte der queeren Community Wiens \u2013, war eine von vielen Diskussionen, Konflikten und Abspaltungen gepr\u00e4gte Geschichte, doch fanden sich immer wieder Kompromisse und Schnittmengen, die einen gemeinsamen Weg m\u00f6glich machten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei fungierte das Auftreten von HIV\/Aids, das ab 1983 auch in \u00d6sterreich f\u00fcr Ver\u00e4ngstigung und zum Teil panikartige Reaktionen und Medienberichte sorgte, schon bald als Bindemittel. Sorge und Trauer \u00fcber den Aids-Tod befreundeter schwuler M\u00e4nner verst\u00e4rkte die Solidarisierung lesbischer Frauen, die Krise bef\u00f6rderte Einigkeit. Andererseits f\u00fchrte HIV\/Aids zu einer verst\u00e4rkten Sichtbarkeit schwuler Lebensweisen in der \u00d6ffentlichkeit, was lesbische Frauen zu recht beklagten, da sie als Frauen und Lesben erneut in die Unsichtbarkeit und in die Rolle der F\u00fcrsorgenden gedr\u00e4ngt wurden. Im Zusammenhang mit HIV\/Aids wurde die rechtliche Absicherung der Beziehungen gleichgeschlechtlicher Paare immer dr\u00e4ngender. Selbst Paare, die langj\u00e4hrige Beziehungen f\u00fchrten, waren im Krankheits- oder Todesfall rechtlich keine Partner*innen und damit nicht entscheidungsbefugt.<\/p>\n\n\n\n<p>Weder f\u00fcr feministische Lesben noch f\u00fcr hedonistische Schwule war die Ehe ein erstrebenswerter Lebensentwurf, aber aus Trauer und Verzweiflung geboren wurde die Forderung nach rechtlicher Anerkennung von Beziehungen bis zur vollkommenen Angleichung mit der heterosexuellen Ehe zu einem der wichtigsten Kampfgebiete der Lesben- und Schwulenbewegung, die sich im Laufe der 1990er-Jahre immer weiter differenzierte. Neben Vereinen wie dem Rechtskomitee Lamdba, mit dessen Unterst\u00fctzung viele entscheidende rechtliche \u00c4nderungen zugunsten von LGBTI bei den H\u00f6chstgerichten erk\u00e4mpft werden konnten, traten \u00fcberparteiliche Verb\u00e4nde wie das \u00d6LSF (\u00d6sterreichisches Lesben- und Schwulenforum), Interessenverb\u00e4nde wie die agpro (Austrian Gay Professionals) und die Queer Business Women und Parteiorganisationen von den Gr\u00fcnen andersrum \u00fcber die SoHo (Sozialdemokratie und Homosexualit\u00e4t) bis zu anders lieben des kurzlebigen Liberalen Forums.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/04_Parade-1996-353x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1854\" width=\"200\" height=\"579\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/04_Parade-1996-353x1024.jpg 353w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/04_Parade-1996-768x2227.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/04_Parade-1996-520x1508.jpg 520w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/04_Parade-1996.jpg 1201w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption>Die Regenbogen Parade: Der erste LesBiSchwule und Transgender Festzug \u00d6sterreichs, 1996<br>\u00a9 Zentrum QWIEN<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ab Mitte der 1990er-Jahre kam es auch zu einer erh\u00f6hten Sichtbarkeit von Trans*Personen und ihren Anliegen in der Community. So hie\u00df die erste Regenbogenparade 1996 im Untertitel \u201eErster LesBiSchwuler und Transgender Festzug \u00d6sterreichs\u201c. Die auch Christopher-Street-Day-Paraden genannten Demonstrationen erinnern an die Stonewall Riots, die Ende Juni 1969 in New York zum Gr\u00fcndungsereignis der neuen Lesben- und Schwulenbewegung geworden waren. In der Bar Stonewall Inn in der Christopher Street wehrten sich einige Lesben, Schwule und Trans*Personen gegen eine der \u00fcblichen Razzien und lieferten sich in der Folge tagelange Stra\u00dfenk\u00e4mpfe mit der Polizei. In Erinnerung an diesen Aufstand wurde bereits im Jahr darauf von einer selbstbewusster werdenden Bewegung der erste Christopher Street Day veranstaltet, der auch bald in Europa gefeiert wurde. Im Gegensatz zur deutschen Schwulenbewegung hatte dieser aber f\u00fcr \u00f6sterreichische Lesben- und Schwulengruppen vorerst wenig Bedeutung. Erst im Zuge einer Internationalisierung der Bewegung im Laufe der 1990er-Jahre gewann die Idee einer gro\u00dfen Demonstration mit Partycharakter auch in Wien Anh\u00e4nger*innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im akademischen Diskurs begannen ab Mitte der 1990er-Jahre die Gender Studies und Queer Studies heteronormative Geschlechtsnormen zu hinterfragen. Queer wurde zum Kampfbegriff gegen eine hegemoniale Geschlechterordnung, wobei auch die gerade erst m\u00fchsam erk\u00e4mpften Selbstbezeichnungen \u201eLesbe\u201c und \u201eSchwuler\u201c in Frage gestellt wurden. Die Allianzen erweiterten sich, zun\u00e4chst um Trans*Personen und Intersexuelle zum Akronym LGBTI (Lesbian Gay Bi Trans Inter), dann aber auch erg\u00e4nzt durch Q f\u00fcr Queer oder den Genderstern * f\u00fcr alle sich nicht eindeutig Definierenden. Gleichzeitig begann sich die Community zu differenzieren. So vertritt die LMC Vienna (Leather &amp; Motorbike Community) schwule Fetischm\u00e4nner, w\u00e4hrend Vereine wie die HuG (Homosexualit\u00e4t und Glaube) sich mit spirituellen Fragen auseinandersetzen. Eine Reihe von Gruppen hinterfragen normierte Beziehungsmodelle oder K\u00f6rperbilder, sie diskutieren Konzepte von Polyamorie, von Beziehungsformen jenseits herk\u00f6mmlicher Zweierbeziehungen und Gendergrenzen. Oder sie thematisieren die Situation queerer Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen. Sie alle zeigen die Vielfalt queeren Lebens genauso wie FAmOS, ein Verein, der das erste Regenbogenfamilienzentrum \u00d6sterreichs betreibt. Bei MiGay haben sich queere Migrant*innen organisiert, die Queer Base unterst\u00fctzt queere Fl\u00fcchtlinge bei ihren Asylverfahren und der Bew\u00e4ltigung des Alltags in einer fremden, neuen Heimat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eD\u00fcrfen die Protagonist*innen der LGBTI*-Bewegung angesichts der \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c und der Option f\u00fcr ein drittes Geschlecht ab Anfang 2019, die der Verfassungsgerichtshof den Weg ebnete, \u00fcber ihren Erfolg jubeln?\u201c Es gibt zwar noch rechtliche Ungleichheiten wie etwa im Antidiskriminierungsrecht, f\u00fcr die es sich zu k\u00e4mpfen lohnt, aber die LGBTI*-Bewegung in \u00d6sterreich darf auf eine erfolgreiche Geschichte zur\u00fcckblicken: In 50 Jahren vom Totalverbot zu einer im Wesentlichen rechtlichen Gleichstellung ist allerdings eine Bilanz, auf der sich die Community nicht ausruhen darf, auch wenn Umfragen zeigen, dass LGBTI* auch in der Bev\u00f6lkerung mehrheitlich auf Akzeptanz sto\u00dfen. Gleichzeitig macht die populistische Rechte gegen den \u201eGenderwahn\u201c und die Anerkennung von nicht heteronormativen Lebensweisen (etwa in den Lehrpl\u00e4nen der Schulen) mobil, ist \u201eschwul\u201c nach wie vor das h\u00e4ufigste Schimpfwort auf unseren Schulh\u00f6fen und die Selbstmordrate unter LGTBI*-Jugendlichen am h\u00f6chsten. Gewaltt\u00e4tige \u00dcbergriffe und strukturelle Gewalt durch Hasspostings in den Sozialen Medien nehmen zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie umgehen mit diesem bedrohlichen, auch durch internationale Entwicklungen verst\u00e4rkten Backlash? Dazu wird es notwendig sein, bei aller Vielfalt innerhalb der LGBTI*-Community geeint f\u00fcr gemeinsame Ziele einzutreten. Dabei m\u00fcssen wir auch lernen, uns den Ausschlusstendenzen innerhalb der Bewegung zu stellen, dem Umgang mit Beeintr\u00e4chtigungen, mit Menschen, die nicht den K\u00f6rpernormen des Mainstreams entsprechen, mit LGBTI*-Migrant*innen und -fl\u00fcchtlingen. 1930 erkl\u00e4rte die Ekstein-Petition die sexuelle Selbstbestimmung zu einem Menschenrecht. Heute m\u00fcssen wir die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte zur Maxime unseres Handelns machen und diese mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln vor ihren Feinden verteidigen. Nur dann werden wir auch die Erfolge der LGBTI*-Bewegung absichern und ausbauen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>Timeline zur LGBT-Bewegung <\/strong><\/h4>\n\n\n\n<ul><li>Am 16. August 1971 wird das sogenannte Totalverbot \u2013 der seit 1852 geltende \u00a7 129 Ib, der einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Personen desselben Geschlechts verfolgte \u2013 abgeschafft. In vier neuen Strafrechtsparagrafen wird ein h\u00f6heres Mindestalter f\u00fcr m\u00e4nnliche homosexuelle Beziehungen mit 18 Jahren festgelegt (\u00a7 209), m\u00e4nnliche gleichgeschlechtliche Prostitution verboten (\u00a7 210) sowie Werbung (\u00a7 220) und die Gr\u00fcndung von \u201eVerbindungen zur Beg\u00fcnstigung gleichgeschlechtlicher Unzucht\u201c (\u00a7 221) untersagt.<\/li><li>1975 In der informellen Gruppe Coming Out (CO) finden sich engagierte schwule M\u00e4nner zusammen, um den Kampf f\u00fcr Emanzipation und Gleichberechtigung und gegen die weitere strafrechtliche Verfolgung aufzunehmen.<\/li><li>1976 Innerhalb der Aktion Unabh\u00e4ngiger Frauen (AUF) gr\u00fcndet sich eine Autonome Lesbengruppen, die auch gegen Widerst\u00e4nde in der Frauenbewegung zu k\u00e4mpfen hat.<\/li><li>1977 Gr\u00fcndung der Frauenbuchhandlung in Wien, die bis zu ihrer Schlie\u00dfung 2007 auch ein wichtiges Kommunikationszentrum der Lesbenbewegung ist.<\/li><li>1979 Durch eine Expertise von Justizminister Christian Broda (SP\u00d6) zur Auslegung des Vereinsparagrafen 221 wird die Gr\u00fcndung der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien m\u00f6glich. Anfangs nur von M\u00e4nnern betrieben, engagieren sich bald auch lesbische Frauen und machen die HOSI zur ersten lesbisch-schwulen NGO \u00d6sterreichs.<\/li><li>1980 Im Amerlinghaus findet Anfang Juni 1980 das erste \u00f6sterreichische Lesbentreffen statt, das zu einer intensiveren Vernetzung von Frauen*Lesben-Initiativen und einer verst\u00e4rkten Sichtbarkeit lesbischer Lebensweisen f\u00fchren sollte.<\/li><li>1980 Bei den Alternativen Festwochen kommt es zum Eklat, als auf Betreiben der Gemeinde Wien nach Beschwerden ein Informationsstand der HOSI Wien abgerissen wird. Alle an den Festwochen beteiligten Gruppen solidarisieren sich mit der HOSI und ver\u00f6ffentlichen ein \u201eManifest f\u00fcr eine neue Liebesunordnung\u201c.<\/li><li>1982 Das Jahr beginnt mit einem Knalleffekt. Zwei Aktivisten der Homosexuellenbewegung st\u00fcrmen nackt die B\u00fchne des Neujahrskonzerts und fordern auf einem Transparent \u201eMenschenrechte f\u00fcr Schwule\u201c.<\/li><li>1982 Lesben und Schwule aus der alternativen Szene besetzen ein leerstehendes Haus an der Linken Wienzeile. Die Rosa Lila Villa (heute T\u00fcrkis Rosa Lila Villa), die bis heute das Stadtbild pr\u00e4gt, ist geboren.<\/li><li>1983 \u201eGloria: PoPolitik ist mehr\u201c \u2013 Erstmals kandidiert ein offen schwuler Kandidat bei einer Nationalratswahl. Unter seiner Drag-Identit\u00e4t Gloria kandidiert Rudi Katzer, Mitbegr\u00fcnder der Rosa Lila Villa, allerdings vergeblich f\u00fcr die \u201eAlternative Liste\u201c. Sie scheitert an der 5%-H\u00fcrde.<\/li><li>1983 Mit dem Stichwort er\u00f6ffnet das bis heute aktive Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung.<\/li><li>1984 Die Homosexuellen Initiativen \u00d6sterreichs enth\u00fcllen im Konzentrationslager Mauthausen das erste Mahnmal f\u00fcr die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus weltweit.<\/li><li>1988 Erstmals findet am Institut f\u00fcr Psychologie der Universit\u00e4t Wien eine Lehrveranstaltung statt, die das Wort \u201eHomosexualit\u00e4t\u201c im Titel tr\u00e4gt.<\/li><li>1989 Im Zuge der Aids-Krise wird auch die Absicherung gleichgeschlechtlicher Beziehungen neu diskutiert. Mit einer \u00f6ffentlichkeitswirksamen Hochzeit auf dem Stephansplatz werden Forderungen nach der rechtlichen Anerkennung von homosexuellen Beziehungen untermauert.<\/li><li>1993 Auch wenn das HI-Virus nicht nur schwule M\u00e4nner betrifft, ist der erste Life Ball im Wiener Rathaus ein Charity-Event, das zu einem hohen Ma\u00df von der schwulen Community getragen wird. Heute z\u00e4hlt der Life Ball zu den weltweit gr\u00f6\u00dften und medienwirksamsten Veranstaltungen, die auf HIV\/Aids aufmerksam machen.<\/li><li>1995 Mit der Gr\u00fcndung des Vereins TransX organisieren sich erstmals transsexuelle und transidente Menschen, um f\u00fcr mehr Sichtbarkeit und die Abschaffung diskriminierender gesetzlicher Regelungen zu k\u00e4mpfen.<\/li><li>1996 Mit 25.000 Besucher*innen ist die Regenbogenparade, der erste LesBiSchwule und Transgender-Festzug \u00d6sterreichs, ein voller Erfolg. Beim ersten Mal geht es allerdings noch vom Schwarzenbergplatz bis zur Universit\u00e4t in Fahrtrichtung um den Ring.<\/li><li>1998 Die Stadt Wien bekennt sich zu einer lesben- und schwulenfreundlichen Politik und gr\u00fcndet die \u201eWiener Antidiskriminierungsstelle f\u00fcr gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen\u201c.<\/li><li>2001 Europ\u00e4ische Pride-Organisationen vergeben j\u00e4hrlich das Label Europride an eine andere Stadt. 2001 ist Europride zum ersten Mal in Wien zu Gast. 2019 wird Europride erneut in Wien stattfinden.<\/li><li>2001 Mit der Ausstellung \u201eAus dem Leben\u201c auf dem Heldenplatz wird erstmal das Leid homosexueller NS-Opfer in einer breiten \u00d6ffentlichkeit thematisiert. In der Nacht vor der Er\u00f6ffnung werden die Ausstellungss\u00e4ulen von Vandalen schwer besch\u00e4digt.<\/li><li>2003 Mit der Abschaffung von \u00a7 209 f\u00e4llt die letzte strafrechtliche Bestimmung gegen m\u00e4nnliche Homosexuelle in \u00d6sterreich.<\/li><li>2005 Mit \u00fcber 700 Objekten zeigt die Ausstellung \u201eGeheimsache: Leben. Schwule und Lesben im Wien des 20. Jahrhunderts\u201c, wie vielf\u00e4ltig die unentdeckten und verschwiegenen Aspekte der queeren Geschichte der Stadt waren.<\/li><li>2005 Zu sp\u00e4t f\u00fcr viele Opfer erfolgt 2005 die Anerkennung Homosexueller als Opfer des Nationalsozialismus.<\/li><li>2008 Auch die Universit\u00e4t Wien zeigt Flagge und solidarisiert sich mit j\u00e4hrlich rund um Pride stattfindenden Regenbogenf\u00fchrungen durch die Universit\u00e4t Wien und dem Hissen der Regenbogenfahne.<\/li><li>2009 Mit der Er\u00f6ffnung von QWIEN \u2013 Zentrum f\u00fcr schwul\/lesbische Kultur und Geschichte (seit 2019 Zentrum f\u00fcr queere Geschichte) gibt es auch in Wien ein Archiv und eine Forschungsstelle f\u00fcr eine inklusive Erforschung der queeren Geschichte.<\/li><li>Seit 1. J\u00e4nner 2010 ist es homosexuellen Paaren m\u00f6glich, sich in einer Eingetragenen Partner*innenschaft zu registrieren. Es bestehen anfangs \u00fcber 60 Unterschiede zur traditionellen Ehe, so f\u00fchren gleichgeschlechtliche Paare offiziell keinen \u201eFamiliennamen\u201c, sondern einen \u201eNachnamen\u201c.<\/li><li>2017 Die rechtliche Anerkennung von Regenbogenfamilien war und ist politisch umk\u00e4mpft. <br>In Wien gibt es mit dem RegenbogenFamilienZentrum endlich eine Anlaufstelle f\u00fcr diese.<\/li><li>\u201e2019 Einem Urteil des Verfassungsgerichtshofs folgend wird ab 1. J\u00e4nner 2019 gegen den Widerstand der Regierungskoalition aus \u00d6VP und FP\u00d6 die \u201eEhe f\u00fcr alle\u201c eingef\u00fchrt. Ebenfalls mit 1. J\u00e4nner 2019 erlaubt, ist der Eintrag einer dritten Geschlechtsoption als \u201edivers\u201c. Der Erlass zur Umsetzung durch das Innenministerium pathologisiert die Betroffen aber erneut.\u201c<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><em><strong>Andreas Brunner<\/strong> ist seit den sp\u00e4ten 1980er-Jahren in der queeren Bewegung Wiens aktiv, zuerst in der <a href=\"https:\/\/dievilla.at\/\" class=\"broken_link\">Rosa Lila Villa<\/a>, sp\u00e4ter Gr\u00fcndungsbuchh\u00e4ndler der <a href=\"https:\/\/www.loewenherz.at\/\">Buchhandlung L\u00f6wenherz<\/a>, Mitbegr\u00fcnder der <a href=\"https:\/\/europride2019.at\/de\/regenbogenparade\/\">Regenbogenparade <\/a>und Co-Leiter von <a href=\"http:\/\/www.qwien.at\/\">QWIEN <\/a>\u2013 Zentrum f\u00fcr queere Geschichte. Als Austria Guide ist er spezialisiert auf queere Stadtspazierg\u00e4nge, als Ausstellungskurator mitverantwortlich f\u00fcr die Ausstellung <a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2230301\/Verdraengte-Geschichte-zurueck-erobert\">Geheimsache : Leben<\/a> (2005) und <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000050290339\/wien-museum-ausstellung-sex-in-wien-bis-spaetabends-geoeffnet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sex in Wien<\/a> (2016). Zahlreiche Publikationen zur queeren Geschichte. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDu aber seist mir gepriesen, o \u00d6sterreich!\u201c, rief der deutsche Jurist Karl Heinrich Ulrichs 1868 in einer seiner Schriften \u00fcber die \u201emannm\u00e4nnliche Liebe\u201c aus. 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