{"id":1576,"date":"2019-04-24T09:39:00","date_gmt":"2019-04-24T07:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.minderheiten.at\/wordpress\/?p=1576"},"modified":"2022-07-07T11:27:52","modified_gmt":"2022-07-07T09:27:52","slug":"die-juedische-minderheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/2019\/04\/die-juedische-minderheit\/","title":{"rendered":"Eleonore Lappin-Eppel. Die J\u00fcdische Minderheit"},"content":{"rendered":"\n<h3><strong>Der Weg zur Emanzipation.<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Bis zur Aufkl\u00e4rung war das j\u00fcdische Leben auf dem Gebiet des heutigen \u00d6sterreich gepr\u00e4gt von Perioden der Duldung, auf die Vertreibungen folgten. Zwischen der Mitte des 17. und der Mitte des 19. Jahrhunderts lebten J\u00fcdinnen und Juden \u00fcberhaupt nur im heutigen Burgenland und in Vorarlberg. In Wien waren sogenannte Hofjuden und ihre Familien geduldet, solange sie finanzkr\u00e4ftig genug waren, um den Regenten ihre Kriege und das h\u00f6fische Leben zu finanzieren. Die Zahl der zugelassenen Juden in Wien wurde streng limitiert reglementiert und sie waren diskriminierenden Gesetzen unterworfen. Unter dem Einfluss der Ideen der Aufkl\u00e4rung und des Utilitarismus erkannte Kaiser Joseph II., dass auch aus den J\u00fcdinnen und Juden n\u00fctzliche B\u00fcrgerInnen gemacht werden konnten, wenn man ihnen die M\u00f6glichkeit gab, sich wirtschaftlich und kulturell zu integrieren. In dem von ihm 1782 erlassenen Toleranzpatent stand noch immer die Beschr\u00e4nkung der j\u00fcdischen Zuwanderung nach Wien an erster Stelle, doch diejenigen J\u00fcdinnen und Juden, die bereits hier lebten, sollten integriert und dadurch \u201en\u00fctzlich\u201c werden. Daher forderte und f\u00f6rderte Josef II. die deutsche Schulbildung f\u00fcr j\u00fcdische Kinder und \u00f6ffnete Juden h\u00f6here Schulen und Universit\u00e4ten. Die Abschaffung von Sondersteuern bot J\u00fcdinnen und Juden neuen Anreiz, Handels- und Industriebetriebe sowie Manufakturen in Wien und Nieder\u00f6sterreich zu gr\u00fcnden. Solche Gr\u00fcndungen wurden zur Voraussetzung des Niederlassungsrechts. Erniedrigende Gesetze wie die Leibmaut, die diskriminierenden Kleidervorschriften, die Beschr\u00e4nkungen bei der Wahl des Wohnorts sowie die Ausgehverbote, welche die Integration der Juden hemmten, wurden aufgehoben, die Gr\u00fcndung einer religi\u00f6sen Gemeinde aus demselben Grund verwehrt. Ebenso wurde 1784 die innerj\u00fcdische Gerichtsbarkeit aufgehoben, 1788 die Wehrpflicht f\u00fcr Juden eingef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/03_Lichtinstallation-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5112\" width=\"426\" height=\"602\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/03_Lichtinstallation-724x1024.jpg 724w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/03_Lichtinstallation-212x300.jpg 212w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/03_Lichtinstallation-768x1086.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/03_Lichtinstallation-520x735.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 426px) 100vw, 426px\" \/><figcaption>Lichtinstallationen an das Gedenken zum Novemberpogrom 1938. \n\u00a9 APA PictureDesk\n<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Trotz aller Restriktionen war das Toleranzpatent ein wichtiger Schritt in Richtung Emanzipation. Die neuen wirtschaftlichen M\u00f6glichkeiten zogen unternehmende Kaufleute aus B\u00f6hmen und Ungarn an, die zusammen mit den Wienern wesentlich zur Modernisierung der Wirtschaft beitrugen. W\u00e4hrend der Napoleonischen Kriege hing der \u00f6sterreichische Staat einmal mehr von den Krediten j\u00fcdischer Bankiers ab. Als die j\u00fcdischen Honoratioren Kaiser Franz II. 1815 eine Petition vorlegten, in der sie die b\u00fcrgerliche Gleichberechtigung f\u00fcr die \u00f6sterreichischen Juden erbaten, lehnte der Kaiser dies ab. Doch die Stimmung der Bev\u00f6lkerung war im Vorm\u00e4rz weitgehend frei von Antisemitismus. Wien war eine rasch wachsende Vielv\u00f6lkerstadt, deren BewohnerInnen der j\u00fcdischen Integration offen gegen\u00fcberstanden. Die im Sinne der Aufkl\u00e4rung gebildete Gesellschaft nahm gleichgesinnte J\u00fcdinnen und Juden gerne in ihre Kreise auf. Die gebildeten Tolerierten wiederum f\u00fchlten sich von der deutschen Kultur und zum Teil vom Katholizismus angezogen. Zwei Drittel der Nachkommen geadelter j\u00fcdischer Familien lie\u00dfen sich taufen, oft um in den christlichen Adel einzuheiraten. Die j\u00fcdische Religion verlor ihren Einfluss auf die aufgekl\u00e4rten J\u00fcdinnen und Juden, der altert\u00fcmliche Ritus erschien unkultiviert und nicht zeitgem\u00e4\u00df. Michael Lazar Biedermann (1769\u20131843), der es nach seiner \u00dcbersiedlung vom Pressburger Ghetto nach Wien vom Graveur zum erfolgreichen Gro\u00dfh\u00e4ndler und \u201eVertreter\u201d der Wiener Judenschaft gebracht hatte, erkannte die Notwendigkeit einer Reform des religi\u00f6sen Ritus, um diesen dem \u00e4sthetischen Geschmack und den kulturellen Bed\u00fcrfnissen der Tolerierten anzupassen. Zusammen mit Isaak L\u00f6w Hofmann (1759\u20131849) erwirkte er die Erlaubnis, eine Synagoge in der Seitenstettengasse zu errichten. Der \u201eWiener Ritus\u201c und die Architektur des Seitenstettentempels wurden beispielgebend f\u00fcr die meisten Synagogen, die im 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in \u00d6sterreich erbaut wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>1848 lebten zwar nur 197 tolerierte Familien, aber insgesamt etwa 4.000 J\u00fcdinnen und Juden in Wien, viele von ihnen illegal. Denn den j\u00fcdischen Kaufleuten aus B\u00f6hmen, M\u00e4hren, Ungarn und dem Burgenland bot selbst ein illegales Leben in der Residenzstadt bessere wirtschaftliche M\u00f6glichkeiten als die Provinzst\u00e4dte und Ghettos. Mittels Bestechung von Beamten, Schutzgeldern an privilegierte j\u00fcdische Gro\u00dfh\u00e4ndler sowie durch fingierte Gr\u00fcndungen von Manufakturen entstand in den Gassen zwischen Wipplingerstra\u00dfe, Hohem Markt und Salzgries ein reges j\u00fcdisches Gesch\u00e4ftsleben. Durch den freien Zugang zu den Universit\u00e4ten entstand in Wien eine Schicht j\u00fcdischer Intelligenz. Da Juden keinen Zugang zu Staatsposten hatten, waren ihre Karriereaussichten beschr\u00e4nkt, was sie ins Lager der politischen Opposition trieb. 1848 war ein erheblicher Teil der Anf\u00fchrer und Gefolgsleute der Revolution j\u00fcdisch. Der \u201eSchulleiter\u201c und religi\u00f6se Reformator Rabbiner Isaak Noah Mannheimer sprach im Sinn der j\u00fcdischen Revolution\u00e4re, als er seine Gemeinde aufrief, nicht mehr blo\u00df f\u00fcr j\u00fcdische, sondern f\u00fcr allgemeine B\u00fcrgerrechte einzutreten. Tats\u00e4chlich strebte die Mehrheit der Wiener J\u00fcdinnen und Juden ihre Emanzipation als Teil des deutsch-\u00f6sterreichischen Volks an. Denn seit der Aufkl\u00e4rung erschien ihnen die deutsche Kultur als Tr\u00e4gerin von Fortschritt, Freiheit, Humanismus und Liberalismus. Die antij\u00fcdischen \u00dcbergriffe tschechischer und ungarischer Nationalisten \u2013 1848 wurde das Pressburger Ghetto niedergebrannt, der wirtschaftliche und nationale Druck auf die b\u00f6hmischen J\u00fcdinnen und Juden nahm zu \u2013 st\u00e4rkten ihr Vertrauen in den deutschen Liberalismus. Dass die Revolution auch in Wien die Geburtsstunde des modernen Antisemitismus war, zeigte sich erst sp\u00e4ter. Trotz des wichtigen Beitrags, den Juden zur Revolution leisteten, konnte ihre Gleichberechtigung erst nach langen Diskussionen in die oktroyierte Verfassung vom 4. M\u00e4rz 1849 aufgenommen werden. 1851 nahm die Regierung die Verfassung und damit die Gleichberechtigung zur\u00fcck. Trotzdem blieb die Situation der J\u00fcdinnen und Juden besser als vor der Revolution. So durften die Wiener Judenschaft 1852 endlich die Israelitische Kultusgemeinde in Wien gr\u00fcnden. Weitere Beschr\u00e4nkungen fielen 1859 und 1866. 1867 wurde die b\u00fcrgerliche Gleichberechtigung der J\u00fcdinnen und Juden in \u00d6sterreich schlie\u00dflich ins Staatsgrundgesetz aufgenommen. Danach musste selbst Salzburg dem ersten Juden seit der Vertreibung von 1498 das Niederlassungsrecht gew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>Von der Emanzipation zur Ersten Republik<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Auch in Orten au\u00dferhalb von Wien, vor allem in den regionalen Hauptst\u00e4dten, entstanden nach 1848 j\u00fcdische Gemeinschaften, deren Mitglieder meist H\u00e4ndler waren. Einige davon gr\u00fcndeten nun auch eigene Kultusgemeinden. Den Anfang machte Graz im Jahr 1869. Allerdings war die Organisation der in rascher Folge entstehenden Kultusgemeinden noch uneinheitlich. Dem setzte das Gesetz zur \u201eRegelung der \u00e4u\u00dferen Rechtsgesch\u00e4fte der israelitischen Religionsgesellschaft\u201c vom 21. M\u00e4rz 1890, besser bekannt als \u201eIsraelitengesetz\u201c, ein Ende. Seit damals unterliegen die j\u00fcdischen Gemeinden in \u00d6sterreich einer einheitlichen Regelung. Indem es an jedem Ort nur eine Einheitsgemeinde gibt, hat der Staat nur einen Ansprechpartner. Dem innerj\u00fcdischen Pluralismus wurde dadurch allerdings ein Riegel vorgeschoben. Dies wurde durch das Israelitengesetz von 2012 noch verst\u00e4rkt, indem die Entscheidung, wer oder was als j\u00fcdisch gilt, allein den bestehenden durchwegs orthodoxen Kultusgemeinden obliegt, die nichtorthodoxe Str\u00f6mungen (welche die \u00fcberwiegende Mehrheit des Weltjudentums bilden) aus dem \u00f6sterreichischen j\u00fcdischen Leben blockieren k\u00f6nnen und dies zum Teil auch machen. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der (inner)\u00f6sterreichischen j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung lebte auch nach Erlangen der Gleichberechtigung weiterhin in Wien. Die Residenzstadt zog J\u00fcdinnen und Juden aus allen Teilen der Monarchie an und machte Wien zur Jahrhundertwende nach Warschau und Budapest zur drittgr\u00f6\u00dften Gemeinde Europas. 1910 lebten hier 175.318 J\u00fcdinnen und Juden, was einem Bev\u00f6lkerungsanteil von 8,3 Prozent entsprach. Religi\u00f6se Bildung genoss bei j\u00fcdischen M\u00e4nnern traditionell hohes Ansehen. Dieser Respekt vor Bildung f\u00fchrte dazu, dass die Juden und bald auch die J\u00fcdinnen das Versprechen des Toleranzpatents, dass deutsche Bildung zu Integration f\u00fchren w\u00fcrde, entschlossen aufgriffen. Die sich s\u00e4kularisierenden J\u00fcdinnen und Juden der westlichen Teile der Monarchie \u00fcbertrugen ihren Bildungseifer umso williger auf die deutsche Kultur, als ihnen diese als Tr\u00e4gerin von Sch\u00f6nheit und Humanismus erschien. Zwischen 1800 und 1890 stellten Juden ein Drittel der Wiener Universit\u00e4tsstudenten. Viele emanzipierte Juden gaben aber auch religi\u00f6se Vorschriften wie die Shabbatruhe auf, um die neuen wirtschaftlichen M\u00f6glichkeiten nutzen zu k\u00f6nnen. Dazu kam, dass durch die Zur\u00fccknahme diskriminierender Gesetze der von au\u00dfen aufgezwungene Zusammenhalt der j\u00fcdischen Gemeinschaft gelockert wurde, was die Akkulturation und Assimilation f\u00f6rderte. Dies wiederum f\u00fchrte zu einer tiefen Kluft zwischen S\u00e4kularen, religi\u00f6s Liberalen und Strenggl\u00e4ubigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Emanzipation der Juden war durch die St\u00e4rke des Liberalismus m\u00f6glich geworden. Die Juden dankten jedoch vor allem Kaiser Franz Josef I. (1848-1916) daf\u00fcr, unter dessen Regentschaft sie die Gleichberechtigung erhielten. \u00dcberhaupt galt der Kaiser nicht nur als Garant f\u00fcr Rechte, sondern bald auch als Besch\u00fctzer vor dem anwachsenden Antisemitismus. Erste antisemitische Ausschreitungen hatte es, wie oben gezeigt, bereits w\u00e4hrend der Revolution von 1848 gegeben. Doch der B\u00f6rsenkrach von 1873 f\u00fchrte nicht nur zur entscheidenden Schw\u00e4chung des Liberalismus, sondern auch zum Ausbruch des Antisemitismus. Zum religi\u00f6sen und wirtschaftlichen Antisemitismus trat nun der v\u00f6lkische und rassistische. Dieser blieb nicht auf das deutschnationale Lager beschr\u00e4nkt, sondern beeinflusste auch das christlichsoziale Denken. Der christlichsoziale Antisemitismus sah die Gefahr vor allem im \u201ej\u00fcdischen Geist\u201c, der f\u00fcr Liberalismus und Kapitalismus stand. Damit sprach er die Modernisierungsverlierer, die kleineren Gewerbetreibenden und H\u00e4ndler, aber auch einen Teil der Arbeiter an. Im Zeitalter der zunehmenden Demokratisierung, die immer breiteren m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerungsschichten das Wahlrecht verlieh, machte vor allem der Christlichsoziale Karl Lueger den Antisemitismus zu einer schlagkr\u00e4ftigen politischen Waffe, die ihm 1897 das B\u00fcrgermeisteramt in Wien einbrachte. Auch in den anderen Bundesl\u00e4ndern griff der Antisemitismus um sich. Trotzdem sprach der von Theodor Herzl (1860\u20131904) um die Jahrhundertwende begr\u00fcndete Zionismus, der ein Bekenntnis zur j\u00fcdischen Nation und die R\u00fcckkehr in die alten Heimat <em>Erez Israel<\/em> propagierte, nur wenige J\u00fcdinnen und Juden an. 1912 waren erst 2.200 der fast 180.000 Wiener J\u00fcdinnen und Juden Mitglieder der Zionistischen Organisation. Im selben Jahr wurden jedoch erstmals zwei Zionisten, Jakob Ehrlich und Robert Stricker, in den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien gew\u00e4hlt. Doch erst die galizischen Fl\u00fcchtlinge, welche im Lauf des Ersten Weltkriegs nach Wien flohen, machten den Zionismus zu einer politischen Gr\u00f6\u00dfe innerhalb der j\u00fcdischen Gemeinde. 1933 wurden die Zionisten zur stimmenst\u00e4rksten Partei. Trotz des Antisemitismus erlebte die j\u00fcdische Gemeinschaft zwischen ihrer Emanzipation und dem Ersten Weltkrieg eine Bl\u00fcte auf wirtschaftlichem ebenso wie kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet. Als Kaiser Franz Josef Serbien den Krieg erkl\u00e4rte, wurden viele J\u00fcdinnen und Juden ebenso wie die Nichtj\u00fcdinnen und Nichtjuden von Kriegsbegeisterung ergriffen. Die j\u00fcdischen M\u00e4nner wollten ihre Treue zu Kaiser und Vaterland ebenso unter Beweis stellen wie ihre Tapferkeit. Gleichzeitig hofften sie, mit ihrer Kriegsbeteiligung antisemitische Vorurteile wie Feigheit oder Vaterlandslosigkeit widerlegen zu k\u00f6nnen und endg\u00fcltig in die \u00f6sterreichische Gesellschaft aufgenommen zu werden. Obwohl der Kaiser zum \u201eBurgfrieden\u201c aufrief und eine strenge Pressezensur vorherrschte, verbreitete sich rasch ein virulenter Antisemitismus. Neben Anschuldigungen, dass Juden Kriegsgewinnler und Dr\u00fcckeberger seien, wurden bald die Kriegsfl\u00fcchtlinge, die seit September 1914 vor den russischen Truppen in den Westen flohen oder von der k.u.k. Armee aus dem Kriegsgebiet ausgewiesen wurden, zu Haupt-Zielscheiben des Antisemitismus. Die meist v\u00f6llig verarmten j\u00fcdischen Kriegsfl\u00fcchtlinge wurden bald zu S\u00fcndenb\u00f6cken f\u00fcr kriegsbedingten Mangel. Antisemitische Hetze betrieben nicht zuletzt der christlichsozial dominierte Gemeinderat sowie die christlichsoziale und deutschnationale Presse. Die 25.000\u201330.000 j\u00fcdischen Kriegsfl\u00fcchtlinge, die nach dem Krieg in \u00d6sterreich blieben, waren weiterhin Zielscheibe der AntisemitInnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1578\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/02_Su\u0308dbahnhof.jpg\" alt=\"\" width=\"441\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/02_Su\u0308dbahnhof.jpg 800w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/02_Su\u0308dbahnhof-300x199.jpg 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/02_Su\u0308dbahnhof-768x509.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/02_Su\u0308dbahnhof-520x345.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 441px) 100vw, 441px\" \/>\r\n<figcaption>Emigration von Juden aus der Sowjetunion \u00fcber \u00d6sterreich. Wien, S\u00fcdbahnhof, 1915 <br \/>Foto: Harry Weber<br \/>Bildnachweis: \u00d6NB \/ Weber<\/figcaption>\r\n<\/figure>\n\n\n\n<h4><strong>Von der Gr\u00fcndung der Ersten zur Gr\u00fcndung der Zweiten Republik<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Nach dem Zerfall der Donaumonarchie waren alle Menschen mit Heimatrecht in Kronl\u00e4ndern au\u00dferhalb des Gebiets der Republik \u00d6sterreich \u00fcber Nacht Ausl\u00e4nder. Angesichts der schweren Wirtschaftskrise bef\u00fcrworteten auch sozialdemokratische Politiker deren Ausweisung, insbesondere jene der j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlinge. Am 9. September 1919 verf\u00fcgte der sozialdemokratische Landeshauptmann von Nieder\u00f6sterreich, Albert Sever, die \u201eAbreisendmachung von Fremden\u201d. Aufgrund ausl\u00e4ndischen Drucks wurde dieser Erlass weitgehend zur\u00fcckgenommen, doch bot er den AntisemitInnen fortan politische Munition. Bei den parlamentarischen Diskussionen um die Verleihung der \u00f6sterreichischen Staatsb\u00fcrgerschaft war der Ausschluss von J\u00fcdinnen und Juden ein wichtiges Anliegen der christlichsozialen und deutschnationalen Politiker. Das im Vertrag von St. Germain festgelegte Optionsrecht f\u00fcr \u00d6sterreich wurde unter dem deutschnationalen Innenminister Leopold Waber 1921\/22 offen rassistisch interpretiert und die meisten Antr\u00e4ge von J\u00fcdinnen und Juden abgelehnt. Allerdings verfolgte die sozialdemokratisch regierte Stadt Wien eine liberalere Einb\u00fcrgerungspolitik. 1923 erreichte die Wiener j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung mit 201.513 Personen und einem Bev\u00f6lkerungsanteil von 10,8 Prozent ihren H\u00f6chststand.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2716\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/03_Gro\u00dfdeutsch.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/03_Gro\u00dfdeutsch.jpg 505w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/03_Gro\u00dfdeutsch-189x300.jpg 189w\" sizes=\"(max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/>\r\n<figcaption>\u201eSo sieht die sozialdemokratische Wohnf\u00fcrsorge aus! &#8211; W\u00e4hlet Gro\u00dfdeutsch\u201c<br \/>Wahlplakat 21.10.1923<br \/>Bildnachweis: \u00d6NB<\/figcaption>\r\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Die Wirtschaftskrise der Zwischenkriegszeit traf die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung hart. Der Anteil der in Handel und Verkehr t\u00e4tigen J\u00fcdinnen und Juden stieg erneut an, w\u00e4hrend der Prozentsatz der j\u00fcdischen Studierenden an der Universit\u00e4t Wien sank. Ab Mitte der zwanziger Jahre gab es so gut wie keine j\u00fcdische Zuwanderung mehr, welche die Austritte aus dem Judentum, die interkonfessionellen Ehen sowie den drastischen Geburtenr\u00fcckgang ausgeglichen h\u00e4tte. Die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie durch Engelbert Dollfu\u00df (1892\u20131934) und die Februarrevolution von 1934 bewirkten eine Abwanderung von SozialistInnen und KommunistInnen, unter denen sich zahlreiche J\u00fcdinnen und Juden befanden. Diskriminierungen und Schikanen gegen j\u00fcdische WissenschaftlerInnen, AkademikerInnen und K\u00fcnstlerInnen zur Zeit des St\u00e4ndestaates, die ebenfalls mit linken Sympathien der Betroffenen gerechtfertigt wurden, aber auch das Erstarken rechter Netzwerke bewegten tausende J\u00fcdinnen und Juden, \u00d6sterreich bereits vor dem Anschluss zu verlassen. Im M\u00e4rz 1938 z\u00e4hlte die Israelitische Kultusgemeinde Wien nur mehr 169.978 Mitglieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Unmittelbar nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Wien begannen die verbalen und t\u00e4tlichen Ausschreitungen gegen die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung sowie die Pl\u00fcnderungen j\u00fcdischer Wohnungen und Gesch\u00e4fte durch die Wiener Bev\u00f6lkerung. Diesen folgten die \u201elegale\u201d Beraubung durch \u201eArisierung&#8220; sowie die systematische Ausschaltung der J\u00fcdinnen und Juden aus dem wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben. Die von Adolf Eichmann geleitete \u201eZentralstelle f\u00fcr j\u00fcdische Auswanderung in Wien\u201d entwickelte ein ebenso ausgekl\u00fcgeltes wie brutales System, J\u00fcdinnen und Juden rasch und f\u00fcr die nationalsozialistischen Machthaber lukrativ zur Auswanderung zu zwingen, obwohl die meisten Staaten eine \u00e4u\u00dferst restriktive Einwanderungspolitik gegen\u00fcber den oft mittellosen j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlingen verfolgten. Die brutale Vertreibungspolitik der NationalsozialistInnen bewirkte, dass etwa zwei Drittel der \u00f6sterreichischen J\u00fcdinnen und Juden ins rettende Ausland fliehen und der Vernichtung entkommen konnten. Dennoch wurden mehr als 66.000 M\u00e4nner, Frauen und Kinder Opfer der Shoah.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>Demographische Entwicklung nach der Shoah<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Laut Berechnungen des Historikers Jonny Moser wurden zu Kriegsende in \u00d6sterreich 5.512 Menschen befreit, die als J\u00fcdinnen und Juden verfolgt worden waren. Von diesen geh\u00f6rte ein erheblicher Teil nicht der j\u00fcdischen Religionsgemeinschaft an. Die Mehrheit hatte gesch\u00fctzt durch nichtj\u00fcdische EhepartnerInnen oder Kinder \u00fcberlebt. Dazu kam eine kleine Gruppe von MitarbeiterInnen des \u201e\u00c4ltestenrats der Juden in Wien\u201c (Nachfolgeorganisation der Ende 1942 aufgel\u00f6sten IKG Wien) und mehrere Hundert sogenannte U-Boote, Menschen, welche die NS-Zeit im Verborgenen \u00fcberlebt hatten. Lediglich 1.734 Personen hatten die Deportation in ein Ghetto oder Konzentrationslager \u00fcberlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mehr als 200.000 j\u00fcdischen Displaced Persons (DP) aus Polen, Ungarn und Rum\u00e4nien, die zwischen 1945 und 1954 in sogenannten DP-Lagern in \u00d6sterreich auf ihre Weiterreise warteten, hatten kaum Kontakt mit \u00d6sterreicherInnen. Angesichts des Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit, die im Nachkriegs\u00f6sterreich bei Politikern und in der Bev\u00f6lkerung vorherrschten, lie\u00dfen sich nur sehr wenige DPs in \u00d6sterreich nieder.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2717\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/04_Rothschildspital.jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"441\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/04_Rothschildspital.jpg 598w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/04_Rothschildspital-224x300.jpg 224w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/04_Rothschildspital-520x696.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/>\r\n<figcaption>J\u00fcdische Fl\u00fcchtlinge im Rothschildspital um 1947<br \/>Foto: Franz Blaha<br \/>Bildnachweis: \u00d6NB \/ Blaha<\/figcaption>\r\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Die sp\u00e4teren Fl\u00fcchtlingswellen aus Ungarn (1956) und der Tschechoslowakei (1968) brachten nur wenig j\u00fcdische Zuwanderung. Diese konnte die geringen Geburtenraten, die \u00dcberalterung der Gemeinde und die Austritte nicht wettmachen. Doch dann kam die demographische Wende. Ab 1965 wurde \u00d6sterreich Transitland f\u00fcr j\u00fcdische AuswanderInnen aus der Sowjetunion, die meist nach Israel oder in die USA weiterreisen wollten. Einige Tausend MigrantInnen, die meist aus Georgien, Usbekistan und Tadschikistan stammten, lie\u00dfen sich Anfang der 1970er Jahre in Wien nieder. Die Wiener j\u00fcdische Gemeinde z\u00e4hlt heute 8.000 Mitglieder. Diese Zahl ist zwar immer noch bescheiden, doch ist die IKG Wien die einzige j\u00fcdische Gemeinde Europas, die w\u00e4chst. Die kleinen Provinzgemeinden konnten von dieser Zuwanderung nicht profitieren und leiden unter schrumpfenden Mitgliederzahlen. Allerdings sind keineswegs alle J\u00fcdinnen und Juden Mitglieder der Kultusgemeinden. Bei der Volksz\u00e4hlung von 2001 bezeichneten sich 14.600 Personen als j\u00fcdisch, davon waren 2.000 Israelis.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>Schwieriger Neubeginn<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Von den 130.000 J\u00fcdinnen und Juden, die im Ausland Zuflucht gefunden hatten, kehrten lediglich 8.000 nach \u00d6sterreich zur\u00fcck. Zu diesen geh\u00f6rten etwa 1.000 der 18.000 Fl\u00fcchtlinge nach Shanghai, die Shanghai nach Kriegsende verlassen mussten. Etwa 700 Personen kehrten aus Pal\u00e4stina\/Israel zur\u00fcck, wo sie sich nicht hatten einleben k\u00f6nnen. Andere kamen aus politischer \u00dcberzeugung, weil sie ein demokratisches \u00d6sterreich aufbauen wollten. Vor allem aus Gro\u00dfbritannien, aber auch aus der Sowjetunion kamen KommunistInnen auf Gehei\u00df der Partei zur\u00fcck. Aber auch die KP\u00d6 bevorzugte Mitglieder ihrer Kader gegen\u00fcber Intellektuellen und K\u00fcnstlerInnen. Eine Ausnahme stellte der kommunistische Wiener Stadtrat f\u00fcr Kultur und Volksaufkl\u00e4rung, Viktor Matejka, dar, der im November 1945 in der <em>Austro-American Tribune<\/em> vertriebene WissenschaftlerInnen und K\u00fcnstlerInnen zur R\u00fcckkehr nach \u00d6sterreich aufrief, was jedoch selbst in seiner Partei umstritten war. SozialistInnen und Christlichsoziale verhielten sich abwartend bis ablehnend gegen\u00fcber RemigrantInnen. Denn \u00d6sterreich war zwar vom nationalsozialistischen Regime, nicht aber vom Antisemitismus befreit worden. Die eigene Not, der Versorgungsmangel und der Verlust naher Verwandter und FreundInnen im Krieg dr\u00e4ngten Fragen nach Mitschuld und Verantwortung an den NS-Verbrechen in den Hintergrund. Au\u00dferdem konnte sich \u00d6sterreich auf die Moskauer Deklaration von 1943 berufen, in welcher die Alliierten ihm zubilligten, das erste freie Land gewesen zu sein, das der \u201etypischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer\u201c gefallen war. Der darin ebenfalls enthaltene Hinweis auf \u00d6sterreichs Verantwortung f\u00fcr die Teilnahme am Krieg auf Seiten Hitler-Deutschlands wurde nicht zur Kenntnis genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verhandlungen um den Staatsvertrag machten das Pochen auf den \u201eOpfermythos\u201c zur Staatsr\u00e4son und erm\u00f6glichten es \u00d6sterreich, sich aus der Verantwortung zu stehlen. W\u00e4hrend in Deutschland der Staat die J\u00fcdinnen und Juden entsch\u00e4digte, mussten sie in \u00d6sterreich ihre Anspr\u00fcche individuell gegen\u00fcber den \u201eAriseurInnen\u201c geltend machen. Auf Entsch\u00e4digung f\u00fcr Eigentum, das nicht mehr auffindbar oder zerst\u00f6rt war, bestand kein Anspruch. \u201eAriseurInnen\u201c, welche das gestohlene Eigentum zur\u00fcckgeben oder die rechtm\u00e4\u00dfigen Eigent\u00fcmerInnen (teil)entsch\u00e4digen mussten, f\u00fchlten sich nun ihrerseits als \u201eOpfer\u201c und wurden von der \u00d6ffentlichkeit auch als solche angesehen. J\u00fcdischen \u00dcberlebenden hingegen verweigerte der \u00f6sterreichische Staat bis in die 1970er Jahre die Anerkennung als eigene Opfergruppe und rechnete sie zu den politisch Verfolgten. Dies lie\u00df das Ausma\u00df des \u00f6sterreichischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus gr\u00f6\u00dfer erscheinen und unterst\u00fctzte so das \u00f6sterreichische Streben nach Unabh\u00e4ngigkeit. Gleichzeitig standen die J\u00fcdinnen und Juden damit aber auch in Konkurrenz zu den politischen Verfolgten.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch sehr bald sollte auch das Schicksal der politisch Verfolgten aus dem kollektiven Bewusstsein verschwinden. Der \u00f6sterreichische Konsens war die Vers\u00f6hnung mit den NationalsozialistInnen. Nach Inkrafttreten des Entnazifizierungsgesetzes von 1947 wurden von 537.000 ehemaligen Mitgliedern der NSDAP lediglich 42.000 als \u201ebelastet\u201c eingestuft und zu S\u00fchneleistungen verpflichtet. Da die \u201eMinderbelasteten\u201c das Wahlrecht besa\u00dfen, buhlten alle Parteien um ihre Stimmen, aber auch um jene der Angeh\u00f6rigen der \u201eBelasteten\u201c. Sehr bald wurden auch diese mit allen Rechten in die \u00f6sterreichische Gesellschaft integriert. Statt einer ehrlichen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit wurde eine \u00f6sterreichische Identit\u00e4t entwickelt, die sich strikt von der deutschen distanzierte und jegliche Schuld damit externalisierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die in \u00d6sterreich lebenden J\u00fcdinnen und Juden verhielten sich still. Eine Ausnahme war Simon Wiesenthal. Er hatte zun\u00e4chst als DP in Linz gelebt und es sich zur Aufgabe gemacht, NS-VerbrecherInnen auszuforschen und den Gerichten zu \u00fcbergeben. Obwohl er bald feststellen musste, dass weder die amerikanischen Besatzungsbeh\u00f6rden noch die \u00f6sterreichischen Gerichte an einer Verfolgung der T\u00e4terInnen interessiert waren, gab er nicht auf. 1947 richtete er das \u201eZentrum zur historischen Dokumentation\u201c ein. Aufsehen erregte Wiesenthal, als er 1970 und 1975 den \u00f6sterreichischen Bundeskanzler j\u00fcdischer Herkunft Bruno Kreisky daf\u00fcr kritisierte, dass er ehemalige Nationalsozialisten zu Ministern machen wollte. Besonders scharf war Wiesenthals Kritik am damaligen Obmann der mit der SP\u00d6 koalierenden FP\u00d6, Friedrich Peter, ehemaliges Mitglied der I. SS-Infanteriebrigade, die an Judenmorden beteiligt gewesen war. Kreisky bediente sich bei seinen Entgegnungen auf Wiesenthal auch antisemitischer Stereotype gegen \u201eOstjuden\u201c. Die J\u00fcdinnen und Juden waren \u00fcber Kreisky emp\u00f6rt, dennoch war ihnen Wiesenthals Offensive unerw\u00fcnscht. Denn 1970 hatte sich die \u00d6VP im Wahlkampf gegen Bruno Kreisky antisemitischer Vorurteile bedient, indem sie ihren Kandidaten Josef Klaus als \u201eechten \u00d6sterreicher\u201c bezeichnet hatte. Doch 1975 publizierte die Organisation \u201eJ\u00fcdische Jugend\u201d eine Dokumentation \u00fcber die SS-Vergangenheit des FP\u00d6-Vorsitzenden Friedrich Peter. In der sich daraus entwickelnden Kontroverse mit Bundeskanzler Bruno Kreisky, in der h\u00e4ufig antisemitische T\u00f6ne laut wurden, solidarisierte sich die IKG erstmals \u2013 wenn auch nur indirekt \u2013 mit Simon Wiesenthal. F\u00fcr die j\u00fcngeren und jungen Wiener J\u00fcdinnen und Juden wurde Wiesenthal in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zu einem Vorbild.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Haltung der IKG Wien zu Bundeskanzler Kreisky und der von ihm geleiteten SP\u00d6 war kompliziert. Denn die IKG stand in den ersten Nachkriegsjahrzehnten der SP\u00d6 nahe, da sie dem (christlichen) Antisemitismus der \u00d6VP misstraute. Gleichzeitig war jedoch die SP\u00d6 keineswegs durchwegs judenfreundlich. Dass Bruno Kreisky trotz seiner j\u00fcdischen Herkunft Bundeskanzler werden konnte, galt vielen J\u00fcdinnen und Juden als Zeichen eines positiven Stimmungswandels in \u00d6sterreich. Doch dieser betonte, dass seine j\u00fcdische Herkunft keine pers\u00f6nliche Bedeutung f\u00fcr ihn habe. Er war nicht nur bereit, ehemaligen NationalsozialistInnen ihre Vergangenheit zu verzeihen, er wollte auch den fortbestehenden Einfluss des Nationalsozialismus in der \u00f6sterreichischen Gesellschaft nicht wahrhaben. Gleichzeitig initiierte seine Regierung die Besch\u00e4ftigung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust in den \u00f6sterreichischen Schulen. Auf Initiative des Politologen Anton Pelinka und des Auschwitz-\u00dcberlebenden Hermann Langbein f\u00fchrte sie den Medienkoffer und den heute noch zentralen ZeitzeugInnenvermittlungsdienst ein. Wichtige Impulse f\u00fcr diese neue Haltung gegen\u00fcber dem Nationalsozialismus kamen von der StudentInnenbewegung des Jahres 1968, aber auch von der offeneren und reformfreudigen Politik der Kreisky-Jahre (1970\u20131983). Trotzdem kam es unter der Regierung Kreisky zu einer Distanzierung der j\u00fcdischen Gemeinde von der SP\u00d6. Der entscheidende Wendepunkt in der Auseinandersetzung der \u00d6sterreicherInnen mit ihrer NS-Vergangenheit erfolgte erst 1986 w\u00e4hrend des Wahlkampfs von Kurt Waldheim um die Bundespr\u00e4sidentschaft. War Waldheim noch 1971 und 1981 ohne Weiteres zum Generalsekret\u00e4r der UNO gew\u00e4hlt worden, so wurde 1986 seine Mitgliedschaft beim SA-Reiterbund und dem NS-Studentenbund bekannt, die er bisher verschwiegen hatte. W\u00e4hrend seines Dienstes bei der Wehrmacht geh\u00f6rte Waldheim Einheiten an, die an der Deportation der J\u00fcdinnen und Juden aus Saloniki beteiligt waren. Waldheim konnte keine direkte Verwicklung in Verbrechen nachgewiesen werden, doch sein Leugnen jeglichen Wissens um die Judenverfolgung wurde zun\u00e4chst im Ausland, sehr bald aber auch bei einer gro\u00dfen Minderheit in \u00d6sterreich zum Symbol f\u00fcr die Verlogenheit des \u00f6sterreichischen \u201eOpfermythos\u201c und die Abwehr einer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Waldheim wurde mit deutlicher Mehrheit gew\u00e4hlt, blieb aber international ge\u00e4chtet und isoliert. Er war der letzte Exponent der Kriegsgeneration, der ein wichtiges politisches Amt bekleidete. W\u00e4hrend des Wahlkampfs kam es zu heftigen \u00f6ffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen, bei denen der ansonsten unterschwellige Antisemitismus zum Teil erschreckend offen zum Ausdruck kam. Auch die \u00d6VP-Wahlpropaganda arbeitete mit antisemitischen Stereotypen. Auf diese Diskussionen folgte das sogenannte \u201eBedenkjahr\u201c 1988 mit einer F\u00fclle an Informationsveranstaltungen sowie starker medialer Befassung mit dem Nationalsozialismus. Diese intensive Informationskampagne lie\u00df den \u00f6sterreichischen \u201eOpfermythos\u201c schlie\u00dflich als fragw\u00fcrdig erscheinen und f\u00fchrte auch zu einem Wandel im politischen Diskurs.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 8. Juli 1991 bekannte Bundeskanzler Franz Vranitzky vor dem \u00f6sterreichischen Nationalrat offiziell die Mitverantwortung von \u00d6sterreicherInnen und daher auch von \u00d6sterreich an den nationalsozialistischen Verbrechen. 1995 folgte die Einrichtung des \u201e\u00d6sterreichischen Nationalfonds f\u00fcr Opfer des Nationalsozialismus\u201c, der Vertriebenen und \u00dcberlebenden eine Gestezahlung von 7.000 US-Dollar als Anerkennung ihres Leidens zukommen lie\u00df. Als die \u00d6VP im Jahr 2000 eine Koalition mit der rechtsradikalen FP\u00d6 unter J\u00f6rg Haider einging, schienen diese Bem\u00fchungen um eine \u00dcberwindung der NS-Vergangenheit neuerlich gef\u00e4hrdet. Doch nicht zuletzt als Reaktion auf ausl\u00e4ndischen Druck richtete diese Regierung 2001 den \u201eAllgemeinen Entsch\u00e4digungsfonds f\u00fcr Opfer des Nationalsozialismus\u201c ein, um noch offene Fragen der Naturalrestitution und Verm\u00f6gensentsch\u00e4digung zu behandeln. Die in den fr\u00fchen Nachkriegsjahren vorenthaltenen R\u00fcckstellungen und Entsch\u00e4digungen konnten nun neuerlich geltend gemacht werden, wobei die Opfer jedoch nur mit einer Teilentsch\u00e4digung rechnen konnten. Dennoch waren der \u201eEntsch\u00e4digungsfonds\u201c und die seit 1998 durchgef\u00fchrte Kunstrestitution ernsthafte Bem\u00fchungen um sp\u00e4te Anerkennung der Rechte der NS-Gesch\u00e4digten oder deren ErbInnen. Weniger erfolgreich war das 2010 erlassene \u201eBundesgesetz \u00fcber die Einrichtung des Fonds zur Instandsetzung der j\u00fcdischen Friedh\u00f6fe in \u00d6sterreich\u201c, das mangels Kooperation einiger Gemeinden noch immer nicht vollst\u00e4ndig umgesetzt werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gedenken an die j\u00fcdischen Opfer des Nationalsozialismus war lange Zeit eine innerj\u00fcdische Angelegenheit. Lediglich einigen Einzelk\u00e4mpferInnen gelang es, nichtj\u00fcdische Gedenkinitiativen durchzusetzen. Leon Zelman schuf 1980 das Jewish Welcome Service, das mit finanzieller Unterst\u00fctzung durch die Stadt Wien und den Bund j\u00fcdische \u00dcberlebende und ihre Angeh\u00f6rigen zu Besuchen in der alten Heimat einl\u00e4dt, bislang mehr als 4.000 Personen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2718\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/05_Zelman.jpg\" alt=\"\" width=\"437\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/05_Zelman.jpg 800w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/05_Zelman-300x200.jpg 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/05_Zelman-768x512.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/05_Zelman-520x346.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 437px) 100vw, 437px\" \/>\r\n<figcaption>Ehrung Leon Zelmans durch die Stadt Wien. Der israelische Botschafter Yosef Govrin und Kurt Rosenkranz gratulieren<br \/>Foto: Harry Weber<br \/>Bildnachweis: \u00d6NB \/ Weber<\/figcaption>\r\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Doch erst im Zusammenhang mit der Waldheimaff\u00e4re und dem \u201eBedenkjahr\u201c 1988 r\u00fcckte das Gedenken an j\u00fcdische Opfer ins breite, allgemein-gesellschaftliche Bewusstsein. Dies findet in zahlreichen Gedenkveranstaltungen zum Beispiel an das Novemberpogrom seinen Ausdruck. 1988 wurde das von Alfred Hrdlicka gestaltete \u201eMahnmal gegen Krieg und Faschismus\u201c auf dem Wiener Albertinaplatz enth\u00fcllt. Dieses gedenkt s\u00e4mtlicher Opfer des Nationalsozialismus. J\u00fcdinnen und Juden kommt durch die Figur des \u201estra\u00dfenwaschenden Juden\u201c eine Sonderstellung zu. Die Figur, welche an die skandal\u00f6sen \u201eReibpartien\u201c des \u201eAnschlusspogroms\u201c erinnert, wurde von gro\u00dfen Teilen der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung als Perpetuierung der Dem\u00fctigung abgelehnt. Viele BetrachterInnen erkennen die Bedeutung der Skulptur nicht und benutzen sie als Sitzgelegenheit. Die K\u00fcnstlerin Ruth Beckermann kommentierte und kontextualisierte die Skulptur 2015 durch eine tempor\u00e4re Installation, die historische Filmaufnahmen von einer \u201eReibpartie\u201c zeigte, bei der die lachenden und feixenden ZuschauerInnen im Mittelpunkt stehen. Die Unzufriedenheit mit dem Mahnmal von Alfred Hrdlicka bewegte Simon Wiesenthal, sich f\u00fcr ein Holocaustmahnmal in Wien einzusetzen. Es sollte jedoch bis zum Jahr 2000 dauern, bis das von Rachel Whiteread entworfene und von der Stadt Wien gestiftete \u201eMahnmal der \u00f6sterreichischen Opfer der Shoah\u201c auf dem Judenplatz in der Wiener Innenstadt enth\u00fcllt wurde. Seine Wirkmacht erh\u00e4lt das schlichte Mahnmal durch das Ensemble Judenplatz. Denn es steht an der Stelle der 1421 zerst\u00f6rten Or Sarua-Synagoge, deren Fundamente im Zuge der Umgestaltung des Judenplatzes entdeckt wurden und heute Teil des Mittelalter-Museums im Misrachi-Haus sind. Gegen\u00fcber dem Mahnmal steht ein Denkmal des Aufkl\u00e4rers Gotthold Ephraim Lessing. Neben dem Mahnmal befindet sich eine Gedenktafel der katholischen Kirche, welche die Verbindung zwischen dem mittelalterlichen christlichen Antisemitismus und dem Holocaust herstellt. Als Kontrast dazu ist am sogenannten Jordanhaus eine Tafel aus dem Jahr 1497 zu sehen, in der in lateinischer Sprache die Vertreibung und Ermordung der Wiener Juden im Jahr 1421 gepriesen wird. Die Shoah wird somit als grausamer H\u00f6hepunkt des jahrhundertealten Antisemitismus in seinen \u00f6sterreichischen Auspr\u00e4gungen dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das neu erweckte Interesse an j\u00fcdischer Geschichte und dem Gedenken an die Opfer des Holocaust f\u00fchrte in Graz zur Wiedererrichtung der im Zuge des Novemberpogroms 1938 zerst\u00f6rten und bald danach abgerissenen Synagoge. Lange Zeit war das einzige Erinnerungszeichen an die zerst\u00f6rte Grazer j\u00fcdische Gemeinde eine diskrete Gedenktafel an die \u201e1938\u20131945 ermordeten Br\u00fcder und Schwestern\u201c auf dem j\u00fcdischen Bethaus. 1983 legte der K\u00fcnstler Fedo Ertl in der Alberstra\u00dfe ein Band jener Ziegel frei, die fr\u00fcher zur Synagoge geh\u00f6rt hatten und nach deren Abriss zum Bau von Garagen der Landesregierung verwendet worden waren. Im \u201eBedenkjahr\u201c 1988 wurden die Grundmauern der Synagoge freigelegt und im Zentrum des so entstandenen Platzes ein Denkmal errichtet. 1991 konnten die wiedererrichtete Zeremonienhalle auf dem j\u00fcdischen Friedhof und 2000 schlie\u00dflich die neu erbaute Synagoge eingeweiht werden. Der an einer verkehrsreichen Stelle befindliche Sakralbau macht die j\u00fcdische Pr\u00e4senz in Graz wieder sichtbar. Allerdings t\u00e4uscht dieser Eindruck: Die nur etwa 200 Mitglieder leben verstreut in der Steiermark, in K\u00e4rnten und im s\u00fcdlichen Burgenland. Interne Zwistigkeiten und organisatorische Probleme bewogen die Gemeinde 2013, mit der IKG Wien zu fusionieren. Der daraus entstandene Kultusverein Graz versieht nur mehr die Kernaufgaben Gottesdienst, Religionsunterricht und Kultur.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>Der Neuaufbau des j\u00fcdischen Gemeindelebens<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Der Wiederaufbau des religi\u00f6sen Gemeindelebens nach dem Holocaust ging nur schleppend voran. Die Synagoge in der Seitenstettengasse wurde langsam wieder in Stand gesetzt. Erst 1948 wurde mit Ernst Akiba Eisenberg ein Oberrabbiner f\u00fcr Wien bestellt. Heute besitzt Wien insgesamt zw\u00f6lf Synagogen und mehrere Beth\u00e4user. Dazu kommen drei j\u00fcdische Schulen, die von 60 Prozent der j\u00fcdischen Kinder besucht werden, sowie eine Jeschiwa (Talmudschulde). Au\u00dferhalb von Wien gibt es in Baden, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck funktionierende Synagogen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2719\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/06_Chanukka.jpg\" alt=\"\" width=\"440\" height=\"294\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/06_Chanukka.jpg 800w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/06_Chanukka-300x200.jpg 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/06_Chanukka-768x512.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/06_Chanukka-520x346.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 440px) 100vw, 440px\" \/>\r\n<figcaption>Chanukka-Feier, Wien 1, Desider-Friedmann-Platz<br \/>Foto: Harry Weber<br \/>Bildnachweis: \u00d6NB \/ Weber<\/figcaption>\r\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Im Juni 1945 setzte der f\u00fcr die Kultusgemeinde zust\u00e4ndige kommunistische Staatssekret\u00e4r Ernst Fischer den Arzt Heinrich Schur als Leiter der IKG Wien ein. Als dieser im September zur\u00fccktrat, folgte ihm David Brill, der Sekret\u00e4r des kommunistischen Parteiobmanns Johann Koplenig. Bei den kommenden darauffolgenden Kultuswahlen 1946 und 1948 wurde Brills kommunistische Liste \u201eJ\u00fcdische Einigkeit\u201c stimmenst\u00e4rkste Partei. Bei den Kultuswahlen 1952 gewann der sozialistische \u201eBund werkt\u00e4tiger Juden\u201c die absolute Mehrheit, die er erst 1976 unter dem Eindruck von Bruno Kreiskys antiisraelischer Politik verlor. Doch erst 1981 konnten andere Listen auch die relative Mehrheit der Sozialisten brechen. Seitdem stellt der \u201eVereinigte j\u00fcdische Wahlblock Alternative\u201c unter wechselndem Namen \u2013 heute \u201eAtid\u201c (Zukunft) \u2013 den Pr\u00e4sidenten. W\u00e4hrend parteinahe und zionistische Listen ihre Bedeutung einb\u00fc\u00dften, sind heute die landsmannschaftlichen Parteien der bucharischen und der georgischen J\u00fcdinnen und Juden, die immerhin die H\u00e4lfte der IKG-Mitglieder ausmachen, im Vormarsch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass sich 1981 eine parteiunabh\u00e4ngige Liste bei den Kultuswahlen durchsetzen konnte, war auf ein neues, st\u00e4rkeres Selbstbewusstsein der j\u00fcdischen Gemeinschaft zur\u00fcckzuf\u00fchren. Statt sich unter den Schutz einer Partei zu stellen, wollte vor allem die Nachkriegsgeneration eine eigene j\u00fcdische Politik betreiben. Dabei kam ihr der Wandel in der \u00f6ffentlichen Haltung zugute. In den schwierigen Jahren der Wahl Kurt Waldheims und im \u201eBedenkjahr\u201c war IKG-Pr\u00e4sident Paul Grosz eine engagierte j\u00fcdische Stimme. Grosz vertrat ein selbstbewusstes \u00f6sterreichisches Judentum. Als Sohn eines j\u00fcdischen Vaters und einer christlichen Mutter hatte er die NS-Zeit als \u201eGeltungsjude\u201c in Wien \u00fcberlebt, war also ein \u201eechter Wiener\u201c, der neue Sympathien f\u00fcr die Gemeinde gewinnen konnte. Polarisierender war sein Nachfolger Ariel Muzicant, der das Amt des Pr\u00e4sidenten 1998 \u00fcbernahm. Er war 1953 geboren worden und geh\u00f6rte zur Nachkriegsgeneration, die nicht davor zur\u00fcckschreckte, sich aktiv in die \u00f6sterreichische Politik einzuschalten und ihre Rechte einzufordern. Als im Jahr 2000 die \u00d6VP unter Wolfgang Sch\u00fcssel eine Koalition mit der FP\u00d6 unter J\u00f6rg Haider schloss \u2013 wobei Haider Landeshauptmann von K\u00e4rnten blieb und kein Regierungsamt innehatte \u2013, beteiligte sich die IKG an Protesten dagegen und schloss sich mit Oppositionsgruppierungen zusammen. Seitdem sind VertreterInnen der IKG regelm\u00e4\u00dfig bei Protestveranstaltungen gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und (neo-)nazistische Erscheinungen pr\u00e4sent. Dieses Selbstbewusstsein deutet auf eine Konsolidierung der j\u00fcdischen Gemeinde hin, die ihren Weiterbestand gesichert sieht und sich entsprechend in der \u00f6sterreichischen Gesellschaft positionieren will.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2720\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/07_Gemischtwaren.jpg\" alt=\"\" width=\"446\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/07_Gemischtwaren.jpg 800w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/07_Gemischtwaren-300x200.jpg 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/07_Gemischtwaren-768x512.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/07_Gemischtwaren-520x346.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/>\r\n<figcaption>Gemischtwarenhandlung, Wien 2, Tempelgasse<br \/>Foto: Harry Weber<br \/>Bildnachweis: \u00d6NB \/ Weber<\/figcaption>\r\n<\/figure>\n\n\n\n<p>Muzicant gelang es, das Budget der Gemeinde zu konsolidieren sowie l\u00e4ngst f\u00e4llige Entsch\u00e4digungszahlungen seitens der \u00f6sterreichischen Regierung durchzusetzen. Zu erinnern ist hier an das Kunstr\u00fcckgabegesetz (1998), die Gr\u00fcndung des \u201eEntsch\u00e4digungsfonds\u201c sowie das \u201eBundesgesetz \u00fcber die Einrichtung des Fonds zur Instandsetzung der j\u00fcdischen Friedh\u00f6fe in \u00d6sterreich\u201c (2010), von denen schon die Rede war. Die zahlenm\u00e4\u00dfige Zunahme der Wiener J\u00fcdinnen und Juden erlaubt seit den 1980er Jahren auch einen merklichen Ausbau der Wiener j\u00fcdischen Infrastruktur, die heute zu den besten in Europa z\u00e4hlt. In Wien gibt es \u00fcber hundert j\u00fcdische Vereine f\u00fcr Sport, Kultur, Religion, Erziehung und Geselligkeit. 1994 wurde das psychosoziale Zentrum \u201eEsra\u201c f\u00fcr Opfer des Nationalsozialismus und ihre Nachkommen gegr\u00fcndet. Diese auf TraumapatientInnen spezialisierte Einrichtung betreut heute auch Fl\u00fcchtlinge. Nachdem die IKG Wien nach langwierigen Restitutionsverhandlungen Ersatzgrundst\u00fccke f\u00fcr die ehemaligen Hakoah-Gr\u00fcnde im Prater erhalten hatte, entstand ein Zentrum bestehend aus Sporteinrichtungen, einem Altersheim und der Zwi-Perez-Chajes-Schule.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2721\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/08_Hakoah.jpg\" alt=\"\" width=\"436\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/08_Hakoah.jpg 800w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/08_Hakoah-300x200.jpg 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/08_Hakoah-768x512.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/08_Hakoah-520x346.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 436px) 100vw, 436px\" \/>\r\n<figcaption>Wien 2, Training beim S.C. Hakoah<br \/>Foto: Harry Weber<br \/>Bildnachweis: \u00d6NB \/ Weber<\/figcaption>\r\n<\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Entwicklungen in den Bundesl\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weniger erfolgreich war die Entwicklung der j\u00fcdischen Gemeinden in anderen Bundesl\u00e4ndern. In Nieder\u00f6sterreich, dem Bundesland, in dem vor der NS-Zeit neben Wien die meisten J\u00fcdinnen und Juden gelebt hatten und 15 Kultusgemeinden bestanden, gibt es heute nur die kleine Gemeinde in Baden, welche der IKG Wien untersteht. Die traditionsreichen burgenl\u00e4ndischen Gemeinden sind nachhaltig ausgel\u00f6scht, im Burgenland gibt es kein j\u00fcdisches Leben mehr. Dasselbe gilt f\u00fcr Vorarlberg und K\u00e4rnten. Kultusgemeinden gibt es lediglich in Linz, Salzburg und Innsbruck. Ober\u00f6sterreich, wo die H\u00e4ftlinge des KZ Mauthausen sowie 200.000 ZwangsarbeiterInnen befreit wurden und das in der amerikanischen Zone lag, war in den ersten Nachkriegsjahren ein Zentrum der DPs. Zwischen 1945 und 1950 gab es in Linz vier DP-Lager f\u00fcr Juden, au\u00dferdem bestanden Lager mit j\u00fcdischen BewohnerInnen in Ried, Bad Ischl, Wels, Enns, Steyr, Ranshofen, Ebensee und Haid. Bis 1950 entstand hier eine j\u00fcdische Lebenswelt, die nichts mit dem \u00f6sterreichischen Umland zu tun hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die IKG Linz wurde von den wenigen R\u00fcckkehrerInnen und \u00dcberlebenden sowie hier gestrandeten DPs gegr\u00fcndet. Bei den R\u00fcckkehrerInnen handelte es sich vor allem um Angeh\u00f6rige von Unternehmerfamilien, die ihre alten Betriebe wieder aufbauen wollten. Angesichts der schwierigen R\u00fcckstellungsverfahren und des dabei zum Ausdruck kommenden Antisemitismus kehrten die meisten bereits in den 1950er Jahren wieder in ihre Zufluchtsl\u00e4nder zur\u00fcck. Dennoch waren es die R\u00fcckwanderer, welche die Neugr\u00fcndung der Kultusgemeinde durchf\u00fchrten und den Vorstand lange Zeit dominierten. Erst sp\u00e4ter entstand die offizielle Israelitische Kultusgemeinde, die trotz ihrer geringen Mitgliederzahl stark fragmentiert war. In den 1960er Jahre wurde die Gemeinde konsolidiert und die neue, moderne Synagoge eingeweiht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/09_Synagoge-Linz-1024x701.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2722\" width=\"512\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/09_Synagoge-Linz-1024x701.jpg 1024w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/09_Synagoge-Linz-300x205.jpg 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/09_Synagoge-Linz-768x526.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/09_Synagoge-Linz-520x356.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Die 1968 eingeweihte Synagoge in Linz <br>\u00a9 Michael John, privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die wenigen ober\u00f6sterreichischen J\u00fcdinnen und Juden haben trotz anhaltendem Antisemitismus ihren Platz gefunden. Die Gemeinde engagiert sich aktiv und selbstbewusst im interreligi\u00f6sen Dialog. Trotz ihrer geringen Anzahl \u2013 bei der Volksz\u00e4hlung 2001 wurden in Linz lediglich 45 J\u00fcdinnen und Juden registriert, die Gesamtzahl f\u00fcr Ober\u00f6sterreich ist nicht bekannt \u2013 finden regelm\u00e4\u00dfige Gottesdienste und ein bescheidenes Gemeindeleben statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ersten, die in Innsbruck in einem Betraum Gottesdienste abhielten, waren j\u00fcdische Studierende. 1952 konnte die Kultusgemeinde f\u00fcr Tirol und Vorarlberg errichtet werden, nachdem die Innsbrucker Gemeinde den Hohenemser Gemeindebesitz zugesprochen erhalten hatte. Ebenso wie in Linz war eine Hauptaufgabe der IKG Innsbruck, \u00dcberlebende und Erben bei der Durchsetzung ihrer R\u00fcckstellungsanspr\u00fcche zu unterst\u00fctzen. Ansonsten verhielt sich die kleine Gemeinde sehr ruhig und reagierte auch nicht auf Friedhofssch\u00e4ndungen in den 1960er Jahren. Anfang der 1980er Jahre trat die Gemeinde ein Drittel ihres Friedhofsareals ab, um der S\u00fcdumfahrung Innsbrucks Platz zu machen \u2013 ein deutliches Zeichen daf\u00fcr, dass man keine Hoffnungen auf eine dauerhafte Existenz der Gemeinde hegte. Die 1981 enth\u00fcllte Gedenktafel, die an die zerst\u00f6rte Synagoge erinnert, wurde an einer f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit nicht einsichtigen Stelle angebracht. Doch in den 1980er Jahren begann sich auf Initiative des Dokumentationsarchivs des \u00f6sterreichischen Widerstandes (D\u00d6W) und des Instituts f\u00fcr Zeitgeschichte der Universit\u00e4t Innsbruck die Forschung mit der Geschichte der j\u00fcdischen Gemeinde zu befassen. 1986 wurde der Verein \u201eJ\u00fcdisches Museum Hohenems\u201c gegr\u00fcndet, der 1991 das J\u00fcdische Museum Hohenems er\u00f6ffnete. Der Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher machte dem Anderl-von-Rinn-Kult, der auf einer Ritualmordlegende beruhte, ein Ende. Der B\u00fcrgermeister Romuald Niescher lud erste Vertriebene nach Innsbruck ein. Mit Esther Fritsch \u00fcbernahm 1987 eine Frau das Amt der Pr\u00e4sidentin der Gemeinde, die ein neues Selbstbewusstsein zeigte und eine \u00d6ffnung der Gemeinde nach au\u00dfen vollzog. 1988 fand die erste gro\u00dfe Gedenkveranstaltung an das Novemberpogrom statt, 1993 konnte die neu erbaute Synagoge in Innsbruck eingeweiht werden. Obwohl die Gemeinde nur 160 Mitglieder hat, die \u00fcber Tirol und Vorarlberg verstreut leben, ist sie lebendig. Die Gottesdienste zu den Feiertagen werden von ausw\u00e4rtigen Rabbinern geleitet und sind gut besucht. Wichtige Lebenszeichen sind Bar und Bat Mizva-Feiern (Konfirmationen der 12- bis 14-j\u00e4hrigen Buben und M\u00e4dchen) und Hochzeiten. Synagogenf\u00fchrungen und Vortr\u00e4ge \u00fcber das Judentum finden gro\u00dfes Interesse beim nichtj\u00fcdischen Publikum.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch bleibt das \u00dcberleben der kleinen Provinzgemeinden prek\u00e4r. Die geringen Mitgliederzahlen machen die Schaffung einer j\u00fcdischen Infrastruktur wie Schulen und Gesch\u00e4fte mit koscheren Lebensmitteln oder Vereinen schwierig bis unm\u00f6glich. Die Pr\u00e4sidentinnen der Provinzgemeinden (auch die Israelitische Kultusgemeinde Linz wird und die Israelitische Kultusgemeinde &nbsp;Graz wurde bis zu ihrer Aufl\u00f6sung von einer Frau geleitet) akzeptieren daher, dass hier kein orthodoxes j\u00fcdisches Leben m\u00f6glich ist. Dennoch bem\u00fchen sie sich, die j\u00fcdische Tradition zu bewahren und zu pflegen. Wichtig daf\u00fcr sind Gottesdienste am Shabbat und zu den Feiertagen, aber auch gesellige Treffen und Kulturveranstaltungen. Ebenso wichtig f\u00fcr den Erhalt j\u00fcdischen Lebens in \u00d6sterreich ist aber das Gef\u00fchl, als Juden in die \u00f6sterreichische Gesellschaft integriert und akzeptiert zu sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<h4><strong>Timeline<br><\/strong><\/h4>\n\n\n\n<ul><li>1852 Konstituierung der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien<\/li><li>1867 Staatsgrundgesetz, Gleichstellung aller \u00f6sterreichischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, Anerkennung der israelitischen Religionsgesellschaft in der \u00f6sterreichischen Reichsh\u00e4lfte<\/li><li>1890 \u201eIsraelitengesetz\u201c<\/li><li>1895 Sieg der antisemitischen Partei Karl Luegers bei den Wiener Gemeinderatswahlen<\/li><li>1896 Theodor Herzl ver\u00f6ffentlicht \u201eDer Judenstaat\u201c.<\/li><li>1914-1918 Erster Weltkrieg<\/li><li>1918 Gr\u00fcndung der Ersten Republik<\/li><li>1921 Das Burgenland und seine j\u00fcdischen Gemeinden werden Teil der Republik \u00d6sterreich<\/li><li>11. M\u00e4rz 1938 Einmarsch der deutschen Truppen in \u00d6sterreich<\/li><li>1. September 1939 Ausbruch des Zweiten Weltkriegs<\/li><li>April 1945 Befreiung von Wien, Neugr\u00fcndung der IKG Wien<\/li><li>27. April 1945 Ausrufung der Zweiten Republik<\/li><li>8. Mai 1945 Kapitulation des Deutschen Reichs und Kriegsende<\/li><li>15. Mai 1955 Unterzeichnung des Staatsvertrags betreffend die Wiederherstellung eines unabh\u00e4ngigen und demokratischen \u00d6sterreich<\/li><li>26. Oktober 1955 Die Besatzungsm\u00e4chte verlassen \u00d6sterreich und die immerw\u00e4hrende Neutralit\u00e4t tritt in Kraft.<\/li><li>Oktober 1956 Ungarische Revolution und Fl\u00fcchtlingswelle durch \u00d6sterreich<\/li><li>1960er \u2013 1980er Jahre: Migration sowjetischer J\u00fcdinnen und Juden durch und Zuwanderung nach \u00d6sterreich<\/li><li>1966 Memorandum von Simon Wiesenthal \u00fcber die Beteiligung von \u00d6sterreichInnen an NS-Verbrechen<\/li><li>1968 Einweihung der neu errichteten Synagoge in Linz<\/li><li>1968 Einweihung der renovierten Synagoge Salzburg<\/li><li>August 1968 Niederschlagung des Prager Fr\u00fchlings und Fl\u00fcchtlingswelle durch \u00d6sterreich<\/li><li>1970-1983 Regierungszeit von Bruno Kreisky<\/li><li>1972 Er\u00f6ffnung des \u00d6sterreichisch j\u00fcdischen Museums in Eisenstadt<\/li><li>1980 Gr\u00fcndung des Jewish Welcome Service<\/li><li>1986 Wahl Kurt Waldheims zum Bundespr\u00e4sidenten<\/li><li>1988 \u201eBedenkjahr\u201c<\/li><li>10. April 1991 Er\u00f6ffnung des j\u00fcdischen Museums in Hohenems<\/li><li>8. Juli 1991 Erkl\u00e4rung von Bundeskanzler Franz Vranitzky \u00fcber die Beteiligung von \u00d6sterreichern an NS-Verbrechen und die daraus entstehende Mitverantwortung \u00d6sterreichs<\/li><li>1991 Er\u00f6ffnung des J\u00fcdischen Museums in Wien<\/li><li>1991 Wiedererrichtung der zerst\u00f6rten Zeremonienhalle auf dem j\u00fcdischen Friedhof in Graz<\/li><li>1993 Einweihung der neu errichteten Synagoge in Innsbruck<\/li><li>1994 Einstellung des Kults um Anderl von Rinn, ein angebliches Ritualmordopfer, durch Bischof Scheuer aus Innsbruck<\/li><li>1995 Gr\u00fcndung des Nationalfonds der Republik \u00d6sterreich f\u00fcr Opfer des Nationalsozialismus<\/li><li>1998 Beginn der Kunstrestitution durch Bund und einige Gemeinden<\/li><li>25. Oktober 2000 Enth\u00fcllung des Mahnmals von Rachel Whiteread auf dem Wiener Judenplatz<\/li><li>2000 Einweihung der neu errichteten Synagoge in Graz<\/li><li>2001 Einrichtung des Allgemeinen Entsch\u00e4digungsfonds f\u00fcr Opfer des Nationalsozialismus<\/li><li>2005 Einweihung der neu errichteten Synagoge in Baden<\/li><li>2010 Erlass des \u201eBundesgesetzes \u00fcber die Einrichtung des Fonds zur Instandsetzung der j\u00fcdischen Friedh\u00f6fe in \u00d6sterreich\u201c<\/li><li>2012 Novellierung des \u201eIsraelitengesetzes\u201c<\/li><li>2013 Fusionierung der IKG Graz mit der IKG Wien<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<h4><strong>Quellen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Eveline Adunka, Die vierte Gemeinde. Die Geschichte der Wiener Juden von 1945 bis heute, Berlin, Wien 2000.<\/p>\r\n<p>Gerhard Botz, Ivar Oxaal und Michael Pollak (Hrsg.), Eine zerst\u00f6rte Kultur. J\u00fcdisches Leben in Wien seit dem 19. Jahrhundert, Buchloe 1990.<\/p>\r\n<p>Evelin Brugger, Martha Keil, Albert Lichtblau, Christoph Lind und Barbara Staudinger, Geschichte der Juden in \u00d6sterreich, Wien 2006.<\/p>\r\n<p>Helga Embacher, Neubeginn ohne Illusionen. Juden in \u00d6sterreich nach 1945, Wien 1995.<\/p>\r\n<p>Dieter Hecht, Eleonore Lappin-Eppel, Michaela Raggam-Blesch, Topographie der Shoah: Ged\u00e4chtnisorte an das zerst\u00f6rte j\u00fcdische Wien, 2. erweiterte Auflage, Wien 2017.<\/p>\r\n<p>Gernot Heiss und Oliver Rathkolb (Hrsg.), Asylland wider Willen. Fl\u00fcchtlinge in \u00d6sterreich seit 1914, Wien 1995.<\/p>\r\n<p>Michael John und Albert Lichtblau, Schmelztiegel Wien \u2013 einst und jetzt. Zur Geschichte und Gegenwart von Zuwanderung und Minderheiten, 2., verbesserte Auflage, Wien 1993.<\/p>\r\n<p>Sylvia Marderegger, Die Juden im \u00f6sterreichischen St\u00e4ndestaat 1934 bis 1938, Wien und Salzburg 1973.<\/p>\r\n<p>Jonny Moser, \u00d6sterreich, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Dimension des V\u00f6lkermords. Die Zahl der j\u00fcdischen Opfer des Nationalsozialismus, M\u00fcnchen 1991.<\/p>\r\n<p>Marsha L. Rozenblit, The Jews of Vienna, 1867\u20131914: Assimilation and Identity, New York, 1983.<\/p>\r\n<p>Klaus Taschwer, Hochburg des Antisemitismus. Der Niedergang der Universit\u00e4t Wien im 20. Jahrhundert, Wien 2015.<\/p>\r\n<p>Hans Tietze, Die Juden Wiens. Geschichte \u2013 Wirtschaft \u2013 Kultur, Reprint der Ausgabe von 1933, Wien 1987.<\/p>\r\n<p>Heidemarie Uhl, Vom \u201eersten Opfer\u201c zum Land der unbew\u00e4ltigten Vergangenheit: \u00d6sterreich im Kontext der Transformationen des europ\u00e4ischen Ged\u00e4chtnisses, in: Volkhard Knigge, Hans-<\/p>\r\n<p>Joachim Veen, Ulrich M\u00e4hlert, Franz-Josef Schlichting (Hrsg.): Arbeit am europ\u00e4ischen Ged\u00e4chtnis. Diktaturerfahrungen und Demokratieentwicklung, K\u00f6ln, Weimar, Wien 2011 (Schriften der Stiftung Ettersberg 17), S. 27-46.<\/p>\r\n<p>Susanne Rolinek, J\u00fcdische Lebenswelten 1945\u20131955. J\u00fcdische Fl\u00fcchtlinge in der amerikanischen Zone \u00d6sterreichs, Wien u.a. 2007.<\/p>\r\n<p>Robert S. Wistrich, The Jews of Vienna in the Age of Franz Joseph, Oxford 1990.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><em><strong>Eleonore Lappin-Eppel<\/strong> ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr Theatergeschichte und Kulturwissenschaften der <\/em><a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/\" class=\"broken_link\"><em>\u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften<\/em><\/a><em>. Dort leitet sie das Projekt \u201eJ\u00fcdische Reaktionen auf die nationalsozialistischer Verfolgung in \u00d6sterreich 1941-1945. Eine Quellenedition\u201c. Ihre Forschungsschwerpunkte sind NS-Judenverfolgung in \u00d6sterreich und j\u00fcdische Presse im deutschsprachigen Raum. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Weg zur Emanzipation. Bis zur Aufkl\u00e4rung war das j\u00fcdische Leben auf dem Gebiet des heutigen \u00d6sterreich gepr\u00e4gt von Perioden der Duldung, auf die Vertreibungen folgten. Zwischen der Mitte des 17. und der Mitte des 19. 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