{"id":3859,"date":"2020-03-28T17:53:05","date_gmt":"2020-03-28T16:53:05","guid":{"rendered":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/?p=3859"},"modified":"2022-07-07T11:26:20","modified_gmt":"2022-07-07T09:26:20","slug":"lesbenbewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/2020\/03\/lesbenbewegung\/","title":{"rendered":"Margit Hauser und Birge Krondorfer: Kleine Geschichte der FrauenLesbenbewegung"},"content":{"rendered":"<p>Lesbenbewegte Aktivit\u00e4ten finden sich in \u00d6sterreich, anders als in der BRD, wo es eine dezidierte Lesbenbewegung gab\/gibt, vor allem im Rahmen lesbisch-feministischer, aber auch lesbisch-schwuler Bewegungen. Dieser Beitrag macht lesbische Politiken innerhalb dieser Bewegungen beispielhaft sichtbar und greift in erster Linie auf Originalquellen im <a href=\"http:\/\/www.stichwort.or.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung<\/em><\/a> (Wien) zur\u00fcck.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-5097\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/06_Lesben-300x139.png\" alt=\"\" width=\"541\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/06_Lesben-300x139.png 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/06_Lesben-768x355.png 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/06_Lesben-1024x473.png 1024w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/06_Lesben-520x240.png 520w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/06_Lesben.png 1302w\" sizes=\"(max-width: 541px) 100vw, 541px\" \/><\/p>\n<p><em>Transparent f\u00fcr die Solidarit\u00e4tsdemonstration am Schwedenplatz gegen die Einf\u00fchrung der Clause 28 in Gro\u00dfbritannien im Jahr 1988. Als Margaret Thatcher 1988 die Clause 28 einf\u00fchrte, mit der Rechte von Lesben und Schwulen in Gro\u00dfbritannien beschnitten wurden, kam es am 18. Juni 1988 zu einer spontanen Solidarit\u00e4tskundgebung in Wien. Die Gesetzes\u00e4nderung betraf viele Einschr\u00e4nkungen im Sozial- und Kulturleben und verhinderte Ma\u00dfnahmen gegen Diskriminierung. Quelle: STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung (Wien)<\/em><\/p>\n<h4>\u201eBitte nach den Lesben fragen!\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><sup><strong>[1]<\/strong><\/sup><\/a> \u2013 erste Lebenszeichen:<\/h4>\n<p>Mit der Gr\u00fcndung der ersten autonomen Frauengruppe, der <em>Aktion Unabh\u00e4ngiger Frauen \u2013 AUF, <\/em>im November 1972 l\u00e4sst sich der Beginn der Neuen Frauenbewegung in \u00d6sterreich ansetzen. Ab Juni 1974 hatte die AUF ein eigenes Lokal, das Frauenzentrum, in der Tendlergasse im 9. Bezirk in Wien, von wo aus sp\u00e4ter viele Fraueninitiativen \u2013 vom ersten Frauenhaus \u00fcber den Notruf, Buchhandlung und Caf\u00e9 bis zum Wiener Frauenverlag \u2013ihren Ausgangspunkt nahmen.<\/p>\n<p>In der von ihr herausgegebenen Zeitschrift <em>AUF. Eine Frauenzeitschrift<\/em> (1974 bis 2011) findet erstmals eine Thematisierung von Lesben in der Frauenbewegung statt: Der mit Sappho gezeichnete Artikel <em>Die Lesbe, das Monster<\/em> in der AUF Nr. 7\/1976 thematisierte den ignorierten wie problematisierten Status lesbischer Frauen in der Bewegung. Als Diskussionspapier verfasst, spiegelte er die nach Gr\u00fcndung der Lesbengruppe sp\u00e4testens ab Fr\u00fchjahr 1976 aufbrechenden heftigen Auseinandersetzungen im Frauenzentrum wider. Teilweise stie\u00df die eigenst\u00e4ndige Organisierung von Lesben auf Ablehnung. Im Mai 1977 folgte der Aufruf zum Aufbau eines Lesbenzentrums.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>\u201e(\u00dc)ber den dunklen Gang geradeaus, noch durch einen dunklen Raum \u2013 und endlich da!\u201c, so lautete die Wegbeschreibung zur ersten Lesbengruppe Wiens.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> Sie nannte sich auch Lesbengruppe Labris,<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> nach dem gebr\u00e4uchlichen, lesbisch-feministischen Symbol der Doppelaxt. Es gab in der Folge immer wieder eine autonome Lesbengruppe; sie traf sich w\u00f6chentlich in der Tendlergasse, sp\u00e4ter auch an anderen Frauenorten und in Privatwohnungen. Es war die erste M\u00f6glichkeit, \u00fcber die eigene Lebenssituation zu reflektieren. Politisches Handeln stand von Anfang an auf der Agenda, so protestierte sie gegen die Darstellung lesbischer Frauen in der ORF-Diskussionssendung <em>Club 2<\/em>.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Ab 1978 entstanden Pl\u00e4ne f\u00fcr ein neues <em>Frauenkommunikationszentrum<\/em> in der W\u00e4hringer Stra\u00dfe (er\u00f6ffnet 1981, sp\u00e4ter auch <em>Frauenzentrum \u2013 FZ,<\/em> heute <em>FrauenLesbenMigrantinnenZentrum<\/em>)<em>, <\/em>in denen von Anfang an auch ein Raum als Lesbenzentrum vorgesehen war. Aktivit\u00e4ten der \u2013 immer wieder neu entstehenden \u2013 Lesbengruppe im FZ wie die Lesbentage in Wien im November 1989 sind jedoch erst Jahre sp\u00e4ter dokumentiert.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Bis in die 1990er-Jahre war der Aktionismus der LGBT-Bewegung auf die Abschaffung der strafrechtlichen Verfolgung gerichtet. Im November 1981 gr\u00fcndeten sechs Frauen die <em>HOSI-Lesbengruppe<\/em> in der seit 1979 bestehenden und bis dahin ausschlie\u00dflich schwulen Homosexuellen Initiative.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> Anl\u00e4sslich des Internationalen Frauentages am 8. M\u00e4rz 1982 thematisierte die <em>HOSI-Lesbengruppe<\/em> im Flugblatt \u201eLesben unter dem Diktat der Heterosexualit\u00e4t\u201c die Diskriminierung von Lesben und forderte ein Ende der negativen Darstellung in der \u00d6ffentlichkeit und aller Formen der Benachteiligung. Mit einem Flugblatt mit Aufruf zum \u201eLesbenblock am 1. Mai\u201c bei der Mai-Kundgebung 1982 machten sie sich erstmals bei einer politischen Kundgebung sichtbar.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-3868\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild1-bearb-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"401\" height=\"602\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild1-bearb-200x300.jpg 200w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild1-bearb-520x780.jpg 520w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild1-bearb.jpg 533w\" sizes=\"(max-width: 401px) 100vw, 401px\" \/><\/p>\n<p><em>Erstes Lesbentransparent bei der Kundgebung zum Internationalen Frauentag 1980 in Wien. Foto: Eva Dit\u00e9<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a><\/em><\/p>\n<h4>Internationales I:<\/h4>\n<p>Bereits im Oktober 1973 oder 1974 erreichte die AUF ein kurzer Brief der Frauengruppe der <em>Homosexuellen Aktion Westberlin \u2013 HAW<\/em> mit der interessierten Nachfrage \u201eob es in \u00f6sterreich homosexuelle frauengruppen gibt\u201c und \u201ewie lesbische frauen bei euch leben\u201c.<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a> Ein Hinweis auf die Rezeption deutscher Lesben-Hetera-Konflikte taucht im Mai 1976 mitten in der Diskussion um Lesben und Heteras in der Frauenbewegung auf, n\u00e4mlich, \u201eob wir nicht \u2013 von Ger\u00fcchten und Erfahrungen mit deutschen Gruppen her \u2013 uns einfangen haben lassen in eine Stimmung, die Lesben und Hetero Frauen gegeneinander ausspielt und k\u00fcnstlich eine Distanz schafft\u201c. Nachsatz: \u201eWir m\u00fcssen die Situation vorurteilsfrei sehen.\u201c<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> Dennoch blicken die \u00d6sterreicherinnen immer wieder mit einem gewissen Neid auf die vielf\u00e4ltige und gro\u00dfe Lesbenbewegung in der BRD, ihre Aktivit\u00e4ten und Orte.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Seit 1972 findet auf der s\u00fcdd\u00e4nischen Insel Fem\u00f8 ein j\u00e4hrliches Treffen der d\u00e4nischen Frauenbewegung statt, seit 1974 gibt es auch eine internationale Woche, die gro\u00dfe Bedeutung als Treffpunkt f\u00fcr Frauen aus vielen L\u00e4ndern hat. Ab 1975 nahmen immer wieder auch Frauen der AUF an der internationalen Woche teil; in diesem Jahr fand, nachdem Lesben bereits in den zwei Jahren davor Thema waren, erstmals ein eigenes <u>\u201c<\/u>Lesbenlager\u201c auf Fem\u00f8 statt. Es ist nicht bekannt, ob daran auch \u00d6sterreicherinnen teilnahmen. Dieses Lesbentreffen verlagerte sich ab ca. 1977 auf die Nachbarinsel Sejer\u00f8, Spuren im Archiv legen nahe, dass auch \u00d6sterreicherinnen dabei waren.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a> Eine im <em>Frauen-Info<\/em> der AUF abgedruckte Information der d\u00e4nischen Lesbenbewegung von Dezember 1978<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a> zur Planung eines internationalen Lesbenseminars zeigt die Einbindung der AUF in den europ\u00e4ischen Verteiler.<\/p>\n<h4><strong>Die \u00f6sterreichischen Lesbentreffen und schwul-lesbische Vernetzung<\/strong><\/h4>\n<p>Ein erstes gro\u00dfes Treffen lesbischer Frauen fand im Juni 1980 im Kulturzentrum Amerlinghaus in Wien statt. Organisiert hatten es Lesben aus dem Frauenzentrum (AUF) und dem Frauencaf\u00e9.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a> Das Ank\u00fcndigungsplakat unter Verwendung eines Fotos von Krista Beinstein ist ebenso im Ged\u00e4chtnis der Bewegung geblieben wie die Bedeutung dieses Ereignisses als erster Aufbruch. Themen waren, nicht \u00fcberraschend, unter anderem \u201eLesben in der Frauenbewegung\u201c und \u201eGesetzeslage im In- und Ausland\u201c.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Von 13. bis 19. Juni 1983 fanden die Schwulen- und Lesbentage an den Wiener Universit\u00e4ten statt, organisiert vom Kulturreferat der \u00d6H der Angewandten, den HOSI-Lesben und dem <em>Rosa-Lila-Tip.<\/em> Das <em>Uni-Frauenzentrum<\/em> beteiligte sich mit einer Lesung \u201eVon Frau zu Frau\u201c, an der wiederum auch HOSI-Aktivistinnen mitwirkten, und die P\u00e4dagogin Ilse Kokula aus Berlin referierte \u00fcber Lesben in l\u00e4ndlichen Gebieten.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-3871\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild2-209x300.jpg\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"527\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild2-209x300.jpg 209w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild2-768x1101.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild2-714x1024.jpg 714w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild2-520x746.jpg 520w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild2.jpg 837w\" sizes=\"(max-width: 367px) 100vw, 367px\" \/><\/p>\n<p><em>Schwulen- und Lesbentage 1983<\/em><\/p>\n<p>Im September 1983 fand, wieder im Amerlinghaus, das Zweite \u00d6sterreichische Lesbentreffen (auch als Lesbenkongress bezeichnet) statt, organisiert von der HOSI-Lesbengruppe gemeinsam mit den Lesben der <em>Rosa Lila Villa<\/em> (besetzt\/gegr\u00fcndet 1982, heute <em>T\u00fcrkis Rosa Lila Villa).<\/em> Es folgten weitere j\u00e4hrliche Lesbentreffen, die meist in der Rosa Lila Villa oder im <em>Frauenkommunikationszentrum<\/em> stattfanden. Mit den Schwerpunktsetzungen \u201eLesbenalltag, Lesbenstrukturen\u201c (1989) und \u201eLesbenkultur\u201c (1991) tauchen g\u00e4ngige Begrifflichkeiten der Zeit auf. Das Lesbentreffen 1991 war das letzte in diesem Format; ein Organisierungsversuch f\u00fcr ein neuerliches, diesmal Transpersonen inkludierendes Treffen 2007 wurde letztendlich nicht umgesetzt. Dokumentiert und diskutiert wurden die \u00f6sterreichischen Lesbentreffen im <em>Lesbenrundbrief,<\/em> der in 13 Heften von 1983 bis 1993 abwechselnd von verschiedenen Lesbengruppen ver\u00f6ffentlicht wurde und Themen und Diskussionen der Bewegung abbildet, von Aids und Tschernobyl \u00fcber interne Strukturen der Frauen- bzw. Lesbenbewegung bis zum Politischen lesbischer Beziehungen und Sexualit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Bereits Anfang der achtziger Jahre, am 26. Juni 1982, fand die erste kleine Gay-Pride-Parade in Wien statt. Lesben und Schwule marschierten vom Amerlinghaus zum Maria-Theresien-Denkmal am Ring.<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a> Am 4. und 5. Juni 1983 fand das erste gesamt\u00f6sterreichische Schwulen- und Lesbentreffen in Linz statt. Die HOSI-Lesben aus Wien trafen dabei auf die Linzer und Salzburger HOSI-Lesbengruppen. Und von 6. bis 8. J\u00e4nner 1984 tagte dann der erste gesamt\u00f6sterreichische Schwulen- und Lesbenkongress in der <em>Rosa Lila Villa<\/em>. 1984 war das <em>International Year of Lesbian and Gay Action<\/em>, proklamiert von der <em>International Gay Association \u2013 IGA<\/em> (heute: <em>International Lesbian and Gay Association \u2013 ILGA), <\/em>es wurde auch in \u00d6sterreich als lesbisch-schwules Aktionsjahr genutzt.<\/p>\n<h4><strong>Lesbisches Leben in Hotspots und Provinz<\/strong><\/h4>\n<p>Ab den 1980ern entstanden Lesbengruppen auch in anderen Bundesl\u00e4ndern. Im Archiv von STICHWORT sind derzeit 33 definitive Lesbengruppen au\u00dferhalb Wiens nachgewiesen. Sie entstanden zum einen innerhalb der Frauenzentren, zum anderen innerhalb der ab 1980 entstehenden <em>Homosexuellen Initiativen<\/em> in anderen Bundesl\u00e4ndern. So gab es ab 1984 Lesbengruppen im <em>Autonomen Frauenzentrum Linz<\/em> und von 1985 bis 1999 im <em>Frauenkulturzentrum Salzburg<\/em>. Dar\u00fcber hinaus entstehen immer wieder einzelne, in der lesbischen Provinz angesiedelte Gruppen wie der <em>Lesbenstammtisch K\u00e4rnten<\/em> in Klagenfurt, der <em>Welser Frauenstammtisch,<\/em> die <em>Lila Frauen <\/em>(1998 bis 2007) innerhalb der Einrichtung <em>Frauengetriebe<\/em> in Bregenz \u2013 mit Frauencaf\u00e8, Ausstellungen, Musik- und Filmabenden, Frauendisco und anderem mehr \u2013 oder die Lesbengruppe innerhalb der Gruppe <em>Pinzgayer<\/em> im Land Salzburg. Graz und Innsbruck waren neben Wien stets die Hotspots der Neuen Frauenbewegung und selbstverst\u00e4ndlich auch Orte lesbischer Organisierung. In Graz gab es erste lesbenpolitische Aktivit\u00e4ten in den fr\u00fchen Achtzigern. Das <em>8.-M\u00e4rz-Komitee<\/em> (gegr\u00fcndet 1983) forderte von Beginn an die Anerkennung und Entkriminalisierung lesbischer Lebensweisen.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a> Eine Lesbengruppe gab es ab 1985 zeitweise auch in der <em>HOSI Steiermark<\/em> und bis in die Neunziger in der <em>Fraueninitiative Fabrik<\/em> in Graz.<\/p>\n<p><a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a> <em>Labrys<\/em> organisierte neben anderen Events von 2004 bis 2008 das l.e.f.t-Filmfestival in Graz, das noch bis 2012 von den <em>Rosa Lila Pantherinnen<\/em> fortgef\u00fchrt wurde, und seit 2008 dokumentiert das <em>Violetta Lesbenarchiv<\/em> in Graz lesbische Aktivit\u00e4ten und Literatur, um nur einiges zu nennen.<\/p>\n<p>Lesbische Aktivit\u00e4ten entfalteten sich ab Mitte der 1990er auch innerhalb der \u00d6sterreichischen Hochsch\u00fclerInnenschaften, als eigenst\u00e4ndig ist die Lesbengruppe in der \u00d6H Uni Graz zu nennen. Lesbische Politik fand tendenziell im Rahmen von schwul-lesbischen Referaten statt, deren Benennungsgeschichte die sich ver\u00e4ndernden Begrifflichkeiten und das Einsetzen queerer Diskussionen widerspiegelt: Vom Referat f\u00fcr LesBiSchwule Angelegenheiten (gegr\u00fcndet 1995 am Zentralausschuss der \u00d6H) bis zur, allerdings autonomen, F_L_I_T_AG im Rahmen der \u201eUni-brennt\u201c-Proteste im Oktober 2009.<\/p>\n<h4><strong>Protest und Skandal<\/strong><\/h4>\n<p>Stark im kollektiven Ged\u00e4chtnis der Wiener Frauen- und Lesbenbewegung verankert sind zwei Konfrontationen mit dem Gesetz: Die Beschlagnahme des Buches \u201eA woman\u2019s touch\u201c 1982 und der GEWISTA-Prozess.<\/p>\n<p>Das in Oregon publizierte Buch \u201eA woman\u2019s touch\u201c richtete sich ausschlie\u00dflich an Frauen. Es sollte ausdr\u00fccklich nicht in M\u00e4nnerh\u00e4nde gelangen und wurde daher nur \u00fcber informelle Kan\u00e4le an Frauenbuchhandlungen verschickt. Es blieb am Zoll h\u00e4ngen, wurde als sogenannte harte Pornographie gewertet und f\u00fchrte zu einer Strafanzeige nach dem Pornografiegesetz gegen die Paketempf\u00e4ngerin, die Buchhandlung Frauenzimmer. Die feministischen \u00dcberlegungen zu weiblicher Erotik spielten f\u00fcr das Gericht keine Rolle. Das Buch wurde eingezogen und die Frauenbuchhandlung verurteilt, ihrer Nichtigkeitsbeschwerde vor dem Obersten Gerichtshof wurde nicht stattgegeben. Bereits 1981 war die Platte \u201eLesbian Concentrate. A Lesbianthology of Songs and Poems\u201c wegen des Verdachts der Unz\u00fcchtigkeit im Sinne des Pornografiegesetzes beschlagnahmt worden. Das <em>Olivia Records-<\/em>Album war 1977 als Antwort auf die homophobe, von Anita Bryant in Florida lancierte Kampagne \u201czum Schutz unserer Kinder vor den Homosexuellen\u201c in den USA produziert worden und versammelte die Gr\u00f6\u00dfen der Frauenmusikbewegung.<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[20]<\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-3879\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild3-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"610\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild3-213x300.jpg 213w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild3-768x1080.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild3-728x1024.jpg 728w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild3-520x732.jpg 520w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild3.jpg 1239w\" sizes=\"(max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/p>\n<p><em>Solidarit\u00e4tsfest f\u00fcr die Buchhandlung Frauenzimmer<\/em><\/p>\n<p>Breite mediale Aufregung verursachte das 6. \u00f6sterreichische Lesbentreffen 1987, hatte doch Krone-Kolumnist Nimmerrichter in seiner Staberl-Rubrik behauptet, das Lesbentreffen h\u00e4tte eine \u2013 in seinen Augen emp\u00f6rend hohe \u2013 F\u00f6rdersumme erhalten. (Es handelte sich in Wirklichkeit um eine F\u00f6rderung f\u00fcr die Frauensommeruniversit\u00e4t in Salzburg.) Die Organisatorinnen klagten die Kronen Zeitung und gewannen schlie\u00dflich in der Berufung. Die Krone musste im April 1988 ihre Entgegnung abdrucken.<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Im Februar 1988 erteilte ein Zusammenschluss von 18 Wiener Frauen- und Lesbengruppen der gemeindeeigenen Werbegesellschaft GEWISTA den Auftrag, auf den \u00e4u\u00dferen Werbefl\u00e4chen der Stra\u00dfenbahnen Slogans anzubringen, die Schlaglichter auf die Situation von Frauen in der Gesellschaft werfen sollten: \u201eMacht macht Frauen stark\u201c, \u201eDie Zukunft ist weiblich oder gar nicht\u201c und \u201eLesben sind immer und \u00fcberall\u201c. Tafeln mit den ersten beiden Spr\u00fcchen fuhren im M\u00e4rz 1988 durch Wien, der dritte Spruch wurde abgelehnt, da er angeblich gegen die guten Sitten verstie\u00df. Die Frauen- und Lesbengruppen klagten auf Vertragserf\u00fcllung und bekamen im Sommer des Folgejahres vom Handelsgericht Recht, das auch keinen Versto\u00df gegen \u00a7 220, den Werbeverbotsparagrafen, sah. Die Werbegesellschaft ging in Berufung, unter anderem mit dem Argument, dass ein politisches Anliegen nicht ablesbar sei. Auch diese Berufung wurde abgewiesen, doch nun weigerten sich die Wiener Verkehrsbetriebe mit dem Argument, der Spruch sei den weiblichen Fahrg\u00e4sten nicht zumutbar, da sich sonst alle als Lesben bezeichnet f\u00fchlen k\u00f6nnten.<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[22]<\/a><\/p>\n<p>Letzten Endes wurde der Spruch nie angebracht, er wurde aber in der Wiener Frauen- und Lesbenbewegung \u00e4u\u00dferst popul\u00e4r und f\u00fchrte Jahre danach zur Aktion \u201eSapphos Tra(u)m\u201c. Unter dem Motto \u201eEndlich amoi mit der Tramway foan\u201c lud der <em>Arbeitskreis Lesben ab 30 <\/em>zur Rundfahrt mit einer gemieteten Nostalgiestra\u00dfenbahn ein.<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[23]<\/a> Es wurden Flugbl\u00e4tter verteilt, die auf die gesellschaftliche Situation lesbischer Frauen hinwiesen und die Abschaffung der \u00a7\u00a7 220 und 221 StGB einforderten. Die Aktion wurde am 25. Juni 1994 wiederholt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-5120\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/01_Kaffeehaus-208x300.jpg\" alt=\"\" width=\"486\" height=\"701\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/01_Kaffeehaus-208x300.jpg 208w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/01_Kaffeehaus-768x1109.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/01_Kaffeehaus-709x1024.jpg 709w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/01_Kaffeehaus-520x751.jpg 520w\" sizes=\"(max-width: 486px) 100vw, 486px\" \/><\/p>\n<p><em>Kurierartikel vom 15.9.1977 \u201eEin neues Kaffeehaus nur f\u00fcr die Frauen\u201c. STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung (Wien)&nbsp;<\/em><\/p>\n<p>Stra\u00dfenbahn-Aff\u00e4re und -Aktion m\u00fcssen im Rahmen der Debatten um lesbische Sichtbarkeit in dieser Zeit gesehen werden. Ausgehend von Westdeutschland hatte auch in \u00d6sterreich eine Debatte um die Sichtbarkeit von Lesben in feministischen Zusammenh\u00e4ngen eingesetzt, die sich ab Ende der 1980er in der Formulierung \u201eFrauenLesben\u201c \u2013 und ihren vielen Variationen \u2013 im Sprachgebrauch der Bewegung manifestierte. Lesben sollten dezidiert angesprochen und der Stellenwert von Lesben in der Frauenbewegung wie in der Gesellschaft allgemein betont werden. Das Auftauchen der Debatte f\u00e4llt nicht zuf\u00e4llig in die Zeit anbrechender intersektionaler Auseinandersetzungen und des \u201ezerfallenden Wirs\u201c.<\/p>\n<h4>Vergn\u00fcgen kann politisch sein<\/h4>\n<p>Wenn Lesben gemeinsam Sport treiben \u2013 beispielsweise ab 1990 die bekannteste Lesbenvolleyballgruppe <em>Marantana<\/em> oder ab Mitte der 1990er der FrauenLesben-Ballroom-Tanzclub <em>Resis.danse,<\/em> dessen T\u00e4nzerinnen schlie\u00dflich auch an internationalen lesbisch-schwulen Tanzturnieren teilnahmen, oder der Chor <em>Sappho Singers Unlimited<\/em> (1997 bis 2000) \u2013, ist es eine Fehleinsch\u00e4tzung, nur von \u201eFreizeitgruppen\u201c zu sprechen. Community Building ist an und f\u00fcr sich ein politischer Akt. Vergn\u00fcgen und politisches Handeln sind oft eng miteinander verbunden. Fixpunkte des lesbischen Kulturprogramms waren die Filmfestivals: In Erinnerung ist das erste Frauen Film Festival \u201eRote K\u00fcsse. Vom Vamp zur Vampirin\u201c vom 9. bis 18. M\u00e4rz 1990 in Wien. Von 1993 bis 1996 organisierte <em>Velvet Cinema<\/em> erste, ans lesbische Publikum gerichtete Kinovorf\u00fchrungen in Wien. Gleichzeitig startete mit trans-X queeres Kino in Wien, das ab 1996 unter dem Namen \u201eidentities\u201c zu einem gro\u00dfen und renommierten Filmfestival wurde. Es fand 2017 zum letzten Mal statt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-3874\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild5-199x300.jpg\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"553\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild5-199x300.jpg 199w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild5-678x1024.jpg 678w\" sizes=\"(max-width: 367px) 100vw, 367px\" \/><\/p>\n<p><em>Identities. Queer Film Festival 1998<\/em><\/p>\n<h4><strong>Medien als Diskussionsr\u00e4ume<\/strong><\/h4>\n<p>Lesbisches lesen zu k\u00f6nnen war und ist f\u00fcr viele von gro\u00dfer Bedeutung: Die Buchhandlung Frauenzimmer war ab 1977 eine wichtige Anlaufstelle f\u00fcr Wienerinnen und nahm auch Bestellungen aus ganz \u00d6sterreich entgegen, heute ist die Buchhandlung ChickLit <em>der<\/em> Ort, um lesbische Literatur zu finden. Daneben bietet die Buchhandlung L\u00f6wenherz auch Lesbenb\u00fccher.<\/p>\n<p>1978 er\u00f6ffnete die Bibliothek des <em>Arbeitskreises Emanzipation und Partnerschaft (AEP)<\/em> in Innsbruck. Ab 1981 entstand in Wien eine Bibliothek im Uni-Frauenzentrum, ab 1981 als <em>Archiv der Neuen Frauenbewegung<\/em> ein Ort feministisch-lesbischer Dokumentation (seit 1990 STICHWORT). In Graz bot das DOKU ab 1989 auch lesbische Literatur, die Bibliothek befindet sich heute im Frauenservice Graz.<\/p>\n<p>Lesbenzeitschriften waren stets wichtige Informations- und Diskussionsforen. Neben dem <em>Lesbenrundbrief<\/em> erschienen im Lauf der Zeit einige kleinere Bl\u00e4tter <span style=\"text-decoration: line-through\">so<\/span>wie die <em>Lila Schriften,<\/em> die von 1995 bis 2001 Literatur und Theoriediskussionen Raum gaben. \u00d6sterreichische Leserinnen lasen vor allem auch die Berliner Zeitschriften <em>Lesbenpresse<\/em> (1975 bis 1982) und <em>Lesbenstich<\/em> (1980 bis 1993), die Z\u00fcrcher <em>Frau ohne Herz<\/em> (1985 bis 1996, danach <em>die<\/em> bis 2004) und die einzige deutschsprachige lesbische Theoriezeitschrift <em>Ihrsinn<\/em>. Die Thematisierung lesbischer Themen in der allgemeinen feministischen Presse setzte ab Mitte der 1970er ein; die Zahl der entsprechenden Beitr\u00e4ge verdreifachte sich von den 70ern auf die erste H\u00e4lfte der Achtziger und dann noch einmal in den ausgehenden Achtzigern.<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[24]<\/a><\/p>\n<h4><strong>Internationales II:<\/strong><\/h4>\n<p>Internationale Kontakte verliefen ab den 1980ern in kleinen wie in gr\u00f6\u00dferen Kontexten. Im <em>Lesbenrundbrief<\/em> (1983 bis 1993) finden sich Informationen zu deutschen und englischsprachigen B\u00fcchern und Lesbenzeitschriften, zu Ausstellungen, Tagungen, Camps und Kongressen in Deutschland und international, er spiegelt damit das lebhafte Interesse an den gr\u00f6\u00dferen Zusammenh\u00e4ngen wider.<\/p>\n<p>Seit 1972 findet in der BRD j\u00e4hrlich das Lesbenpfingsttreffen statt, 1992 erfolgte die Umbenennung auf Lesbenfr\u00fchlingstreffen. Eine \u00f6sterreichische Beteiligung an diesem wichtigen feministisch-lesbischen Diskussionsforum kann zumindest ab 1977 angenommen werden.<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[25]<\/a> 1987 trat die Uni-Lesbengruppe aus Wien als Kabarettgruppe beim Lesbenpfingsttreffen in Hamburg auf.<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[26]<\/a> Von 1985 bis 1997 bot die jeweils im Herbst stattfindende Berliner Lesbenwoche ein weiteres lesbisch-feministisches Diskussionsforum, an dem von Anfang an auch Lesben aus \u00d6sterreich teilnahmen.<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[27]<\/a><\/p>\n<p>Ab 1983 nahmen die HOSI-Lesbengruppe wie auch die Lesben der Rosa Lila Villa an den Konferenzen des <em>International Lesbian Information Service \u2013 ILIS<\/em> teil. Beim ILIS-Action Meeting von 30. Dezember 1983 bis 1. J\u00e4nner 1984 in Amsterdam beteiligten sie sich an der aufbrechenden Diskussion um Rassismus, was der folgenden ILIS-Konferenz (19. 4. bis 23. 4. 1984 in Stockholm) dann das Motto Rassismus \u2013 Faschismus \u2013 Klassismus gab. Ab demselben Jahr war die HOSI-Lesbengruppe auch in der IGA aktiv.<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[28]<\/a><\/p>\n<p>Zu einer Solidarit\u00e4tsaktion mit britischen LGBT-Protesten kam es im Juni 1988 anl\u00e4sslich der Einf\u00fchrung der Clause 28<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\">[29]<\/a> durch Margaret Thatcher, eines Gesetzeszusatzes, mit dem Rechte von Lesben und Schwulen in Gro\u00dfbritannien beschnitten wurden. Aktivistinnen der Rosa Lila Villa organisierten mit Unterst\u00fctzung der HOSI-Lesbengruppe am 18. Juni 1988 spontan eine Demonstration am Schwedenplatz.<\/p>\n<p>Internationale Kontakte gab es in den letzten Jahrzehnten laufend. Zu erw\u00e4hnen ist das vom <em>FrauenLesbenM\u00e4dchenZentrum<\/em> im April 2009 selbstorganisierte europaweite Autonome Feministische FrauenLesbenTreffen in dessen R\u00e4umlichkeiten. \u2013 Als vorerst letztes gr\u00f6\u00dferes Ereignis kann die \u201eEuropean Lesbian* Conference\u201c, entstanden im Kontext von ILGA, von 6. bis 8. Oktober 2017 in Wien gewertet werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-3875\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild6-210x300.jpg\" alt=\"\" width=\"331\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild6-210x300.jpg 210w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild6-768x1096.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild6-718x1024.jpg 718w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild6-520x742.jpg 520w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bild6.jpg 841w\" sizes=\"(max-width: 331px) 100vw, 331px\" \/><\/p>\n<p><em>AutonomFeministisches FrauenLesbenTreffen in Wien 2009<\/em><\/p>\n<p>Neben der erk\u00e4mpften rechtlichen Anerkennung in den letzten Jahren \u2013 mit gleichzeitig umstrittener Eingemeindung in die \u201aNormalit\u00e4t\u0559 heterosexueller Strukturen (Stichwort Ehe f\u00fcr alle) \u2013 hat ein Ankommen von lesbischen Frauen im Mainstream von Fernsehserien, Popkultur, Talkshows und (neo)liberaler Politik stattgefunden. Jedoch ist die lesbische Selbstverortung innerhalb von LGBTQ+-Zusammenh\u00e4ngen durch die fundamentale Infragestellung der Kategorie Geschlecht problematisch geworden und die queeren Diskurse haben zu Herausforderungen f\u00fcr lesbisch-feministische Politiken gef\u00fchrt. Der Begriff einer lesbischen Existenzweise, die sich nicht auf sexuelle Orientierungen reduzieren l\u00e4sst, dient nur noch eingeschr\u00e4nkt als positiver Identifikationsrahmen.<\/p>\n<hr>\n<h4>Quellen<\/h4>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.stichwort.or.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung<\/a>: G 22\/2.1.4.8, Information an alle Lesben (Informationsblatt f\u00fcr den Frauenkongre\u00df der autonomen Frauenbewegung, 1977)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung: G 22\/2.2.2, Wir sind Frauen, lieben Frauen und finden es sch\u00f6n! Selbstdarstellung der Lesbengruppe Labris. In: Aktion unabh\u00e4ngiger Frauen (Hg.): Frauenzentrum. Aktion Unabh\u00e4ngiger Frauen, S. [14]<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Lesbengruppe nach der Club 2-Sendung \u201eHomosexualit\u00e4t heute\u201c am 25. 9. 1979 an die Club 2-Redaktion, vgl. eine Plakatserie aus einem Workshop am 6. Lesbentreffen 1987, STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung: II P 63<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung: G 17, 8. Lesbentage Wien (Flugblatt, 1989)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Siehe hierzu den <a href=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/2019\/04\/zur-geschichte-der-homosexuellenbewegung-in-oesterreich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beitrag Homosexualit\u00e4t<\/a> von Andreas Brunner auf dieser Website<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Diese und alle weiteren Abbildungen: STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung: G 22\/2.4.3<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung: G 22\/2.1.3.3, Protokoll vom 19. 5. 1976, S. 2<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Geiger, Brigitte; Hacker, Hanna: Donauwalzer Damenwahl. Frauenbewegte Zusammenh\u00e4nge in \u00d6sterreich, Wien: Promedia, 1989, S. 143<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Stallecker, Christa: Frauenlager auf der d\u00e4nischen Insel Sejer\u00f8 (6. bis 20.8. 77), in: Frauen-Info des Frauenzentrums Wien, 1977, Heft 54, S. 7-8<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Internationales Lesbenseminar, in: Frauen-Info, 1978\/79, Heft 66, S. [7]<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Zur Beteiligung von Frauen aus dem Umfeld des <a href=\"https:\/\/frauencafe-archiv.mur.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Frauencaf\u00e9s<\/a> s. Geiger\/Hacker, a.a.O., S. 143<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Zur Gesetzeslage siehe den <a href=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/2019\/04\/zur-geschichte-der-homosexuellenbewegung-in-oesterreich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beitrag Homosexualit\u00e4t<\/a> von Andreas Brunner auf dieser Website<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung: I P 1356<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.lambdanachrichten.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lambda-Nachrichten<\/a> Heft 4\/1982, S. 12-13<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung \u2013 Bestand DLG DOKU Graz: G 44, I. Allgemeines. 8.&nbsp;3.&nbsp;1983: Flugblatt des 8. M\u00e4rz-Komitees \u201eFrauendemo 8.&nbsp;M\u00e4rz\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> Kata, Elizabeth: <a href=\"http:\/\/othes.univie.ac.at\/35265\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Das Findbuch zu den DOKU-Graz-Best\u00e4nden im GrazMuseum<\/a>. Masterarbeit Universit\u00e4t Wien, Wien, 2014, S. 25<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[20]<\/a> STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung: G 12<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[21]<\/a> Riegler, Waltraud: Staberl-Proze\u00df, in: Lesbenrundbrief, 1988, Heft 11, S. 6<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[22]<\/a> Riegler: Waltraud: Wien: Keine Lesben in den Stra\u00dfenbahnen?, in: tamtam, 1990, Heft 2, S. 6; Lesben sind immer und \u00fcberall, in: tamtam, 1991, Heft 6, S. 28<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[23]<\/a> Sapphos Tra(u)m, in: Die V., 1994, Heft 2, S. [4]; Sonderzug nach Lesbos, in: Die V., 1995, Heft 2, S. 4; STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung: G 321<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[24]<\/a> Verein Frauenforschung und weiblicher Lebenszusammenhang: Die autonome Frauenbewegung im Spiegel ihrer Medien. Projektbericht, Wien: 1991, S. 171<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[25]<\/a> STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung: G 22\/2.1.4.8, Information an alle Lesben (Informationsblatt f\u00fcr den Frauenkongre\u00df der autonomen Frauenbewegung, 1977); Frauen-Info des Frauenzentrums Wien, 1977, Heft 51, S. 5<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[26]<\/a> Lesbenrundbrief Heft 9\/1987, S. 26; STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung: G 82 und D\/I&nbsp;F&nbsp;13<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[27]<\/a> N., N.: 1. Berliner Lesbenwoche 26. 10. bis 2. 11. 1985, in: Frauennachrichten, 1985, Heft 2, S. 2<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[28]<\/a> F\u00fcr ILIS-Teilnahme: STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung, PN PAN 3\/2.6.2, 5. ILIS Conference Paris, 1.-4. 4. 1983, ILIS Conference Report sowie G 15, Interna Mappe 1, Chronik der Ereignisse. F\u00fcr IGA-Beteiligung: STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung, PN PAN 3\/2.6.2, 5. International Gay Association Conference, Wien (1983), Notizheft IGA 83, siehe auch Lesbenrundbrief Heft 2, 1984, S. [9]<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\">[29]<\/a> Die im Mai 1988 im Londoner Parlament beschlossene Clause 28 als Gesetzeszusatz zum Local Government Act 1986 verbot Gemeinden, Schulen und Kommunalbeh\u00f6rden im UK die \u201eF\u00f6rderung von Homosexualit\u00e4t\u201c. Sie wurde einige Jahre danach wieder abgeschafft. <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Section_28\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weitere Infos<\/a><\/p>\n<hr>\n<h3><strong>Kurze Betrachtung politischer Aspekte des feministisch-lesbischen Begehrens<\/strong><\/h3>\n<p>Birge Krondorfer<\/p>\n<p>Mit der durchgreifenden Erkenntnis \u201eDas Private ist politisch\u201c hatte die Zweite Frauenbewegung zun\u00e4chst die h\u00e4uslichen und ehelichen Unterdr\u00fcckungs- und Gewaltverh\u00e4ltnisse im Blick. Frauen wollten nicht mehr Opfer von sexualisierten \u00dcbergriffen und Gewalt aller Unarten sein, was infolge zur Kritik am Objektcharakter von Frauen auf allen Ebenen der Gesellschaft f\u00fchrte. In ihrer Radikalisierungsphase richtete die Frauenbewegung ihren Kampf auf eine pers\u00f6nliche <em>und<\/em> allgemeine Befreiung von real existierenden M\u00e4nnern und dem Mann \u201aan sich\u0559. Dazu geh\u00f6rten die Gr\u00fcndung von vielf\u00e4ltigen Frauenorten (Frauenh\u00e4user, Frauenbuchhandlungen, Frauenzentren, Frauencaf\u00e9s, Frauennotrufe, Frauenkonferenzen etc.), die das je als nur individuell erfahrene Leid aus der Isolation holten, die Reduktion auf den privaten \u201aKaffeeklatsch\u0559 sprengten und eine politisierte Bezugnahme von Frauen auf Frauen im \u00f6ffentlichen Raum darstellten. Es ging um eine m\u00e4nnerfreie Bestimmung von Inhalten und Formen, um die Entdeckung und St\u00e4rkung von Selbstbewusstsein und Gemeinsamkeit. So konnten Frauen den Dominanz- und Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnissen, die auch in fortschrittlichen gemischten Kontexten Usus waren, entkommen und das Begehren nach einer eigenen (politischen, \u00e4sthetischen, geistigen, leiblichen) Kultur gestalten. Weibliche Selbstbestimmung und Kampf gegen die m\u00e4nnliche Herrschaft befl\u00fcgelten gleicherma\u00dfen Aktion und Hoffnung.<\/p>\n<p>Die Entdeckung der abgrundtiefen Verbindung von Patriarchat und Heterosexualit\u00e4t als Unterwerfungs-, Ausbeutungs- und Enteignungsgeschichte erm\u00f6glichte die fundamentale Kritik an gewohnten Paar(ungs)reglements als prim\u00e4re und einzige Lebens-, Liebens- und Arbeitsbasis unserer sozialen Ordnung. Man muss \u201edie gesellschaftlichen Faktoren in Betracht ziehen, die den Frauen gewaltsam ihre auf sich selbst und auf andere Frauen bezogenen Energien entrei\u00dfen und sie mit allen Mitteln von frauenidentifizierten Werten abhalten\u201c (Rich 1993, 145). Zur Frage stand, \u201ewie und weshalb f\u00fcr Frauen die Wahl von Frauen als leidenschaftliche Kameradinnen, Lebensgef\u00e4hrtinnen, Mitarbeiterinnen, Geliebte und soziale Bezugsgruppe unterdr\u00fcckt, ver\u00e4chtlich gemacht, ins Versteck und zur Verkleidung gezwungen wurde\u201c (ebd., 138). Die herk\u00f6mmliche m\u00e4nnliche Identifikation ist die allt\u00e4gliche Praxis, in der Frauen die M\u00e4nner \u00fcber Frauen (auch sich selbst) erheben und den Austausch \u201anur\u0559 unter Frauen minder bewerten. \u201eWenn wir uns genau ansehen, wie umfassend und ausgekl\u00fcgelt die Ma\u00dfnahmen sind, die dazu dienen, Frauen im Territorium der m\u00e4nnlichen Sexualit\u00e4t zu halten, dann wird es zur unausweichlichen Frage, ob f\u00fcr uns als Feministinnen die entscheidenden Themen wirklich einfach \u201aUngleichheit\u2018, \u201aHerrschaft der M\u00e4nner \u00fcber die Kultur\u2018 oder \u201aTabuisierung der Homosexualit\u00e4t\u2018 sind. Ob das eigentliche Thema nicht vielmehr die uns Frauen aufgezwungene Heterosexualit\u00e4t ist, die den M\u00e4nnern das Recht auf k\u00f6rperlichen, \u00f6konomischen und emotionalen Zugang zu uns sichern soll. Eines der zahlreichen Mittel zu diesem Zweck ist nat\u00fcrlich das Unsichtbarmachen der M\u00f6glichkeit lesbischer Daseinsweisen\u201c (ebd., 157). In der \u201aheterosexuellen Matrix\u2018 ist der Mann die Nummer eins, ohne den eine Frau nicht denkbar ist und als solche sich selbst nicht denken kann. Ein in den 80ern kursierendes Graffito brachte dies sarkastisch auf den Punkt: \u201aEine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad.\u0559<\/p>\n<p>Aus schw\u00fclen Hinterzimmern heraus avancierten Lesben zur Avantgarde eines die Wurzel des Patriarchats angreifenden autonomen Feminismus und es ereignete sich ein vorher nie erlebter Sog erotischen Begehrens zwischen Frauen, der auch in der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen wurde. Im Zeichen der \u201eBewegungslesbe\u201c entwickelte sich eine Politisierung von Frauenbeziehungen, die sich in emotional heftigen Auseinandersetzungen zwischen Lesben und den so genannten Heteras manifestierte, wobei die \u201awahren\u0559 Feministinnen, die Lesben und dabei vor allem diejenigen, die frisch \u201akonvertiert\u0559 waren, f\u00fcr sich eine politisch-moralische \u00dcberlegenheit reklamierten. \u201eDie Gesamt-Frauenbewegung hat sich an den Lesben zu bew\u00e4hren\u201c (Frankfurter Frauen 1975). Dieser dogmatisch gef\u00fchrte \u201aKrieg\u0559 um das richtige Lieben im falschen Leben zerr\u00fcttete die Frauenbewegung und es l\u00e4sst sich vermuten, dass dies <em>auch<\/em> deren Ende als kollektive Rebellion mitbegr\u00fcndete. Die Wendung der Frau zur Frau \u2013 als Allgemeinanspruch \u2013 bedeutete auch jene gegen die Frau als konkrete Einzelne, die immer noch mit dem Feind nicht nur das Bett teilte (vgl. Treusch-Dieter 2014). Auf der anderen Seite jedoch trugen die frauenidentifizierten Frauen (nicht alle) die Arbeit in den feministischen Projekten an der Basis weiter, w\u00e4hrend die \u201aHeteras\u0559 (nicht jede) begannen, Karriere in den m\u00e4nnlich dominierten Institutionen zu machen und ihr frauenbewegtes Wissen ohne Rekurs auf dessen Herkunft mitnahmen. \u201eObwohl Lesbianismus politisch [&#8230;] als Emblem revolution\u00e4rer Ver\u00e4nderung fungiert hatte, scheut der akademisch gewordene Feminismus davor zur\u00fcck, die lesbische Differenz zu thematisieren, beziehungsweise die Herausforderung der Infragestellung von Heteronormativit\u00e4t anzunehmen\u201c (Hark 2005, 303).<\/p>\n<p>Verdr\u00e4ngt wurde ein Wissen und die Erfahrung des \u201elesbischen Kontinuums\u201c, ein Begriff, der \u201eeine ganze Skala frauenbezogener Erfahrungen, quer durch das Leben jeder einzelnen Frau und quer durch die Geschichte hindurch [umschlie\u00dft] und nicht einfach die Tatsache, da\u00df eine Frau genitale Sexualit\u00e4t mit einer anderen Frau erlebt hat oder sich bewu\u00dft w\u00fcnscht. Wenn wir den Begriff weiter fassen und auf viel mehr Formen prim\u00e4rer Intensit\u00e4t zwischen Frauen ausdehnen \u2013 unter anderem darauf, da\u00df Frauen ein reiches Innenleben miteinander teilen, [&#8230;] und sich gegenseitig praktisch und politisch unterst\u00fctzen\u201c (Rich 1993, 158), dann l\u00e4sst sich die gro\u00dfe Leidenschaft der Auseinandersetzungen erahnen, ging es doch um die Vision einer anderen Welt, die weibliche Freiheit und Selbstbestimmung versprach. Von den frauenliebenden Frauen war zu lernen, dass frau auch ohne normierte Weiblichkeiten, vorgestanzte Geschlechterbilder und eingeengte Sexualit\u00e4tsvorstellungen, also ohne m\u00e4nnliche Anerkennung, ein w\u00fcrdiges Leben f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>\u201eFrauen in Freiheit \u2013 das ist nach wie vor eine existenzielle Unm\u00f6glichkeit. Es bleibt das Verdienst der Frauenbewegung und der feministischen Theoriebildung, soziale und sexuelle Beziehungen entprivatisiert und das weib-weibliche Begehren enttabuisiert zu haben. Frauenverbindungen als politisches und gesellschaftliches Bezugssystem bedeuten eine fundamentale Infragestellung des M\u00e4nnerbundes samt seiner verf\u00fcgbaren Frauen. Eine lesbische Liebe, deren Selbstverst\u00e4ndnis die feministische Differenz zu diesem System des Immergleichen nicht vergisst, w\u00e4re eine Garantin der M\u00f6glichkeit der Entscheidung f\u00fcr eine Politik der Frauenfreundschaften, die nicht auf verwandtschaftlicher Schwesternschaft, sondern im Gegenteil auf den Unterschieden zwischen Frauen basiert. Einer Differenz, die weibliche Freiheit erst erm\u00f6glicht, denn durch die Anerkennung der anderen als die Andere werden Frauen zu Subjekten \u2013 nicht nur des Politischen\u201c (Krondorfer 2010, 229).<\/p>\n<p>Ein nach wie vor unerh\u00f6rtes (Auf-)Begehren.<\/p>\n<hr>\n<h4><strong>Literatur<\/strong><\/h4>\n<p>Frankfurter Frauen (Hg.): Frauenjahrbuch 1, Frankfurt\/M.: Roter Stern, 1975; zit. nach Treusch-Dieter, Gerburg: Weiberd\u00e4mmerung oder der Tag danach (Erstver\u00f6ffentlicht 1985). Neuere Perspektiven der weiblichen Sexualit\u00e4t. In: Futscher, Edith; Kremer, Heiko; Krondorfer, Birge; Mauerer, Gerlinde (Hg.): Gerburg Treusch-Dieter. Ausgew\u00e4hlte Schriften, Wien: Turia + Kant, 2014, S. 158<\/p>\n<p>Hark, Sabine: Dissidente Partizipation. Eine Diskursgeschichte des Feminismus, Frankfurt\/M.: Suhrkamp, 2005<\/p>\n<p>Krondorfer, Birge: Das Politische des lesbischen Begehrens. Erz\u00e4hlung \u2013 Deutung \u2013 Hoffnung. In: Froihofer, Maria,; Murlasits, Elke; Taxacher, Eva; In: Universalmuseum Joanneum Graz (Hg.): l[i]eben und Begehren zwischen Geschlecht und Identit\u00e4t, Wien: L\u00f6cker, 2010, S. 222\u2013229<\/p>\n<p>Rich, Adrienne: Zwangsheterosexualit\u00e4t und lesbische Existenzweise. In: Schultz, Dagmar (Hg.): Lorde, Audre; Rich, Adrienne: Macht und Sinnlichkeit, Berlin: Orlanda, 1993, 4. Auflage (Erstver\u00f6ffentlicht in den USA 1980, in Deutschland 1983), S. 138\u2013168<\/p>\n<p>Treusch-Dieter, Gerburg: Weiberd\u00e4mmerung oder der Tag danach. Neuere Perspektiven der weiblichen Sexualit\u00e4t (Erstver\u00f6ffentlicht 1985). In: Futscher, Edith; Kremer, Heiko; Krondorfer, Birge; Mauerer, Gerlinde (Hg.): Gerburg Treusch-Dieter. Ausgew\u00e4hlte Schriften, Wien: Turia + Kant, 2014, S. 141\u2013171<\/p>\n<hr>\n<h4><strong>Zeittafel<\/strong><\/h4>\n<p>1976:&nbsp;&nbsp; Nach einem Gr\u00fcndungsaufruf im J\u00e4nner durch ein Inserat im Heft 6 der <em>AUF. Eine Frauenzeitschrift<\/em> entsteht eine erste Lesbengruppe als Arbeitskreis innerhalb der <em>Aktion Unabh\u00e4ngiger Frauen<\/em> <em>(AUF). \u2013<\/em> Im Mai taucht im AUF-Artikel \u201eDie Lesbe, das Monster\u201c erstmals das Wort Lesbe in einem feministischen Medium auf. \u2013 Am 10. April spielt die legend\u00e4re Lesbenband <em>Flying Lesbians<\/em> aus der BRD bei einer vom <em>Z-Club (Zentralsparkasse \u00d6sterreich)<\/em> und unter urspr\u00fcnglicher Beteiligung der AUF organisierten mehrt\u00e4gigen Veranstaltung u. a. mit Alice Schwarzer im <em>Z-Club.<\/em> \u2013 Im Dezember wird in der AUF f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer Lesben-WG inseriert. Diese wird sp\u00e4ter unter dem Namen <em>Amazonenmarkt<\/em> bekannt.<\/p>\n<p>1977:&nbsp;&nbsp; Auf dem <em>Frauenkongre\u00df der Autonomen Frauenbewegung<\/em> von 14. bis 15. Mai 1977 im <em>Dramatischen Zentrum<\/em> in Wien zeigt die Lesbengruppe der AUF einen Film \u00fcber Formen der Diskriminierung und lesbische Alternativen. \u2013 <em>Frauenzimmer<\/em> Buchhandlung und Caf\u00e9 er\u00f6ffnen im Mai getrennt, aber in denselben R\u00e4umlichkeiten. Die Buchhandlung ist eine wichtige Anlaufstelle f\u00fcr Lesbenliteratur. Ab Sommer 1982 befindet sie sich im selben Haus eine T\u00fcr weiter. Das <em>Frauencaf\u00e9,<\/em> das immer wieder Lesungen, Ausstellungen, Arbeitskreise u. a. m. organisiert, wird, von heftigen Diskussionen begleitet, nach und nach zu einem wichtigen Lesbenort.<\/p>\n<p>1979:&nbsp;&nbsp; Die Lesbengruppe der AUF produziert das Flugblatt \u201eDie Seele hat kein Geschlecht\u201c f\u00fcr die 1. Mai-Kundgebung. \u2013 Von 22. bis 25. November finden die <em>Innsbrucker Frauentage<\/em> statt, bei denen es zu einem heftigen Lesben-Hetera-Konflikt kommt; dabei entsteht die Idee eines \u00f6sterreichischen Lesbentreffens.<\/p>\n<p>1980:&nbsp;&nbsp; Am Internationalen Frauentag wird erstmals ein Transparent gegen Diskriminierung von Lesben bei einer Demo entrollt. \u2013 Das 1. Lesbentreffen findet von 5. bis 8. Juni unter dem Titel \u201eFrauenkongress \u2013 Frauenbeziehungen\u201c im Amerlinghaus in Wien statt.<\/p>\n<p>1981:&nbsp;&nbsp; Im November 1981 wird die <em>HOSI-Lesbengruppe<\/em> in der seit 1979 bestehenden Homosexuellen Initiative gegr\u00fcndet. \u2013 In der bekannten Wiener Diskothek <em>U4<\/em> findet am 28. November ein erstes Lesbenfest gegen das Werbe- und Vereinsverbot statt. Es kommen \u00fcber 300 Frauen. \u2013 Im Dezember findet nach der Auff\u00fchrung des St\u00fcckes \u201eDie bitteren Tr\u00e4nen der Petra von Kant\u201c im <em>Volkstheater-Studio<\/em> eine Diskussion zwischen der <em>HOSI-Lesbengruppe<\/em>, Schauspielerinnen und Publikum statt. Die Berichte in den Tageszeitungen <em>Kurier<\/em> und <em>AZ<\/em> werden von der <em>HOSI-Lesbengruppe<\/em> als positiv bewertet.<\/p>\n<p>1982: &nbsp; Im Anschluss an die Demonstration zum Internationalen Frauentag st\u00fcrmen Frauen der <em>HOSI-Lesbengruppe<\/em> die Podiumsdiskussion \u201eFormen des Zusammenlebens\u201c im <em>K\u00fcnstlerhaus,<\/em> entrollen ein Transparent und verlesen ein Manifest. \u2013 Am 13. Mai findet, organisiert vom <em>Frauencaf\u00e9<\/em>, ein Benefizfest f\u00fcr die <em>Buchhandlung Frauenzimmer <\/em>statt, um die Anw\u00e4ltinnenkosten nach der Beschlagnahme von \u201eA woman\u2019s touch\u201c aufzutreiben. \u2013 Am 26. Juni 1982 findet die erste, noch kleine und informelle Gay-Pride-Parade in Wien statt. \u2013 Auch Lesben sind ab dem Sommer in der <em>Rosa Lila Villa<\/em> aktiv und tragen u. a. die Hausgemeinschaft, die Beratungsstelle <em>Rosa Lila Tipp<\/em> und die Feste mit. \u2013 Das Frauenlokal <em>Lila L\u00f6ffel<\/em> im Frauenkommunikationzentrum wird im Oktober mit einem Fest er\u00f6ffnet. Vor allem nach der Neu\u00fcbernahme durch Frauen aus dem Umfeld der <em>Rosa Lila Villa<\/em> Ende 1984 wird es zu einem weiteren wichtigen Ort der Lesbenbewegung, es existiert mit einer Unterbrechung bis 1986, gefolgt von der <em>Sonderbar<\/em> und dem <em>FZ-Beisl<\/em> (ab 1989).<\/p>\n<p>1983:&nbsp;&nbsp; Im Mai 1983 wird die <em>\u00d6sterreichische Gesellschaft f\u00fcr Homosexuellenforschung und Lesbierinnenforschung<\/em> \u2013 <em>\u00d6GHL<\/em> gegr\u00fcndet. \u2013 Von 10. bis 30. Juni findet im Lila L\u00f6ffel die Ausstellung \u201eLesben in Wien\u201c statt. \u2013 Seit 1983 finden im Juni die Schwulen- und Lesbentage, Warme Wochen und \u00e4hnliche Veranstaltungen statt. \u2013 Beim 2. \u00f6sterreichischen Lesbentreffen von 9. bis 11. September im Amerlinghaus entsteht die Idee zur Zeitschrift <em>Lesbenrundbrief<\/em>, die bis 1993 von wechselnden Gruppen herausgegeben wird. \u2013 Das Frauencaf\u00e9 gibt ab Mai gemeinsam mit dem Lila L\u00f6ffel die <em>Lilien Postilien<\/em> heraus, die Zeitschrift erscheint ebenfalls bis 1993. \u2013 Lesben der HOSI und der Rosa Lila Villa fahren \u00fcber den Jahreswechsel erstmals zu einer ILIS-Konferenz (Paris).<\/p>\n<p>1984:&nbsp;&nbsp; Beim 5. Historikerinnentreffen von 16. bis 19. April in Wien ist auch Lesbengeschichte Thema von Vortr\u00e4gen. \u2013 In der <em>Rosa Lila Villa<\/em> findet von 28. bis 30. September das 3. \u00f6sterreichische Lesbentreffen statt<em>.<\/em><\/p>\n<p>1985:&nbsp;&nbsp; 4. \u00f6sterreichisches Lesbentreffen im September in der <em>Rosa Lila Villa.<\/em><\/p>\n<p>1986:&nbsp;&nbsp; Bei der 3. \u00f6sterreichischen Frauensommeruniversit\u00e4t von 6. bis 12. Juli in Innsbruck findet ein Workshop zum Thema \u201eLesbische Existenz\u201c statt. \u2013 5. \u00f6sterreichisches Lesbentreffen (\u201eKongre\u00df Homosexueller Frauen\u201c) von 10. bis 12. Oktober in der <em>Rosa Lila Villa.<\/em> \u2013 Im Oktober entsteht die <em>Uni-Lesbengruppe,<\/em> die weibliche Homosexualit\u00e4t an der Uni zum Thema macht und eine kritische Auseinandersetzung mit der m\u00e4nnlichen Wissenschaft fordert. Sie existiert bis 1988.<\/p>\n<p>1987:&nbsp;&nbsp; Auftritt der <em>Uni-Lesbengruppe<\/em> beim Lesbenpfingsttreffen 1987 in Hamburg mit dem Kabarett \u201ePostfeministisches Lust\/Spiel Sch\u00f6ne fremde Frau&#8220;. \u2013 Lesbische Politik und \u201eHetero-Lesben-Polarisierung\u201c sind Thema bei der 4. \u00f6sterreichischen Frauensommeruniversit\u00e4t von 12. bis 19. Juli in Salzburg. \u2013 Das 6. \u00f6sterreichische Lesbentreffen findet von 30. Oktober bis 1. November im <em>Frauenkulturzentrum<\/em> in Wien statt.<\/p>\n<p>1988:&nbsp;&nbsp; 7. \u00f6sterreichisches Lesbentreffen (\u201eLesbenkongre\u00df\u201c) von 21. bis 23. Oktober in der <em>Rosa Lila Villa.<\/em><\/p>\n<p>1989:&nbsp;&nbsp; 8. \u00f6sterreichisches Lesbentreffen (\u201eLesbentage\u201c) zum Schwerpunkt Lesbenalltag und Lesbenstrukturen von 8. bis 12. November in <em>Frauen(kultur)zentrum, Frauencaf\u00e9<\/em> und <em>HOSI<\/em>.<\/p>\n<p>1989:&nbsp;&nbsp; Ab Ende 1989 erscheint in den von der <em>HOSI Wien<\/em> herausgegebenen Lambda-Nachrichten die Glosse \u201eAus lesbischer Sicht\u201c, von 1990 bis 2000 verfasst von Helga Pankratz.<\/p>\n<p>1990:&nbsp;&nbsp; Das <em>Archiv der Neuen Frauenbewegung,<\/em> gegr\u00fcndet 1983, wechselt im Zuge der allgemeinen Diskussion um lesbische Sichtbarkeit innerhalb der Frauenbewegung seinen Namen und hei\u00dft fortan: <em>STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung. <\/em>Auch das <em>Frauen(kultur)zentrum<\/em> in Wien \u00e4ndert seine Benennung in <em>FrauenLesbenzentrum,<\/em> andere folgen. \u2013 Bei der 6. Frauensommeruniversit\u00e4t von 6. bis 15. Juli in Wien gibt es Arbeitskreise und Vortr\u00e4ge rund um die \u201eKonfliktachse Lesbianismus versus Heterosexualit\u00e4t\u201c.<\/p>\n<p>1991:&nbsp;&nbsp; 9. und letztes \u00f6sterreichisches Lesbentreffen von 3. bis 6. Oktober in Wien zum Schwerpunkt Lesbenkultur. \u2013 1. Lesben- und Schwulenforum in Linz.<\/p>\n<p>1992: &nbsp; Das Musikkabarett <em>Labellas<\/em> tritt erstmals anl\u00e4sslich 15 Jahren <em>Frauencaf\u00e9<\/em> auf. Der letzte Auftritt des bekannten Szene-Kabaretts fand 2001 statt.<\/p>\n<p>1994:&nbsp;&nbsp; An der Universit\u00e4t Wien findet im M\u00e4rz erstmals die \u201eLesBiSchwule Aktionswoche\u201c statt, veranstaltet von der <em>LesBiSchwulen Gruppe an der GEWI. \u2013 <\/em><em>Marantana. Sportverein f\u00fcr Lesben und Freundinnen<\/em> veranstaltet ein internationales Lesbenvolleyballturnier von 2. bis 3. April in Wien. \u2013 4. \u00f6sterreichisches Lesben- und Schwulenforum \u201eAlpengl\u00fchen&#8220; von 28. Oktober bis 1. November in Wien, organisiert vom neu gegr\u00fcndeten <em>\u00d6sterreichischen Lesben- und Schwulenforum (\u00d6LSF).<\/em><\/p>\n<p>1995:&nbsp;&nbsp; 5. \u00f6sterreichisches Lesben- und Schwulenforum \u201eDonauwellen&#8220; von 26. bis 29. Oktober in Linz.<\/p>\n<p>1996:&nbsp;&nbsp; \u201eErster lesbischwuler und transgender Festzug \u00d6sterreichs (Regenbogenparade)\u201c auf der Wiener Ringstra\u00dfe am 29. Juni. \u2013 6. \u00f6sterreichisches Lesben- und Schwulenforum von 1. bis 3. November in Dornbirn.<\/p>\n<p>1997:&nbsp;&nbsp; Mit 28. Februar sind die auch Lesben betreffenden Strafgesetzparagraphen 220 (\u201eWerbeverbot\u201c) und 221 (\u201eVereinsverbot\u201c) rechtsg\u00fcltig abgeschafft, dem war, angetrieben von der Rechtslage in der EU, ein Beschluss im Nationalrat am 27. Nov. 1996 vorangegangen. \u2013 7. \u00f6sterreichisches Lesben-, Schwulen- und Transgenderforum \u201eLebenswelten \u2013 Menschenrechte&#8220; von 24. bis 26. Oktober in St. P\u00f6lten.<\/p>\n<p>1998:&nbsp;&nbsp; Erster Wiener Regenbogenball am 6. Februar im <em>Arcotel Wimberger<\/em>. Lesbische T\u00e4nzerinnen des <em>Resis.danse Ballroom Tanzclub<\/em> sind im Er\u00f6ffnungskomittee. \u2013 16 T\u00e4nzerinnen von <em>Resis.danse<\/em> nehmen neben zahleichen anderen Sportlerinnen und Sportlern an den internationalen <em>Gay Games<\/em> von 1. bis 8. August in Amsterdam teil. \u2013 8. \u00f6sterreichisches Lesben-, Schwulen- und Transgenderforum von 30. Oktober bis 1. November in Klagenfurt.<\/p>\n<p>1999:&nbsp;&nbsp; 9. \u00f6sterreichisches Lesben- und Schwulenforum \u201eBewegung macht Geschichte&#8220; von 29. bis 31. Oktober in Wien.<\/p>\n<p>2000:&nbsp;&nbsp; Auf der Regenbogenparade gibt es einen Wagen \u201eMobile lesbische Bildst\u00f6rung\u201c.<\/p>\n<p>2001:&nbsp;&nbsp; Ab Oktober produziert die Autorin und Aktivistin Helga Pankratz den E-Mail-Newsletter <em>Lebenszeichen<\/em>. Er wird bis mindestens 2008 versendet.<\/p>\n<p>2005:&nbsp;&nbsp; Von 26. Oktober 2005 bis 8. J\u00e4nner 2006 l\u00e4uft in der eigens daf\u00fcr adaptierten <em>Neustifthalle<\/em> in Wien die Ausstellung \u201eGeheimsache: Leben. Schwule und Lesben im Wien des 20. Jahrhunderts\u201c.<\/p>\n<p>2008:&nbsp;&nbsp; In Graz entsteht das kleine <em>Violetta Lesbenarchiv<\/em> in den R\u00e4umen der Frauenbuchhandlung <em>Berta B\u00fccher<\/em>.<\/p>\n<p>2009:&nbsp;&nbsp; Europaweites <em>Autonom Feministisches FrauenLesbenTreffen<\/em> von 9. bis 14. April im <em>FrauenLesbenM\u00e4dchenZentrum<\/em> in Wien.<\/p>\n<p>2012:&nbsp;&nbsp; Anfang des Jahres er\u00f6ffnet die <em>Buchhandlung ChickLit<\/em> mit queer-feministischem Konzept als neuer Ort f\u00fcr Lesben- und queere Literatur. Als weiteren B\u00fccherort nutz(t)en Lesben auch das Angebot in der <em>Buchhandlung L\u00f6wenherz<\/em>.<\/p>\n<p>2015: &nbsp; Nachdem zwei Lesben des Lokals verwiesen worden waren, findet am 16. J\u00e4nner am Wiener Stubentor spontan eine Demonstration gegen das Kussverbot f\u00fcr Lesben im Caf\u00e9 Pr\u00fcckel statt, organisiert von der <em>Achse Kritischer Sch\u00fcler_innen Wien<\/em>. \u2013 Das <em>_tastique_festival<\/em> von 5. bis 8. M\u00e4rz in Wien wird von der gleichnamigen queer-feministischen Gruppe organisiert.<\/p>\n<p>2016:&nbsp;&nbsp; Lesben des <em>FrauenLesbenMigrantinnenZentrums<\/em> Wien engagieren sich in der Initiative <em>Autonome Feministische FrauenLesben aus Deutschland und \u00d6sterreich<\/em> f\u00fcr die Installation einer Gedenkkugel im KZ Ravensbr\u00fcck als Zeichen des Gedenkens an die Verfolgung und Ermordung lesbischer Frauen im NS-Faschismus.<\/p>\n<p>2017:&nbsp;&nbsp; Im Juni l\u00e4uft zum letzten Mal das <em>identities Film Festival<\/em> in Wien. \u2013 Im Oktober findet die <em>European Lesbian* Conference<\/em> in Wien statt; sie ist f\u00fcr alle Geschlechter offen.<\/p>\n<hr>\n<p><em><strong>Margit Hauser<\/strong> ist langj\u00e4hrige Mitarbeiterin und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung in Wien sowie im Vorstand von i.d.a., dem Dachverband der deutschsprachigen Lesben\/Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen t\u00e4tig; sie ver\u00f6ffentlicht v. a. zum feministischen Dokumentationswesen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Birge Krondorfer<\/strong> ist politische Philosophin und feministische Aktivistin, Universit\u00e4tslektorin und Erwachsenenbildnerin, Autorin und Herausgeberin. Seit 1979 t\u00e4tig in diversen feministischen Initiativen und Organisationen, besonders in der von ihr mitbegr\u00fcndeten und 1993 er\u00f6ffneten Frauenbildungsst\u00e4tte Frauenhetz in Wien.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesbenbewegte Aktivit\u00e4ten finden sich in \u00d6sterreich, anders als in der BRD, wo es eine dezidierte Lesbenbewegung gab\/gibt, vor allem im Rahmen lesbisch-feministischer, aber auch lesbisch-schwuler Bewegungen. 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