{"id":5416,"date":"2022-01-03T14:45:55","date_gmt":"2022-01-03T13:45:55","guid":{"rendered":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/?p=5416"},"modified":"2022-07-07T11:25:58","modified_gmt":"2022-07-07T09:25:58","slug":"pathologisierung-kriminalisierung-und-selbstbestimmung-die-trans-bewegung-in-oesterreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/2022\/01\/pathologisierung-kriminalisierung-und-selbstbestimmung-die-trans-bewegung-in-oesterreich\/","title":{"rendered":"Persson Perry Baumgartinger: Pathologisierung, Kriminalisierung und Selbstbestimmung &#8211; Die Trans-Bewegung"},"content":{"rendered":"\n<p>Zur Situation von trans Personen in \u00d6sterreich gibt es noch immer wenige Informationen [FN 2]. In den 1980ern und 1990ern hat sich eine \u00f6ffentlich sichtbare und k\u00e4mpferische Bewegung herausgebildet, die vor allem f\u00fcr geschlechtliche Selbstbestimmung und gegen Pathologisierung und Kriminalisierung k\u00e4mpft. Die Pathologisierung und Kriminalisierung von trans Personen hat eine lange Geschichte, was sich unter anderem im \u201eTranssexualismus\/Transsexualit\u00e4ts-Paradigma\u201c zeigt. Inwiefern die heutigen Bilder von trans Personen in den Medien, aber auch die staatliche Regulierung, noch aus dem NS-Regime r\u00fchren, kann bisher nur vermutet werden, genauere Forschung dazu fehlt.<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"686\" height=\"556\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/08_Trans.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5323\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/08_Trans.png 686w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/08_Trans-300x243.png 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/08_Trans-520x421.png 520w\" sizes=\"(max-width: 686px) 100vw, 686px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Aber auch wenn heute noch immer viel\nUnwissen und Falschwissen zu Trans besteht, haben trans Aktivist_innen in den\nletzten Jahrzehnten doch einiges erreicht: Seit 2006 m\u00fcssen sich verheiratete\ntrans Personen f\u00fcr die \u00c4nderung des Personenstandes nicht mehr scheiden lassen;\nSeit 2010 darf der Staat \u00d6sterreich keine Operationen mehr erzwingen und vor\nallem d\u00fcrfen trans Personen nicht mehr zwangssterilisiert werden; Seit einiger\nZeit k\u00f6nnen Zeugnisse nach der Personenstands\u00e4nderung angepasst werden; Seit\n2018 muss der Staat \u00d6sterreich \u2013 nachdem eine inter* Person erfolgreich geklagt\nhat \u2013 mehr als zwei Geschlechter anerkennen; und und und. Gleichzeitig bleibt\nnoch einiges offen: Noch immer ist es nicht m\u00f6glich, den Vornamen frei zu\nw\u00e4hlen, die vier Geschlechtseintr\u00e4ge neben Mann und Frau sind vorerst inter*\nPersonen vorenthalten. Trans Kinder und Jugendliche haben hingegen mit einigen\nSchwierigkeiten und Gegenwind zu rechnen, Toiletten und Umkleider\u00e4ume sind noch\nimmer meist in m\u00e4nnliche, weibliche und geschlechtslose (sogenannte\n\u201eBehindertentoiletten\u201c) eingeteilt, Schulen und Hochschulen sind noch immer\nnicht bereit, trans Personen anzuerkennen und respektvoll zu behandeln und\nAsylverfahren sind weiterhin mit menschenrechtsverletzenden Schikanen verbunden\n\u2013 um nur einige zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eAllein das Da-Sein als trans Person\nist Aktivismus.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr \u00d6sterreich zeigt das Oral-History-Projekt des <a rel=\"noreferrer noopener\" label=\"Vereins ][diskursiv (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/diskursiv.diebin.at\/index.php%3Fid=35.html\" target=\"_blank\" class=\"broken_link\">Vereins ][diskursiv<\/a> zur Entstehung der Trans-Bewegung, dass bereits der Alltag in den 1970ern und 1980ern bedrohliche Ausma\u00dfe annehmen kann: <\/p>\n\n\n\n<p>\u201e[&#8230;] in ein Gesch\u00e4ft zu gehen und was zu kaufen oder so \u2013 das hat zum Teil bis zu Polizeieins\u00e4tzen gef\u00fchrt. Ich wei\u00df einen Fall, wo wirklich Polizei gekommen ist, weil jemand sich irgendwelche Frauenkleider kaufen wollte. Da war gerade ein gef\u00e4hrlicher Sexualt\u00e4ter aus dem Zuchthaus Stein entkommen, und die Boulevardtageszeitung \u201aKronen Zeitung\u2018 hat dick dar\u00fcber berichtet. Die Leute im Gesch\u00e4ft haben sich halt gedacht: \u201aDa ist ein Mann, der schaut sich irgendwelchen Frauenfummel an, das muss der Sexualt\u00e4ter sein\u2018 und haben wirklich einen Riesen-Polizeieinsatz mit gez\u00fcckten Pistolen ausgel\u00f6st ((lacht)). Solche Dinge hat es gegeben, die Sichtbarkeit nach au\u00dfen war daher eine st\u00e4ndige Mutprobe und manchmal eine lebensgef\u00e4hrliche Farce.\u201c (<a href=\"https:\/\/diskursiv.diebin.at\/index.php%3Fid=35.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" label=\"G. 2011: 38 (opens in a new tab)\" class=\"broken_link\">G. 2011: 38<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Ab\n1980 bis 2010 werden Personenstands\u00e4nderungen von trans Personen \u00fcber den\nsogenannten \u201eTranssexuellen-Erlass\u201c reguliert. Federf\u00fchrend ist das\nInnenministerium, zu Beginn sind auch das Justiz- und Gesundheitsministerium\nbeteiligt. Letzteres schickt 1997 zus\u00e4tzlich einen eigenen Erlass \u201eEmpfehlungen\nzur Behandlung von Transsexuellen in\n\u00d6sterreich\u201c aus. Der Erlass bestimmt zwischen 1980 und 2010, unter welchen\nBedingungen trans Personen ihren Geschlechts- und Vornamenseintrag im\nGeburtenbuch \u00e4ndern k\u00f6nnen. Er war umstritten, u.a. wurden bis 1996 die Ehen\nvon trans Personen automatisch aufgel\u00f6st, sobald die Person eine\nPersonenstands\u00e4nderung beantragte. Danach, bis 2006, bestand Scheidungszwang. Zus\u00e4tzlich\nbestand von 1983 bis 2010 ein Operationszwang und trans Personen durften nicht\nfortpflanzungsf\u00e4hig sein, um nur einige Schikanen zu nennen. Die \u201eEmpfehlungen\nzur Behandlung von Transsexuellen in\n\u00d6sterreich\u201c gelten bis heute fast unver\u00e4ndert und haben nach 2010 eine gr\u00f6\u00dfere\nWichtigkeit bekommen. Seit 2017 gibt es auch \u201eEmpfehlungen\u201c f\u00fcr Kinder und\nJugendliche. <\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl geschlechtsver\u00e4ndernde\nOperationen zur Zeit in \u00d6sterreich als K\u00f6rperverletzung nach \u00a7 90 StGB Abs. 2\nund \u201eVersto\u00df wider die guten Sitten\u201c \u00a7 90 StGB Abs. 1 strafrechtlich verboten\nsind, werden sie \u00fcber den \u201eTranssexuellen-Erlass\u201c verlangt. Trans Personen\nexperimentieren daher meist auf eigene Faust mit Hormonen wie \u00d6strogen- und\nTestosteronpr\u00e4paraten, f\u00fcr geschlechtsver\u00e4ndernde Operationen reisen sie nach\nMarokko (Casablanca) und in die Schweiz (Basel).<\/p>\n\n\n\n<p>Bis 1997 gelten in \u00d6sterreich\nzus\u00e4tzlich die \u00a7\u00a7 220 und 221 StGB, die ein \u201eVereins- und Werbeverbot f\u00fcr\nhomosexuelle Themen\u201c bestimmen. Trans ist in diesen Bestimmungen nicht explizit\ngenannt, wird jedoch oft als gleichbedeutend mit homosexuell gesehen, weswegen\nauch Trans-Organisationen implizit davon betroffen sind. Die Paragrafen\nbestehen mehr auf dem Papier als dass sie ausgef\u00fchrt werden, zumal zu der Zeit\nbereits mehrere Trans-Vereine bei der Vereinspolizei registriert sind. Dennoch &nbsp;sind sie in Kraft und k\u00f6nnten bei jeder\nVersammlung oder Aktion geltend gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pervers, krank und kriminell &#8230; Das Transsexualismus\/Transsexualit\u00e4t-Paradigma<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um zu verstehen, womit es trans\nPersonen und -Aktivistinnen in den 1970ern und 1980ern, aber auch dar\u00fcber\nhinaus, konfrontiert sind, skizziere ich hier den Forschungsstand zu Trans in\n\u00d6sterreich zu einer Zeit, als sich trans Personen (nach 1945 wieder) beginnen,\nin Gruppen zu organisieren und nach und nach mit ihren Forderungen in die\n\u00d6ffentlichkeit zu gehen. Der medizinische Wissensstand ist f\u00fcr Trans besonders\nwichtig: einerseits in Bezug auf medizinische Unterst\u00fctzung wie Hormonbeigaben\nund chirurgische Ma\u00dfnahmen, aber vor allem im Bereich der Ver_Ortung von Trans\nals psychischer Krankheit, Wahn, Zwang und\/oder St\u00f6rung \u2013 dem\nTranssexualismus\/Transsexualit\u00e4t-Paradigma. Auf dieses st\u00fctzen sich sp\u00e4ter\nunkritisch rechtswissenschaftliche Forschungsbereiche, staatliche Verwaltung\nwie auch Gerichte. <\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens seit den 1960er Jahren\nbesch\u00e4ftigen sich verschiedene Forschungsfelder vermehrt mit Trans und Inter\nbzw. bin\u00e4ren Geschlechter\u00fcberschreitungen \u2013 meist in Verbindung mit\nHomosexualit\u00e4t. In Bezug auf Trans bilden unter anderem die\nSexualwissenschaften und Psych*F\u00e4cher [FN 3] in ihrer Entstehung ein Narrativ\nvon Trans als krank und unnat\u00fcrlich, aber mit somatischen und\/oder psych*ischen\nMethoden heilbar. Dieses Transsexualismus\/Transsexualit\u00e4t-Paradigma ver\u00e4ndert\nsich im Laufe der Zeit nur wenig und ist bis heute in seiner Pathologisierung\nund Kriminalisierung von Trans wirksam. Dies zeigen unter anderem die\nTrans-Diagnosen im ICD, einem weltweit anerkannten Diagnoseschl\u00fcssel der Medizin (engl. International Statistical\nClassification of Diseases and Related Health Problems; deutsch: Internationale\nstatistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme),\nes zeigt sich aber auch im \u201eTranssexuellen-Erlass\u201c des Innenministeriums und in\nden \u201eEmpfehlungen zur\nBehandlung von Transsexuellen in \u00d6sterreich\u201c des Gesundheitsministeriums.\nSelbstverst\u00e4ndlich sind die\nAnf\u00e4nge des Paradigmas weit fr\u00fcher zu verorten (etwa in den Sexualwissenschaften vor\nder NS-Zeit in Europa,\naber auch in Theorien zu Geschlecht aus der Zeit davor), die Sexualwissenschaften, ihre Theorie und\nvor allem auch ihre\nPraktiken nach 1945 sind jedoch zentral f\u00fcr die heutigen Auffassungen und\nDiskussionen zu Trans und der\n\u201eBehandlung\u201c von trans Personen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das\nTranssexualismus\/Transsexualit\u00e4t-Paradigma beinhaltet folgende Punkte:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>\u201eTranssexualismus\u201c bzw. \u201eTranssexualit\u00e4t\u201c wird\nprinzipiell pathologisiert als Krankheit oder (Pers\u00f6nlichkeits-)St\u00f6rung, was\nzuerst einer heilenden, sp\u00e4ter einer begleitenden Behandlung bed\u00fcrfe.<\/li><li>Trans\nPersonen stehen in dieser Denkweise unter einem (jahrelangen) Leidensdruck und\nverschiedenen Zw\u00e4ngen, etwa unter dem Zwang, ihre Genitalien zu entfernen, mit\ndem Argument, dass sie den Leidensdruck, im \u201efalschen K\u00f6rper\u201c geboren zu sein,\nnicht mehr aushielten.<\/li><li>Es wird\nzwischen prim\u00e4rer und sekund\u00e4rer bzw. zwischen \u201eechter\u201c und \u201esymptomatischer\u201c\nTranssexualit\u00e4t unterschieden. Wobei \u201eechte Transsexualit\u00e4t\u201c bis in die fr\u00fche\nKindheit zur\u00fcckgef\u00fchrt werden soll und \u201esymptomatische\u201c im Erwachsenenalter\nfestgemacht wird. Damit wird eine (weitere) Hierarchie zwischen trans Personen\nerstellt und der Zugang zur Personenstands\u00e4nderung reguliert. Denn nur als\n\u201eecht\u201c angesehene trans Personen k\u00f6nnen ihren Personenstand \u00e4ndern.<\/li><li>Transsexualismus\nbzw. Transsexualit\u00e4t wird in verschiedene Bereiche aufgesplittet, die Trans als\nkomplexes Ph\u00e4nomen erscheinen lassen, f\u00fcr das medizinische Expertise notwendig\nsei und die selbstbestimmte Expertise der trans Personen nicht gen\u00fcge.<\/li><li>Daraus\nwerden unterschiedliche Behandlungsmethoden entwickelt und angewendet, etwa in\nPsychotherapie oder Psychoanalyse.<\/li><li>Es gibt in diesem Paradigma eine klare Hierarchie der\nExpertise, die einer paternalistischen Struktur folgt: Psychiater*innen\nbestimmen als sogenannte Expertinnen zu Trans \u00fcber die trans Personen und ihre\n\u201eBehandlung\u201c bzw. sp\u00e4ter Begleitung, den trans Personen wird keine oder sp\u00e4ter\nnur geringe Expertise zugewiesen. Eine \u00e4hnliche paternalistische\nHerangehensweise findet sich in der universit\u00e4ren Forschung zu Trans:\nForschende theoretisieren trans Personen, ohne sie bzw. ihre Expertise in die\nR\u00fcckschl\u00fcsse aufzunehmen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Im Rahmen dieses Paradigmas werden\ntrans Personen in den 1980er Jahren als Homosexuelle konstruiert, die ihre\nHomosexualit\u00e4t aufgrund internalisierter homophober Gesellschaftsnormen\nunterdr\u00fccken w\u00fcrden und \u00fcber eine Psych*Therapie als Homosexuelle\ngr\u00f6\u00dftenteils heilbar seien. Sp\u00e4ter findet eine Abgrenzung von Homosexualit\u00e4t\nund Transvestismus statt. Trans ist damit nicht mehr als unterdr\u00fcckte\nHomosexualit\u00e4t definiert, wird aber weiterhin als therapierbar gesehen: Es wird\ndavon ausgegangen, trans Personen w\u00fcrden unter einem Zwang leiden, der \u00fcber\nhormonelle und chirurgische Ma\u00dfnahmen gel\u00f6st werden k\u00f6nne und der psych*ische Diagnostik\nsowie Begleitung ben\u00f6tige. Bis heute geht die Weltgesundheitsbeh\u00f6rde von\nverschiedenen Trans-Diagnosen aus, die im ICD-10 im Kapitel V \u201ePsychische und\nVerhaltensst\u00f6rungen\u201c als \u201ePers\u00f6nlichkeits- und Verhaltensst\u00f6rungen\u201c unter\n\u201eSt\u00f6rungen der Geschlechtsidentit\u00e4t\u201c beschrieben sind. Welche Effekte ein\nsolches Paradigma haben kann, zeigt auch die Definition von Transsexualit\u00e4t im\n\u201eTranssexuellen-Erlass\u201c von 1983, die das Paradigma ziemlich gut zusammenfasst,\nn\u00e4mlich: trans Personen w\u00fcrden \u201el\u00e4ngere Zeit unter der zwanghaften Vorstellung\u201c\nleben, \u201edem anderen Geschlecht zuzugeh\u00f6ren\u201c, was sie zu \u201egeschlechtskorrigierenden\nMa\u00dfnahmen\u201c veranlassen w\u00fcrden. Diese Ma\u00dfnahmen w\u00fcrden zu \u201eeiner deutlichen\nAnn\u00e4herung an das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild des anderen Geschlechts\u201c f\u00fchren,\nSchlie\u00dflich wird angenommen, dass sich \u201emit hoher Wahrscheinlichkeit \u2026 am Zugeh\u00f6rigkeitsempfinden\nzum anderen Geschlecht nichts mehr \u00e4ndern\u201c w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach jahrelangen internationalen\nK\u00e4mpfen haben es trans Aktivistinnen und Verb\u00fcndete geschafft, dass mit dem\nICD-11 demn\u00e4chst unter \u201egender incongruence\u201c von der F-Kategorie der\n\u201epsychischen St\u00f6rungen\u201c zu den H-Kategorien \u201econditions related to sexuel\nhealth\u201c verschoben wird. Ein wichtiger Schritt weg von der\nTrans-Pathologisierung, wobei gleichzeitig bei Bedarf medizinische\nUnterst\u00fctzung anerkannt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nicht mit uns! \u2013 Die Entstehung der \u00f6sterreichischen\nTrans-Bewegung Ende der 1980er<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Trans-Bewegung in \u00d6sterreich\nentsteht \u2013 soweit heute bekannt \u2013 Ende der 1980er Jahre durch erste Treffen,\nGruppen und Vereinsbildung sowie vermehrte mediale Pr\u00e4senz. Dabei spielen\nbesetzte H\u00e4user eine wichtige Rolle. [FN 4] Ab den 1990er Jahren werden\nverschiedene Vereine gebildet und immer mehr in den akademischen Wissenstand,\nin gesellschaftliche Vorstellungen und staatliche Regulierungen von Trans\neingegriffen. Sp\u00e4testens in den 2000er Jahren gehen trans Aktivist_innen immer\nmehr mit verschiedenen Aktionen in die \u00d6ffentlichkeit und machen auf sich und\nihre Forderungen aufmerksam. Nach und nach entstehen europaweite und\ninternationale Netzwerke, die u.a. die Depathologisierung von Trans in den Krankheitshandb\u00fcchern\nICD und DSM erreichen. Nach einer Zeit mit wenigen trans Organisationen gibt es\nheute wieder mehr Trans-Selbstorganisationen, die verschiedene Aspekte des\nTrans Seins abdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Entstehung von sozialen\nBewegungen spielen Selbsthilfegruppen eine zentrale Rolle. Denn ohne erste\nTreffen von einzelnen trans Personen \u2013 allein um sich nicht mehr verstecken zu\nm\u00fcssen \u2013 sind die Registrierung von Trans-Vereinen und eine Trans-Bewegung mit \u00f6ffentlichen\nAktionen nicht denkbar. Eine der ersten bisher bekannten Trans-Gruppen in\n\u00d6sterreich ist die \u201eTranssexuellen Initiative \u00d6sterreich\u201c (TSI), die in den\n1980er Jahren in Graz entsteht, bereits 1990 als Verein registriert ist, sp\u00e4ter\nin Wien weitergef\u00fchrt und von Elisabeth Piesch geleitet wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Kurz darauf, 1992, schaltet Heike\nKeusch ein Zeitungsinserat mit dem Aufruf zu einem Treffen von trans Personen\nim Rahmen der Veranstaltung \u201eErotik Kreativ 2\u201c, die in dem 1981 besetzten und\nsp\u00e4ter selbstverwalteten Werkst\u00e4tten- und Kulturhaus WUK in Wien stattfindet. Eine\nweitere fr\u00fche \u00f6ffentlich beworbene Vernetzung von trans Personen findet im\nRahmen des im September 1994 abgehaltenen Filmfestivals \u201etrans-X. Eine\nfilmische Identity Tour\u201c in Wien statt, bei dem \u201eAndrogynit\u00e4t, Cross-dressing,\nTransvestismus und Transsexualit\u00e4t\u201c im Rahmenprogramm sichtbar sind. Das\nRahmenprogramm besteht unter anderem aus einem \u201e3 Tage cross dressing workshop\u201c\nvon Mark Willuhn, dem Seminar \u201eSex &amp; Gender\u201c im WUK sowie einer Ausstellung\nvon Fotos von Dame Galaxis und Chantal St. Germain unter dem Titel \u201eDrag or\nWhatever\u201c im Freihaus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.35.19.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5436\" width=\"422\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.35.19.png 332w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.35.19-158x300.png 158w\" sizes=\"(max-width: 422px) 100vw, 422px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Wiener Verein \u201eForum TransGender\u201c\nbefindet sich Mitte der 1990er in Gr\u00fcndung und schreibt etwa im April 1995\neinen Antrag zur \u00c4nderung des sogenannten \u201eTranssexuellen-Erlasses\u201c vom 18.\nJuli 1983 und gestaltet das Internationale Menschrechtstribunal im Juni 1995 in\nWien mit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.35.40.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5437\" width=\"687\" height=\"440\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.35.40.png 936w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.35.40-300x193.png 300w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.35.40-768x493.png 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.35.40-520x334.png 520w\" sizes=\"(max-width: 687px) 100vw, 687px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ebenfalls Anfang der 1990er Jahre finden\nin dem 1982 besetzten Haus \u201eRosa Lila Villa\u201c (heute T\u00fcrkis Rosa Lila Villa) in\nWien regelm\u00e4\u00dfige Treffen von verschiedenen Trans-Gruppen statt. Eine Gruppe\nrund um Heike Keusch, Mark Willuhn und anderen wird am 16. September 1993 als\nVerein \u201eTransvestitin \u2013 Verein f\u00fcr Transvestit-Innen und Transsexuelle\u201c bei\nder Wiener Vereinspolizei registriert, eine weitere Gruppe rund um Chris und\nGernot am 4. Dezember 1995 als Verein \u201eTransX \u2013 Verein f\u00fcr TransGender\nPersonen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Informationsblatt der\nTranssexuellen Initiative \u00d6sterreich von 1990 beschreibt anf\u00e4ngliche\nSchwerpunkte der Selbstorganisationen: Neben dem Austausch und Empowerment von\ntrans Personen und ihren Angeh\u00f6rigen sind Interventionen in die damaligen\nWissensst\u00e4nde benannt. Auch der Abschnitt zu \u201eTransGender\u201c in einer Brosch\u00fcre\nder \u00f6sterreichischen Hochsch\u00fclerinnenschaft aus den 1990er Jahre beschreibt\nklare Aufgabengebiete f\u00fcr Trans-Organisationen hin zu einer \u00c4nderung des\n\u201eVerhalten[s] der Mehrheitsbev\u00f6lkerung gegen\u00fcber Minderheiten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Trans Aktivistinnen intervenieren in\n\u00f6ffentliche Diskussionen zu Transsexualit\u00e4t, TransGender und\/oder Trans,\nveranstalten Kunstprojekte, bringen sich \u00fcber Informationsvortr\u00e4ge zu Trans in\ndie Universit\u00e4ten sowie in Berufsverb\u00e4nde und Vereinigungen (etwa in den\n\u00d6sterreichischen Arbeitskreis f\u00fcr Gruppentherapie und Gruppendynamik \u00d6AGG) ein\nund vernetzen sich mit den Studierendenvertretungen der Universit\u00e4ten. Sie\nkommen aus verschiedenen Bewegungen, unter anderem aus der heute sogenannten schwullesbischen,\nder BDSM- oder der Friedensbewegung, und kooperieren mit diesen in\nverschiedenen \u00f6ffentlichen Aktionen, Projekten und politischen Interventionen.\nAber auch in der Frauenbewegung sind trans Personen seit den 1990ern aktiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie nutzen die Mainstream-Medien, also Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen. Sie mischen sich in die Politik ein, halten Vortr\u00e4ge und intervenieren in den damaligen Forschungsstand zu Trans. \u00dcber die Studierenden kommen das Thema Trans und die Trans Studies bald in die Universit\u00e4ten: Mitte der 1990er etwa nimmt die \u00d6H der Universit\u00e4t Wien in der Brosch\u00fcre \u201eWien \u2013 out now! einE LesBiSchwulTransGender wegweiserIn durch das rosa lila wien\u201c auf Marjorie Garbers Buch \u201eVerh\u00fcllte Interessen\u201c von 1993 und Kate Bornsteins Buch \u201eGender Outlaw\u201c von 1994 und damit auf die englischsprachigen Trans Studies Bezug; 1995 organisiert die LesBiSchwule Aktionswoche einen Vortrag \u00fcber \u201eDie rechtliche Situation von Transsexuellen in \u00d6sterreich\u201c, der von Piesch von der TSI begleitet wird; ein Folder des Vereins Transvestitin nimmt u.a. kritisch-ironisch Bezug auf den damaligen Wissensstand und die pathologisierende Praxis der Akademia, um nur einige Beispiele zu nennen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.36.39.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5439\" width=\"421\" height=\"615\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.36.39.png 468w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.36.39-206x300.png 206w\" sizes=\"(max-width: 421px) 100vw, 421px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.36.17.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5438\" width=\"426\" height=\"597\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.36.17.png 477w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Bildschirmfoto-2022-01-06-um-16.36.17-214x300.png 214w\" sizes=\"(max-width: 426px) 100vw, 426px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Forum TransGender beginnt eine\nKooperation mit dem \u00d6sterreichischen Lesben- und Schwulenforum \u00d6LSF, das unter\nvielen anderen Vereinen das Menschenrechtstribunal mitgestaltet, das von 9. bis\n12. Juni 1995 in Wien stattfindet. Im Tribunal gab es einen eigenen\ninhaltlichen Bereich zu \u201eTransGenderPersons\u201c, in dem die Republik \u00d6sterreich u.\na. in Bezug auf Personenstand, Ehe und Familie, auf Psychiatrie, auf Arbeitswelt\nund auf \u00d6ffentlichkeit von diesem Tribunal der Diskriminierung von trans\nPersonen angeklagt wird. [FN 5] In Bezug auf Trans wird die Republik \u00d6sterreich\nzur Erf\u00fcllung mehrerer Auflagen verurteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>TRANS UND DIE MEDIEN<\/p>\n\n\n\n<p>Als Folge der Trans-Aktivismen nehmen\nMainstream-Medien vermehrt das Thema auf und berichten dar\u00fcber. Berichte zu\nTrans finden sich sp\u00e4testens ab dem Jahr 1990 in Zeitungen und Zeitschriften\nwie Basta, profil, Der Standard, Wiener Wirtschaft und in Radio- und\nFernsehsendungen wie \u201eZickZack\u201c (\u00d63), \u201eX-Large\u201c (ORF \/ 3sat) oder \u201eClub 2\u201c\n(ORF), aber auch in Sendeformaten wie \u201eVera\u201c und \u201eDie Barbara Karlich Show\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Verh\u00e4ltnis von trans Personen und\nMedien ist ambivalent \u2013 einerseits werden die Medien von trans Personen\ngenutzt, um auf das Thema Trans sowie die gesellschaftliche, juristische und\nmedizinische Diskriminierung aufmerksam zu machen. Andererseits werden trans\nPersonen und -Gruppen von den Medien benutzt und Stereotype \u00fcber trans\nPersonen verst\u00e4rkt, etwa \u00fcber die vielen Portr\u00e4ts, in denen trans Personen als\narme, leidende, zwanghaft kranke Menschen dargestellt werden, die eigentlich M\u00e4nner\nseien, sich aber \u00fcber Hormone und Operationen zu Frauen machen wollten (oder\numgekehrt):<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs verging irgendwann kein Villa-Abend mehr, wo nicht irgend ein Journalist drin gesessen ist und gesagt hat, er sucht Leute, die, ich wei\u00df nicht, sich fotografieren lassen und sich ausziehen dabei und \u00fcber ihr Sexualleben referieren.\u201c (<a href=\"https:\/\/diskursiv.diebin.at\/index.php%3Fid=35.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" label=\"G. 2011: 37 (opens in a new tab)\" class=\"broken_link\">G. 2011: 37<\/a>) <strong><a href=\"https:\/\/diskursiv.diebin.at\/index.php%3Fid=35.html\" class=\"broken_link\"><\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter reagieren Trans-Organisationen mit Brosch\u00fcren f\u00fcr Journalistinnen, was es in der Berichterstattung zu Trans* zu beachten gilt, und f\u00fcr trans Personen, was sie beachten k\u00f6nnen, wenn sie mit Medien in Kontakt sind (z. B. von <a href=\"https:\/\/www.transinterqueer.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"TransInterQueer e. V. (opens in a new tab)\">TransInterQueer e. V.<\/a> und <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"TGNS Transgender Network Switzerland (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.tgns.ch\/de\/medien\/fuer-transmenschen\/\" target=\"_blank\">TGNS Transgender Network Switzerland<\/a>). Diese zeigen mittlerweile ihre Wirkung, Trans und trans Personen werden in den Medien nach und nach vielf\u00e4ltiger und respektvoller dargestellt (wenn auch nicht immer).<\/p>\n\n\n\n<p>GESETZLICHE ERRUNGENSCHAFTEN<\/p>\n\n\n\n<p>Seit den 1990ern gehen einzelne trans\nPersonen gegen die Bestimmungen des \u201eTranssexuellen-Erlasses\u201c vor Gericht und\nk\u00f6nnen ihre Forderungen zunehmend durchsetzen, bis 2010 schlussendlich der\n\u201eTranssexuellen-Erlass\u201c aufgehoben werden muss. Ab diesem Zeitpunkt gibt es\nkeine zentralistische Regulierung des Innenministeriums mehr, es sind wieder\ndie einzelnen Bundesl\u00e4nder zust\u00e4ndig. Jedoch ist der Erlass des\nGesundheitsministeriums aus dem Jahr 1997 (\u201eEmpfehlungen\u201c) weiterhin in Kraft\nund wird 2014 mehrmals, verschwindend gering \u00fcberarbeitet, neu aufgelegt.\nDamit ist die Zwangskastration\/-sterilisation zwar vom Tisch, weitere\nRegelungen aus dem \u201eTranssexuellen-Erlass\u201c sind jedoch \u00fcber die \u201eEmpfehlungen\u201c\nweiterhin aktiv und treffen vor allem trans Personen, die medizinische\nMa\u00dfnahmen nicht selber bezahlen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der ersten Regenbogenparade im\nJahr 1996 gestalten trans Personen diese aktiv mit, etwa \u00fcber die Vereine\n\u00d6LSF, TransX und Libertine, und \u00fcbernehmen zentrale Rollen, etwa h\u00e4lt Eva Fels\nbei der Abschlusskundgebung im Juni 2002 einer Rede zu Transgender. Ebenfalls\n1996 wird auf der Webplattform transgender.at das TransGender Radio gegr\u00fcndet\nund im Rahmen des Vereins \u00d6LSF organisieren trans Aktivistinnen von 1996 bis\n1999 diverse Treffen mit jeweils \u00f6ffentlichen ProvokAktionen mit und organisieren\nPodiumsdiskussionen und\/oder nehmen daran Teil.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Trans-Bewegung ver\u00e4ndert sich im Laufe der Zeit immer wieder: Manche Trans-Gruppen l\u00f6sen sich auf, andere bilden sich neu. \u00dcber die Zeit \u00e4ndern sich die Forderungen, weil manche erf\u00fcllt werden (etwa 2006 die Aufhebung des Scheidungszwangs und 2010 des Operationszwangs) und neue ins aktivistische Blickfeld r\u00fccken (etwa trans Refugees, Asyl von trans Personen oder behinderte trans Personen). Zu all dem gibt es viel aktivistisches und wenig akademisches Wissen. Mehr Informationen zu den heute aktiven Vereinen und Gruppen, die zu Trans-Anliegen arbeiten, bieten deren jeweilige Websites und Facebook-Auftritten: u. a. die Website von <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"TransX (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.transx.at\/index.php\" target=\"_blank\">TransX<\/a>, von <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Transgender.at (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/transgender.at\/index.html\" target=\"_blank\">Transgender.at,<\/a> von <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Trans-Austria (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.trans-austria.org\/\" target=\"_blank\">Trans-Austria<\/a>, die Website von<a rel=\"noreferrer noopener\" label=\" GoWest \u2013 Verein f\u00fcr Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und Queer (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/gowest.jimdo.com\/\" target=\"_blank\" class=\"broken_link\"> GoWest \u2013 Verein f\u00fcr Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und Queer<\/a>, von <a rel=\"noreferrer noopener\" label=\"ORQOA \u2013 Oriental Queer Organisation Austria (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/137619472957375\/\" target=\"_blank\" class=\"broken_link\">ORQOA \u2013 Oriental Queer Organisation Austria<\/a>, von <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Queer Base \u2013 Welcome and Support for LGBTIQ Refugees (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/queerbase.at\/\" target=\"_blank\">Queer Base \u2013 Welcome and Support for LGBTIQ Refugees<\/a>, von <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"ara Afro Rainbow Austria (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/afrorainbow.at\/\" target=\"_blank\">ara Afro Rainbow Austria<\/a>, von <a rel=\"noreferrer noopener\" label=\"Gender Galaxie (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/GenderGalaxie\" target=\"_blank\" class=\"broken_link\">Gender Galaxie<\/a>, von The Chainge \u2013 Trans* Peer Group Wien und vielen mehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vom Aktivismus<\/strong><strong> in die Akademia \u2013 Trans*Aktivistinnen intervenieren in\nden akademischen Forschungsstand <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den 1990er-Jahren kommt das Thema\nTrans* \u00fcber Aktivistinnen und Studierende in die \u00f6sterreichischen\nUniversit\u00e4ten. Auch Reibungen mit lesbisch-feministischen Gruppen und R\u00e4umen verhelfen\ndazu sowie zu trans*feministischen Zusammenschl\u00fcssen gegen transfeindliche\nFeminismen. Diese erste Ver_Ortung der Trans Studies an den \u00f6sterreichischen\nUniversit\u00e4ten findet nicht vordergr\u00fcndig im klassischen wissenschaftlichen\nSinn (in Lehrveranstaltungen, Forschungsprojekten, Konferenzen,\nAbschlussarbeiten, Monografien &#8230;) statt, sondern haupts\u00e4chlich \u00fcber\nstudentische und k\u00fcnstlerische Aktionen und Auseinandersetzungen.<\/p>\n\n\n\n<p>1999 wird im Theater des Augenblicks\nin Wien das Symposium \u201eTransidentit\u00e4t im Vergleich der Kulturen \u00d6sterreich \u2013\nT\u00fcrkei \u2013 Indien\u201c abgehalten. Es findet im Rahmen des von G\u00fcl G\u00fcrses\ngeleiteten IDL Zyklus III (International Dance Laboratory 1999\/2000) statt und\nwird gemeinsam mit trans Aktivistinnen und Hijras aus der T\u00fcrkei, Indien und\n\u00d6sterreich erarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>2005 organisiert der Verein TransX zum\nseinem zehnj\u00e4hrigen Bestehen den TransGender Council (s. tgeu.net), der\nerstmals Trans-Organisationen aus ganz Europa vernetzt. Daraus geht das bis\nheute aktive europ\u00e4ische Netzwerk TGEU \u2013 TransGender Europe hervor, das vor\nallem f\u00fcr die europ\u00e4ische NGO-Forschung zu Trans wichtig ist, aber auch eine\nwichtige Rolle in der Bewegung gegen (staatliche) Trans-Pathologisierung\nspielt. Eine wissenschaftliche Tagung zu Trans Studies hat in \u00d6sterreich bisher\nnicht stattgefunden, allerdings organisiert 2014 der Verein ][diskursiv in\nKooperation mit dem Referat Genderforschung der Universit\u00e4t Wien einen zweit\u00e4gigen\nWorkshop zur Vernetzung von \u00f6sterreichischen Trans Studies und -Aktivismen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitte der 1990er Jahre bis Anfang der\n2000er ist der Trans-Aktivismus in \u00d6sterreich unter anderem mit der Bildung von\nVereinen und verschiedenen \u00f6ffentlichen Aktionen zu Menschenrechten,\nk\u00f6rperlicher Unversehrtheit, freier Namenswahl und \u00e4hnlichen Inhalten\nbesch\u00e4ftigt. Zus\u00e4tzlich dazu beginnen trans Aktivistinnen, in den pathologisierenden,\npaternalistischen und akademischen Wissensstand zu Trans zu intervenieren. Im\nJahr 1994 gibt der Verein Transvestitin einen Infofolder heraus, der in der\nRubrik \u201eBildung\u201c kritisch-ironisch Bezug nimmt auf die damaligen\nwissenschaftlichen Erkenntnisse und \u00c4u\u00dferungen von \u201eExpertinnen\u201c zu Trans, aber\nauch zu gesellschaftlichen Stereotypen gegen\u00fcber trans Personen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir stehen, wie\neine angesehene Psychologin unl\u00e4ngst in einem Interview festgestellt hat, unter\ndem inneren Zwang, Eis zu lutschen. Ein deutscher Psychiater hat\nherausgefunden, da. wir dabei drei Stadien durchschreiten: Schokoeis,\nVanilleeis, alle Eissorten.<\/p>\n\n\n\n<p>In Wahrheit, so\nkonnte die anerkannte \u00f6sterreichische Kapazit\u00e4t f\u00fcr Transsexualit\u00e4t anhand\nseiner wissenschaftlicher Voreingenommenheit nachweisen, sind wir alle blo\u00df\nverkappte Homosexuelle, die sich nicht trauen, einfach Homo zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein deutscher\nPsychiater wiederum hat es auf den Punkt gebracht: Wir Transsexuellen sehen\neinfach die fundamentale Realit\u00e4t unseres Geschlechts nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>Des weiteren\nzeichnen wir uns nat\u00fcrlich durch spezifische Boshaftigkeit aus, andere\nunbescholtene B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen auf dumme Gedanken zu bringen und deren\nunterdr\u00fcckte Phantasien im Alltag unn\u00f6tig aufzuheizen. Schlimmer noch: wir degradieren\nbesonders den Mann zum blo\u00dfen Sexualobjekt! Wie ein Weib \u2013 Igitt! So hat jede\/r\neinzelne von uns schon manch brave\/n B\u00fcrger\/in, der\/die n\u00e4chtens auf der Jagd\nnach Frischfleisch \u00fcber uns herzufallen beabsichtigte, auf besonders r\u00fcde Art\nund Weise desillusioniert.\u201c (Transvestitin 1994: o. S.)<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens mit diesem Flyer des\nVereins Transvestitin und verschiedenen Aktionen des Vereins Transsexuelle\nInitiative TSI intervenieren trans Aktivistinnen in den aktuellen Wissenstand,\ndie paternalistische und pathologisierende Fremdbestimmung vonseiten der\nWissenschaften (allen voran der Psychiatrie und Psychologie). <\/p>\n\n\n\n<p>Zum 50-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Republik \u00d6sterreich\nver\u00f6ffentlicht Elisabeth Piesch 1995 den Text \u201eFestschrift: Die Lage einer\nBev\u00f6lkerungsgruppe in \u00d6sterreich\u201c. Dieser Text ist eine Aufkl\u00e4rungsschrift, ein\nInformationspapier zu Trans. Er kommt im Jahr des Menschenrechtstribunals\nheraus (bereits im Fr\u00fchling) und beschreibt umfangreich die Diskriminierung\nvon TransGenderPersonen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab den 1990er Jahren finden auch\ndirekte Interventionen an den Universit\u00e4ten statt, wie etwa im Jahr 1995 ein\nVortrag zum Thema \u201eDie rechtlichen Situation von Transsexuellen in \u00d6sterreich\u201c an\nder Universit\u00e4t Wien. Dem folgen diverse weitere Vortr\u00e4ge, Seminare und Lese-\nsowie Kabarett-Performances an der Universit\u00e4t Wien. Ab 1997 sind auch\nselbstbestimmte Interventionen in die akademische Medienlandschaft bekannt. Gleichzeitig\ngeht die Pathologisierung und Kriminalisierung von trans Personen in der \u00f6sterreichischen\nAkademia weiter. <\/p>\n\n\n\n<p>In der letzter Zeit r\u00fccken nonbinary\noder nichtbin\u00e4re Lebensweisen und Identit\u00e4ten, fr\u00fcher oft genderqueer genannt,\nins Zentrum der Diskussionen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die\ninter* Bewegung nach und nach mehr Sichtbarkeit erlangt (siehe unter anderem:\nVIM\u00d6 und VarGes). Diese Sichtbarkeit hat mit dem Erkenntnis des\nVerfassungsgerichtshofes 2018, das eine inter* Person \u00fcber Jahre erstritten\nhat, einen Aufschwung bekommen. In dem Erkenntnis geht der\nVerfassungsgerichtshof davon aus, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und\nder Staat \u00d6sterreich daher mehr als zwei Personenst\u00e4nde erm\u00f6glichen muss\n(derzeit sind es sechs). [FN 6]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forderungen im Laufe der Zeit:\n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Freie\nWahl des Vornamens (Positionspapier \u00f6sterreichischer Transgender-Gruppen 2009)<\/li><li>Die\nPersonenstands\u00e4nderung darf nicht von folgenden Kriterien abh\u00e4ngig gemacht\nwerden: Infertilit\u00e4t, operative Eingriffe jeglicher Art, Hormonbehandlungen,\nalle somatischen Behandlungen, Ma\u00dfnahmen zur Angleichung des \u00e4u\u00dferen\nErscheinungsbildes (Positionspapier \u00f6sterreichischer Transgender-Gruppen 2009)<\/li><li>Die\n\u00dcbernahme s\u00e4mtlicher anfallender Behandlungskosten muss unbedingt gew\u00e4hrleistet\nsein. (Positionspapier \u00f6sterreichischer Transgender-Gruppen 2009)<\/li><li>Wir\nfordern die uneingeschr\u00e4nkte Anerkennung unserer Geschlechtsidentit\u00e4t! (TG\nPositionspapier 2016)<\/li><li>Wir\nwollen Selbstbestimmung statt geschlechtsregulierende B\u00fcrokratie! (TG\nPositionspapier 2016)<\/li><li>Recht\nauf freien Ausdruck der eigenen Geschlechtlichkeit ohne Diskriminierung und\nDiffamierung! (TransX Forderungspaket 2001)<\/li><li>Recht\nauf freie Namenswahl! (TransX Forderungspaket 2001)<\/li><li>Keine\nGeschlechtsdiskriminierung in Ausweispapieren! (TransX Forderungspaket 2001)<\/li><li>Abschaffung\nunn\u00f6tiger Untersuchungen von Transsexuellen! (TransX Forderungspaket 2001)<\/li><li>Sein\nGeschlecht in all seiner Vielfalt zu leben darf kein Grund f\u00fcr soziale\nDiskriminierung sein! (TransX Forderungspaket 2001)<\/li><li>Freie\nPersonenstandswahl ohne b\u00fcrokratische H\u00fcrden \u2013 jeder Mensch muss durch\nSelbstauskunft in dem Geschlecht anerkannt werden, in dem er lebt! (Offener\nBrief 2021)<\/li><li>Zugang\nf\u00fcr transidente und nicht-bin\u00e4re Personen zu den Eintr\u00e4gen \u201einter\u201c, \u201edivers\u201c,\n\u201eoffen\u201c und \u201ekein Eintrag\u201c. (Offener Brief 2021)<\/li><li>Schluss\nmit der Pathologisierung intergeschlechtlicher und trans Personen \u2013 Ende der\nGutachtenpflicht. (Offener Brief 2021)<\/li><li>Anerkennung\ndarf nicht zu finanziellen Belastungen und in weiterer Folge zu Schulden f\u00fchren\n\u2013 kostenfreie Neuausstellung von Dokumenten und Abschaffung der Geb\u00fchren f\u00fcr\nPersonen-stands- und Vornamens\u00e4nderungen. (Offener Brief 2021)<\/li><li>Gegen\ndie Diskriminierung aufgrund von Geschlechtsidentit\u00e4t, Geschlechtsmerkmalen und\nGeschlechtsausdruck! (Offener Brief 2021)<\/li><li>No\nborder! No nation! No Deportation!<\/li><li>Black\nTrans Lives Matter!<\/li><li>Trans\nRechte sind Menschenrechte!<\/li><li>Einhalten\nder Grundrechte f\u00fcr LSBTIQA+ Gefl\u00fcchtete! (in Anlehnung an queerbase)<\/li><li>Queer\nBase \u2013 Welcome and Support f\u00fcr LGBTIQ Refugees als Organisation f\u00fcr lesbische,\nschwule, bisexuelle, inter und trans Gefl\u00fcchtete <strong>fordert<\/strong> die politischen\nEntscheidungstr\u00e4ger:innen auf f\u00fcr ein <strong>konsequentes\nQualit\u00e4tsmanagement<\/strong> zu sorgen und eine <strong>Beschwerdestelle<\/strong>\neinzurichten, das <strong>Schulungsangebot<\/strong>\nf\u00fcr Polizei, BFA und BVwG entsprechend zu erweitern und verpflichtend\neinzuf\u00fchren. Das BMI als Auftraggeber:in muss daf\u00fcr Sorge tragen, dass\nDolmetscher:innen entsprechend aus- und weitergebildet werden und <strong>Standards in der \u00dcbersetzung<\/strong>\nverlangen. (Queer Base 2021)<\/li><li>Fight\nthe Cis-tem!<\/li><li>Geschlechtervielfalt\nf\u00fcr alle!<\/li><li>Aufl\u00f6sen\nder Geschlechterbinarit\u00e4t als zentrales gesellschaftsbildendes Element!<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Timeline<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ende 1980er und\n1990er Jahre: erste Treffen, Vereinsbildung und Aktionen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Ende\n1980er Gr\u00fcndung von <em>Transsexuelle Inititative TSI<\/em> durch Elisabeth Piesch,\nbeginnend in Graz, sp\u00e4ter in Wien<\/li><li>1992\nEinladung f\u00fcr Trans-Treffen von Heike Keusch im Rahmen von <em>erotik kreativ 2<\/em>\n<\/li><li>Ab\n1992 regelm\u00e4\u00dfige Treffen von verschiedenen Trans-Gruppen in der Rosa Lila Villa,\nWien<\/li><li>1993\nGr\u00fcndung des Vereins <em>Transvestitin \u2013Verein f\u00fcr Transvestit-Innen und\nTranssexuelle<\/em><\/li><li>1993-1997\nvermehrte Pr\u00e4senz von Trans* in den Medien<\/li><li>1994\nTrans-Treffen und Rahmenprogramm beim Filmfestival <em>trans-X. Eine\nfilmische Identity Tour<\/em><\/li><li>1994 auf dem\nAktivist_innentreffen des \u00d6LSF wird die <em>Resolution\nzur Abschaffung der Geschlechter<\/em> diskutiert, sie bekommt keine Mehrheit<\/li><li>1995\nGr\u00fcndung des Vereins TransX \u2013 Verein f\u00fcr Transgender Personen<\/li><li>1995\nErstes Internationales Menschenrechtstribunal,\ndie Republik \u00d6sterreich wird u.a. der Verletzung der Menschenrechte von trans\nPersonen schuldig befunden (\u00d6LSF,\nVertretung f\u00fcr Trans: Elisabeth Piesch &amp; Gloria G.)<\/li><li>1996\nErste Regenbogenparade, u.a. von trans Personen mitorganisiert (\u00d6LSF, Gr\u00fcne\nandersrum, TransX und libertine)<\/li><li>ab\n1996 aktive Beteiligung von trans Aktivist_innen an den Regebogen-Paraden\nverschiedener Gruppe (u.a. libertine, TransX, \u00d6LSF)<\/li><li>1996-1998\ndiverse Vortr\u00e4ge, Seminare und Lese- sowie Kabarett-Performances an der Universit\u00e4t\nWien<\/li><li>1996-1999\nMitorganisation der \u00d6LSF-Treffen mit diversen ProvokAktionen<\/li><li>ab\n1996 Transgender Radio auf transgender.at<\/li><li>1999\nSymposium \u201eTransidentit\u00e4t im Vergleich der Kulturen \u00d6sterreich \u2013 T\u00fcrkei \u2013\nIndien\u201c, im Theater des Augenblicks, organisiert von G\u00fcl G\u00fcrses<\/li><li>1999\nRadio Stimme: Sendung zu Transsexualit\u00e4t &amp;\nTransgender<\/li><li>1999\nTeilnahme und Intervention mehrerer trans Personen am Kongress zu Transsexualit\u00e4t\nim AKH, Wien<\/li><li>Ende\n1990er Trans Frauen werden aus Frauenr\u00e4umen ausgeschlossen, f\u00fchrt zu\ntrans-feministischen B\u00fcndnissen und Aktionen (zB Intervention in Frauendemo,\nGendertalk \u2026)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>2000er Jahre: internationale Vernetzung\n&amp; weitere Aktionen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>2000 mehrere Feminist_innen und trans Personen gr\u00fcnden die Gruppe \u201eGendertalk\u201c als Reaktion auf transfeindliche Ausschl\u00fcsse in feministischen R\u00e4umen<\/li><li>2001 \u201eManifest zum 8. M\u00e4rz\u201c als trans-feministische Intervention in die FrauenLesben-Demonstration, die trans Personen ausschlie\u00dft <\/li><li>2001 Trans-Beitrag im Buchprojekt \u201cDer andere Blick &#8211; lesbischwules leben in \u00d6sterreich\u201d<\/li><li>2001 Forderungspaket \u201eWas wir wollen\u201c (TransX) <\/li><li>2002 Workshop zu Sexismus und der Verbindung von feministischen Strategien und Transgender-Politiken im Caf\u00e9 Willendorf (Rosa Lila Villa)<\/li><li>2003 \u201cGedenkzug zum 320. Jahrestag der Ermordung einer TransGender-Person\u201d (TransX, Volxtheater)<\/li><li>Ab 2002 Teilnahme mit St\u00e4nden an Stadtfesten wie Volksstimmefest, Donauinselfest, \u00d6VP-Stadtfest etc. (TransX)<\/li><li>2004 Intervention bei der medizinischen \u201eFachtagung zur Behandlung von Transsexuellen in \u00d6sterreich\u201c<\/li><li>2005 Erster TransGender-Rat im Wiener Rathaus, aus dem heraus <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"TGEU Transgender Europe (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/tgeu.org\/\" target=\"_blank\">TGEU Transgender Europe<\/a> entsteht<\/li><li>2006 Scheidungszwang f\u00e4llt durch Klage von trans-lesbischem Paar<\/li><li>2006 Veranstaltungsreihe <em>free gender<\/em> (TransX, libertine, frauensolidarit\u00e4t u.a.)<\/li><li>Seit 2007 gibt es in Europa eine immer st\u00e4rker werdende Kampagne zur Depathologisierung von Trans<\/li><li>2009 Internationales Netzwerke <em>STP 2012 \u2013 Stop Trans Pathologization 2012<\/em> wird gebildet<\/li><li>2008 Erste Studie zu trans Personen am \u00f6sterreichischen Arbeitsmarkt (Verein ][diskursiv)<\/li><li>2006-2009 Abhalten des Transgender Day of Remembrance in Wien (Verein ][diskursiv)<\/li><li>2009-2010 \u201eTranssexuellen-Erlass\u201c wird durch Klagen von verschiedenen trans Personen endlich aufgehoben, Operations- &amp; Sterilisations- bzw. Kastrationszwang fallen<\/li><li>2009 Positionspapier \u00f6sterreichischer Transgender Gruppen zur Personenstands\u00e4nderung (TransX u.a.)<\/li><li>2010 ORQOA Oriental Queer Austria wird gegr\u00fcndet, die f\u00fcr die Anerkennung der Rechte von Migrant_innen aus der LGBTIQ-Community in \u00d6sterreich k\u00e4mpft<\/li><li>2009 Trans-Austria \u2013 \u00d6sterreichisch-bayerische Gesellschaft f\u00fcr Transidentit\u00e4t und Intersexualit\u00e4t wird gegr\u00fcndet<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Bis\nheute: Einiges ist erreicht, manches bleibt offen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>2011 Beteiligung an der Plattform \u201eDas ist nicht unser Gesetz \u2013 Wir sagen NEIN zum \u201eFremden\u201c-Unrechtspaket\u201c (TransX)<\/li><li>2011 in 70 St\u00e4dten weltweit demonstrieren trans* Personen f\u00fcr die Streichung der Diagnose Geschlechtsidentit\u00e4tsst\u00f6rung aus den internationalen Krankheitskatalogen (u.a. TransX)<\/li><li>2011-2013 diverse EU-weite Projekte (u.a. <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"2011-2013 Beyond Borders \u2013 For culturally diverse LGBT people in Europe (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/beyondbordersproject.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">2011-2013 Beyond Borders \u2013 For culturally diverse LGBT people in Europe<\/a>, <a rel=\"noreferrer noopener\" label=\"2009-2011 \u2026And Others! Argumentation Training for Transgender Inclusion in Europe (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/tgeu.org\/and-others-argumentation-training-for-transgender-inclusion-in-europe\/\" target=\"_blank\" class=\"broken_link\">2009-2011 \u2026And Others! Argumentation Training for Transgender Inclusion in Europe<\/a>, \u00d6sterreich ist \u00fcber den Verein ][diskursiv vertreten)<\/li><li>2013 Veranstaltungsreihe \u201cDas k\u00fcnstliche Geschlecht &#8211; Die anderen Versionen der Gender-Politik am Beispiel Iran\u201d (ORQOA, WASt, TransX)<\/li><li>2014 Workshop und Netzwerktreffen <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"TransGender Studies \u2013 Ein Austausch (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/transgenderstudies.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">TransGender Studies \u2013 Ein Austausch<\/a> (Verein ][diskursiv, Referat Genderforschung Uni Wien)<\/li><li>2014 Onlinepetition \u201eWir lassen uns nicht unheilbar krank machen!\u201c (TransX)<\/li><li>Ca. 2015 NaGeH &#8211; Mein Name, mein Geschlecht, meine Hochschule wird aktiv und versucht, die Situation von trans Personen an Universit\u00e4ten zu verbessern<\/li><li>2016 neues Positionspapier zur Personenstands\u00e4nderung (TransX u.a.)<\/li><li>2016 Informationsveranstaltung \u00fcber trans Personen in Haft (Aktions- und Solidarit\u00e4tstag f\u00fcr trans Gefangene; <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Anarchist Black Cross (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/\" target=\"_blank\">Anarchist Black Cross<\/a>, Rosa Lila Villa, TransX)<\/li><li>2009 <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Planet 10 (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/planet10wien.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">Planet 10<\/a> wird gegr\u00fcndet, ein queer feminstischer partizipativer Ort der Umverteilung von Privilegien wie Besitz, Zugang zu Geld, Jobs, Wohnraum etc.<\/li><li>2016 Queer Base Welcome and Support for LGBTIQ Refugees \u2013 Anlaufstelle undUnterst\u00fctzung f\u00fcr queere_lesBischwule_trans*inter*Gender Fl\u00fcchtlinge wird gegr\u00fcndet<\/li><li>2016 <a rel=\"noreferrer noopener\" label=\"Gender Galaxie von und f\u00fcr nicht-bin\u00e4re Geschlechtsidentit\u00e4ten (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/GenderGalaxie\/\" target=\"_blank\" class=\"broken_link\">Gender Galaxie von und f\u00fcr nicht-bin\u00e4re Geschlechtsidentit\u00e4ten<\/a> wird auf facebook \u00f6ffentlich aktiv<\/li><li>2017 The Chainge \u2013 Trans* Peer Group Wien\ufeff<\/li><li>2021 Offener Brief verschiedener Vereine zur \u00c4nderung des Geschlechtseintrags ohne pathologisierende und entm\u00fcndigende Gutachten (HOSI Wien, VIM\u00d6, TransX, Aids Hilfe Wien u.a.) <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>[FN 1] Dieser Beitrag bezieht sich auf\ndie zwei B\u00fccher \u201eTrans Studies. Historische, begriffliche und aktivistische\nAspekte\u201c (Zaglossus, 2017) und \u201eDie staatliche Regulierung von Trans\u201c (transcript.\n2019) sowie auf die Arbeit des Vereins ][diskursiv auf. <\/p>\n\n\n\n<p>[FN 2] Die jeweils aktuelle rechtliche und medizinische Situation kann auf der Website des Vereins <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"TransX (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.transx.at\/index.php\" target=\"_blank\">TransX<\/a> nachverfolgt werden, ein weltweiter \u00dcberblick \u00fcber die Pathologisierung und Kriminalisierung von Trans sowie die Ermordung von Menschen, die als trans Personen gesehen werden, findet sich auf der Website des Projektes <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Transrespect versus Transphobia Worldwide (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/transrespect.org\" target=\"_blank\">Transrespect versus Transphobia Worldwide<\/a> (TvT).<\/p>\n\n\n\n<p>[FN 3] Unter\ndem Begriff \u201ePsych*\u201c fasse ich die Forschungs- und Praxisfelder Psychiatrie,\nPsychologie und Psychotherapie zusammen, wenn sie sich inhaltlich nicht\ngrundlegend unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>[FN 4] Hausbesetzungen spielen f\u00fcr einige TransGruppen\nin ihrer Anfangszeit und teilweise bis heute eine wichtige Rolle. Neben dem WUK\nist die \u201eT\u00fcrkis Rosa Lila Villa\u201c wichtig. Ende der 2000er entsteht ein weiteres\nHaus, das queere, antirassistische Hausprojekt \u201ePlanet \u2013 Planeta \u2013 Gezegen 10\u201c\nim 10. Wiener Gemeindebezirk. S. auch die Websites der beiden Hausprojekte:\ndievilla.at und planet10wien.wordpress.com. <\/p>\n\n\n\n<p>[FN 5] Das Menschenrechtstribunal wird beim Schlussplenum\ndes 4. \u00d6LSF initiiert und von folgenden Vereinen organisiert und durchgef\u00fchrt:\nACT.UP Wien, AK Schwul und behindert, AUF.Eine Frauenzeitschrift, CheckArt\n(Herausgeber des feministischen Magazins an.schl\u00e4ge), FORVM, Forum TransGender,\nGr\u00fcne Bildungswerkstatt, HOSI Linz, HOSI Wien, Initiative Minderheiten,\nKulturverein Berggasse, \u00d6sterreichisches Lesben- und Schwulenforum \u00d6LSF,\nRepublikanischer Club, RosaLila Panther Graz, TransX, Velvet Cinema. Vertreterinnen\nder Anklage sind u. a. die Trans-Aktivistinnen Gloria G. und Elisabeth Piesch.<\/p>\n\n\n\n<p>[FN 6] F\u00fcr aktuelle Informationen vgl. die Webseiten des Vereins intergeschlechtlicher Menschen \u00d6sterreich <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"VIM\u00d6 (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/vimoe.at\/\" target=\"_blank\">VIM\u00d6<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.plattform-intersex.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Plattform Intersex \u00d6sterreich - PI\u00d6 (opens in a new tab)\">Plattform Intersex \u00d6sterreich &#8211; PI\u00d6<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellenangaben\nund weiterf\u00fchrende Links<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Baumgartinger, 2017, Trans Studies.\nHistorische, begriffliche und aktivistische Aspekte. Wien, Zaglossus.<\/p>\n\n\n\n<p>Baumgartinger, 2019, Die staatliche\nRegulierung von Trans. Der <em>Transsexuellen-Erlass<\/em> in \u00d6sterreich\n(1980-2010). Eine Dispositivgeschichte. Bielefeld, transcript.<\/p>\n\n\n\n<p>Verein ][diskursiv, 2011, Where Have All the Trannies Gone \u2026 Wo sind all die Transen hin\u2026 Die TransBewegung der 1990er Jahre in \u00d6sterreich, Wien. Online unter: <a href=\"https:\/\/diskursiv.diebin.at\/uploads\/media\/diskursiv_WhereHaveTranniesGone_2011.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" label=\"Verein ][diskursiv  (opens in a new tab)\" class=\"broken_link\">Verein ][diskursiv <\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Situation von trans Personen in \u00d6sterreich gibt es noch immer wenige Informationen [FN 2]. In den 1980ern und 1990ern hat sich eine \u00f6ffentlich sichtbare und k\u00e4mpferische Bewegung herausgebildet, die vor allem f\u00fcr geschlechtliche Selbstbestimmung und gegen Pathologisierung und Kriminalisierung&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":5323,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[],"distributor_meta":false,"distributor_terms":false,"distributor_media":false,"distributor_original_site_name":"Initiative Minderheiten","distributor_original_site_url":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5416"}],"collection":[{"href":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5416"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5416\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5735,"href":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5416\/revisions\/5735"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5323"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}