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Erinnern hei\u00dft ver\u00e4ndern.<\/em> Unter dieser Maxime hat sich die Initiative 19. Februar Hanau<\/strong> der Erinnerungsarbeit f\u00fcr die neun Todesopfer des rassistischen Anschlags 2020 verschrieben. Mit dem selben Slogan \u00fcberklebten j\u00fcdische Aktivist:innen 2021, am Jahrestag des Novemberpogroms 1938, 23 nach Nazis benannte Wiener Stra\u00dfenschilder mit Namen von Widerstandsk\u00e4mpfer:innen. <\/p>\n\n\n\n Das\nErinnern an Verbrechen der Menschheit darf sich nicht in\nPflichterf\u00fcllung, in der \u201eHarmonie der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\u201c\n<\/em><\/sup>1<\/sup><\/a>\nersch\u00f6pfen. Der Sinn des Gedenkens kann nur in seinem Beitrag\nliegen, die Wiederholung der Verbrechen, an die erinnert wird, zu\nverhindern, \u201edie Erinnerung an das Geschehene, an das Vergessene,\nan das stets Verschwiegene, an die Ursachen und die Folgen, an das\nDavor und Danach zu n\u00e4hren, zu pflegen, zu bewahren.\u201c2<\/sup><\/a>\n\n<\/p>\n\n\n\n Im\nvorliegenden Schwerpunktheft kommen Wissenschaftler:innen,\nAktivist:innen und K\u00fcnstler:innen zu Wort, die sich aktiv f\u00fcr\nw\u00fcrdige Erinnerungskulturen engagieren. \n<\/p>\n\n\n\n Gibt es ein globalisiertes Erinnern? Das Forschungsprojekt \u201eGlobalized Memorial Museums\u201c an der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften vergleicht weltweit 50 Museen, die sich dem Zweiten Weltkrieg sowie den Genoziden in Ruanda und im ehemaligen Jugoslawien widmen. Die Projektleiterin Ljiljana Radoni\u0107<\/a> <\/strong>beschreibt, wie die Art des Erinnerns mit der jeweiligen nationalen Identit\u00e4tspolitik einhergeht. <\/p>\n\n\n\n Im Jahr 2016 begann der Aufbau eines Migrationsarchivs in Innsbruck. Die Sozialanthropologin Christina Hollomey<\/a><\/strong> und die Germanistin Tu\u01e7ba \u015eababo\u01e7lu<\/a> <\/strong>von Dokumentationsarchiv Migration Tirol <\/strong>berichten \u00fcber die Herkunft der Best\u00e4nde und der Unm\u00f6glichkeit einer l\u00fcckenlosen Erz\u00e4hlung.<\/p>\n\n\n\n Was will ich sehen? Und was will ich, ohne es zu wissen, nicht<\/em> sehen? Zwei von mehreren Fragen, die laut der Filmemacherin und K\u00fcnstlerin Jo Schmeiser<\/a><\/strong> beim politischen Erinnern zu stellen sind. <\/p>\n\n\n\n Erinnerungsarbeit f\u00fcr die Opfer rechtsextremer Gewalt \u2013 Stichwort sogenannte NSU-Morde oder Hanau 2020 \u2013 wird vor allem von Angeh\u00f6rigen und ihren Verb\u00fcndeten geleistet. Die P\u00e4dagogin und forschende Aktivistin Ay\u015fe G\u00fcle\u00e7<\/a><\/strong> berichtet von Forderungen an eine angemessene Erinnerungspolitik. <\/p>\n\n\n\n Zu Erinnerungskulturen im K\u00e4rntner Grenzraum forschen und publizieren Nadja Danglmaier<\/a><\/strong> und Daniel Wutti<\/a>.<\/strong> Cornelia Kogoj <\/strong>sprach mit ihnen \u00fcber die Weitergabe von Traumata an die Nachfolgegenerationen und grenz\u00fcberschreitende Erinnerungsarbeit.<\/p>\n\n\n\n In institutionalisierten Archiven finden minorisierte Gruppen oft nur marginalisierten Raum. Der Historiker Andreas Brunner<\/a><\/strong>, Co-Leiter von QWIEN \u2013 Zentrum f\u00fcr queere Geschichte,<\/strong> betont die Rolle selbstorganisierter Community-Archive als Orte einer historischen Gegenerz\u00e4hlung. <\/p>\n\n\n\n Nicht zuletzt fasst Melanie Konrad<\/a><\/strong> in der Radio-Stimme-Nachlese<\/strong> die Diskussionsveranstaltung \u201eErerbte Biografien im Land der T\u00e4ter:innen\u201c mit Anna Goldenberg, Samuel Mago<\/strong> und Peter Schwarz<\/strong> zusammen. <\/p>\n\n\n\n \nIn eigener\nSache<\/strong><\/p>\n\n\n\n Mitte\nOktober 2022 mussten wir uns mit einem Unterst\u00fctzungsappell an\nFreund:innen und Verb\u00fcndete der Initiative\nMinderheiten<\/strong>\nwenden. \n<\/p>\n\n\n\n Unser\nHilferuf l\u00f6ste eine unbeschreibliche Welle an\nSolidarit\u00e4tsbekundungen aus. In k\u00fcrzester Zeit gewannen wir so\nviele neue Mitglieder und Stimme-Abos, erhielten so viele Spenden, so\ndass Sie nun dieses Heft, dessen Produktion ebenso in Gefahr war, in\nH\u00e4nden halten k\u00f6nnen. Daf\u00fcr sind wir sehr dankbar. \n<\/p>\n\n\n\n Viele\nwichtige NGOs, so auch die Initiative\nMinderheiten<\/strong>, sind\nvon staatlichen F\u00f6rderungen abh\u00e4ngig. \u201eMinderheitenpolitische\nStandpunkte haben einen Mehrwert f\u00fcr die Gesamtgesellschaft, vor\nallen Dingen im Verhindern von Rechts- und autorit\u00e4ren\nEntwicklungen\u201c, wie der Schriftsteller und Aktivist der\nSelbstbestimmt-Leben- Bewegung Erwin Riess festh\u00e4lt \u2013 und sein\nAlter Ego Groll unterstreicht: \u201eDie Demokratie bedarf einer\ngesetzlich garantierten F\u00f6rderung von Widerspruch\u201c (siehe auch\nSeite 34 in diesem Heft). \n<\/p>\n\n\n\n Davon\nsind wir aber noch weit entfernt und ben\u00f6tigen weiterhin Ihre\nUnterst\u00fctzung. Spenden\nSie bitte jetzt, abonnieren Sie die Stimme<\/strong>,\nwerden Sie Mitglied der Initiative\nMinderheiten<\/strong>.\nDamit\nwir uns auch in Zukunft f\u00fcr die St\u00e4rkung von Minderheitenrechten\neinsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Wir\nbedanken uns sehr herzlich und hoffen auf ein Wiederlesen im neuen\nJahr. \n<\/p>\n\n\n\n Gamze Ongan<\/strong>, Chefredakteurin<\/p>\n\n\n\n <\/p>\n\n\n\n 1<\/a> Joshua Schultheis: Erinnern hei\u00dft Ver\u00e4ndern. In: www.j\u00fcdische-allgemeine.de<\/a> 3. 2. 2022.<\/p>\n\n\n\n 2<\/a> Nevroz Duman und Ibrahim Arslan(2021): Von M\u00f6lln bis nach Hanau: Erinnern hei\u00dft ver\u00e4ndern. In: Rechter Terror. Warum wir eine neue Sicherheitsdebatte brauchen. Hg. v. Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung und Amedeu Antonio Stiftung.<\/p>\n\n\n\n Stimmlage: Minorit\u00e4re Allianzen damals – und heute \u2013 von Hakan G\u00fcrses <\/a><\/p>\n\n\n\n Lekt\u00fcre – von Erika Thurner<\/a> & Ilker Ata\u00e7 <\/a><\/p>\n\n\n\n Groll \u2013 Eine Generalblamage des Staates – von Erwin Riess<\/a><\/p>\n\n\n\n Stimme Nr. 125.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n Gestaltung: Fatih Aydo\u011fdu <\/p>\n\n\n\n Lektorat: Daniel M\u00fcller www.syntext.at<\/a><\/p>\n\n\n\n
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