{"id":9827,"date":"2025-10-22T15:12:06","date_gmt":"2025-10-22T13:12:06","guid":{"rendered":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/?p=9827"},"modified":"2025-11-10T16:39:22","modified_gmt":"2025-11-10T15:39:22","slug":"136-2025-antisemitismus-in-oesterreich-nach-dem-7-oktober","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/index.php\/2025\/10\/136-2025-antisemitismus-in-oesterreich-nach-dem-7-oktober\/","title":{"rendered":"STIMME #136\/2025 &#8211; ANTISEMITISMUS in \u00d6sterreich nach dem 7. Oktober"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Stimme_136__cover_1800pix-741x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9826\" width=\"556\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Stimme_136__cover_1800pix-741x1024.jpg 741w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Stimme_136__cover_1800pix-217x300.jpg 217w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Stimme_136__cover_1800pix-768x1061.jpg 768w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Stimme_136__cover_1800pix-1112x1536.jpg 1112w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Stimme_136__cover_1800pix-1483x2048.jpg 1483w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Stimme_136__cover_1800pix-520x718.jpg 520w, https:\/\/initiative.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Stimme_136__cover_1800pix.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 556px) 100vw, 556px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2>Editorial<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00d6sterreich setzte sich nach der Befreiung 1945 nur sehr schleppend mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit und Beteiligung an den NS-Verbrechen auseinander. Ein kleiner Teil der Gesellschaft stellte sich der Verantwortung \u2013 aber das offizielle \u00d6sterreich und mit ihm auch weite Kreise sahen sich als Verlierer in der Geschichte. Sie gefielen sich in der Rolle des ersten Opfers Hitlers, als h\u00e4tte es die gro\u00dfe Mitverantwortung an den Verbrechen nicht gegeben. Viele wollten sich weder mit der Vergangenheit noch mit den \u201el\u00e4stigen\u201c Forderungen der Vertriebenen, \u00dcberlebenden und Beraubten besch\u00e4ftigen. Sie blickten lieber in eine Zukunft, die damals rosig war.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst Anfang der 1990er Jahre entstand in Teilen der \u00f6sterreichischen Gesellschaft ein neues Bewusstsein. Waldheim sei Dank! Sein Umgang mit der eigenen Vergangenheit w\u00e4hrend der NS-Zeit und des Zweiten Weltkrieges r\u00fcttelte auf und emp\u00f6rte. Er brachte viele nach dem Krieg Geborene gegen die Ignoranz und Verlogenheit auf, die er selbst verk\u00f6rperte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das offizielle \u00d6sterreich setzte einige wichtige Zeichen, die zu einem Paradigmenwechsel f\u00fchrten: Thomas Klestil und Franz Vranitzky \u00e4u\u00dferten sich in Israel und im \u00f6sterreichischen Parlament \u00fcberzeugend zur \u00f6sterreichischen Mitverantwortung f\u00fcr die Nazi-Verbrechen. Es wurden der Nationalfonds der Republik \u00d6sterreich und das Psychosoziale Zentrum ESRA gegr\u00fcndet, um NS-\u00dcberlebende zu entsch\u00e4digen und zu betreuen. Der Aufwand von Bund und Stadt Wien steht in keiner Relation zum seinerzeit von fast 200.000 J\u00fcdinnen und Juden geraubten Verm\u00f6gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Folgeregierungen engagierten sich \u2013 vermutlich aus unterschiedlichen Motiven, aber erfolgreich \u2013, um j\u00fcdisches Leben in \u00d6sterreich zu f\u00f6rdern. Besonders taten sich dabei \u00d6VP\/FP\u00d6-Regierungen hervor. Der Kampf gegen Antisemitismus wurde zur Staatsdoktrin.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr J\u00fcdinnen und Juden wurde \u00d6sterreich ein Platz, an dem sie \u2013 80 Jahre nach der Shoah \u2013 wieder leben k\u00f6nnen. Ein Land, in dem es J\u00fcdinnen und Juden, auch im Vergleich mit anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, besonders gutging. Dank Unterst\u00fctzung der Regierungen und der Stadt Wien entstand j\u00fcdische Infrastruktur, die Wien f\u00fcr J\u00fcdinnen und Juden attraktiv machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer j\u00fcdische Geschichte kennt, wei\u00df, welche Bedeutung Israel f\u00fcr viele J\u00fcdinnen und Juden hat. Als Lebensversicherung, als Zufluchts- und als Sehnsuchtsort. Seit 1948 haben J\u00fcdinnen und Juden den eigenen Staat, den sie w\u00e4hrend der Shoah schmerzlich vermissten. Die Beziehung zwischen J\u00fcdinnen und Juden in der Welt und dem Staat Israel k\u00f6nnte nicht vielf\u00e4ltiger sein. Religi\u00f6se haben eine andere Beziehung zu Israel als s\u00e4kulare, linke eine andere als rechte. Orientalische J\u00fcdinnen und Juden sehen Israel oft anders als diejenigen, die ihre Urspr\u00fcnge in Ost- oder Mitteleuropa haben. Die meisten jedoch sehen die Notwendigkeit und das Existenzrecht Israels au\u00dfer Frage gestellt. Viele nichtj\u00fcdische \u00d6sterreicher:innen verstanden und teilten diese Sichtweise so wie auch den Zusammenhang zwischen der Gr\u00fcndung Israels und \u00d6sterreichs jahrhundertelanger antisemitischer Vergangenheit, die im Holocaust gipfelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023, bei dem die Terrororganoisation 1200 Menschen ermordeten, stand das offizielle \u00d6sterreich weiterhin zu Israel, doch gro\u00dfe Teile der Zivilgesellschaft verzichteten auf Zeichen der Solidarit\u00e4t. Israel wurde zum Feindbild, die Anzahl antisemitischer \u00dcbergriffe stieg. Dass es in Israel sehr viele Kritiker:innen der Regierungspolitik und des Krieges gibt, wurde trotz Massendemonstrationen nicht registriert. \u00d6sterreichische J\u00fcdinnen und Juden wurden f\u00fcr einen 2400km entfernten Krieg verantwortlich gemacht. Unabh\u00e4ngig von ihren Einflussm\u00f6glichkeiten und ipolitischen Positionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist geschehen, dass viele J\u00fcdinnen und Juden sich heute in \u00d6sterreich nicht mehr sicher f\u00fchlen?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser Frage und zahlreichen anderen Facetten von Antisemitismus nach dem 7. Oktober befassen sich die Autor*innen in diesem Heft der STIMME. Betroffen macht der Kommentar eines Wiener Juden, der seine Entt\u00e4uschung \u00fcber viele \u201eLinke\u201c in einem Brief an seine einstigen Freunde zum Ausdruck bringt. Er m\u00f6chte seinen Namen nicht ver\u00f6ffentlichen, da er sich um seine Sicherheit sorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was k\u00f6nnte den Stimmungswandel besser belegen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Peter Schwarz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vorstandsmitglied der Initiative Minderheiten und von 1996 bis 2021 Teil des Leitungsteams des Psychosozialen Zentrums ESRA.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Stimmlage: F\u00fc\u00dfe am Mittelmeer \u2013 von <a href=\"http:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/11\/Stimme_136__S6.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hakan G\u00fcrses<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Vom Antisemitismus der keiner sein will \u2013 von <a href=\"http:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/11\/Stimme_136__S8-11.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Richard Schuberth<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Brief an meine alten Freunde aus der Linken \u2013 von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/11\/Stimme_136__S12-14.pdf\" target=\"_blank\">Anonym<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Antisemitismus und sexualisierte Gewalt aus feministischer Perspektive \u2013 von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/11\/Stimme_136__S15-18n.pdf\" target=\"_blank\">Ana Hoffner ex-Prulovic*, Livia Erd\u00f6si und Nora Sternfeld<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gespenst geht um \u2013 Antisemitismus an Universit\u00e4ten und Hochschulen \u2013 von <a href=\"http:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/11\/Stimme_136__S19-21.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Leah Carola Czollek und Gudrun Perko<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Antisemitismus vor Gericht \u2013 von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/11\/Stimme_136__S22-24.pdf\" target=\"_blank\">Kollektiv Prozess Report<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Antisemitismus zwischen Externalisierung und Entlastungswunsch \u2013 von<a href=\"http:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/11\/Stimme_136__S25-27.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Isolde Vogel<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Antisemitismuskritische Bildungsarbeit nach dem 7. Oktober \u2013 von <a href=\"http:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/11\/Stimme_136__S28-29.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Elke Rajal<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist sehr komplex und es darf auch komplex sein. \u00dcber die Hautfarbe von J\u00fcdinnen und Juden \u2013 <a href=\"http:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/11\/Stimme_136__S30-33.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Cornelia Kogoj und Jessica Beer im Talk mit Vanessa Spanbauer und Tom Juncker<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p>Gestaltung: Fatih Aydo\u011fdu<\/p>\n\n\n\n<p>Lektorat: Daniel M\u00fcller<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/stimme.minderheiten.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2025\/11\/Stimme_136_all_N.pdf\" target=\"_blank\">STIMME Nr. 136.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><strong>Wir freuen uns \u00fcber jedes neue Abonnement<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aboservice: <a href=\"mailto:abo@initiative.minderheiten.at\">abo(at)initiative.minderheiten.at<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Neue Abopreise:<\/p>\n\n\n\n<p>Jahresabo: \u20ac 30,- \/\/ Zwei-Jahresabo: \u20ac 50,-<br>Abo International: \u20ac 50,- \/\/ Zwei-Jahresabo International: \u20ac 75,-<br>(F\u00fcr Vereinsmitglieder kostenlos, Mitgliedschaft j\u00e4hrlich \u20ac 35,-)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Editorial \u00d6sterreich setzte sich nach der Befreiung 1945 nur sehr schleppend mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit und Beteiligung an den NS-Verbrechen auseinander. 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