Persson Perry Baumgartinger: Pathologisierung, Kriminalisierung und Selbstbestimmung – Die Trans-Bewegung

Zur Situation von trans Personen in Österreich gibt es noch immer wenige Informationen [FN 2]. In den 1980ern und 1990ern hat sich eine öffentlich sichtbare und kämpferische Bewegung herausgebildet, die vor allem für geschlechtliche Selbstbestimmung und gegen Pathologisierung und Kriminalisierung kämpft. Die Pathologisierung und Kriminalisierung von trans Personen hat eine lange Geschichte, was sich unter anderem im „Transsexualismus/Transsexualitäts-Paradigma“ zeigt. Inwiefern die heutigen Bilder von trans Personen in den Medien, aber auch die staatliche Regulierung, noch aus dem NS-Regime rühren, kann bisher nur vermutet werden, genauere Forschung dazu fehlt.

Aber auch wenn heute noch immer viel Unwissen und Falschwissen zu Trans besteht, haben trans Aktivist_innen in den letzten Jahrzehnten doch einiges erreicht: Seit 2006 müssen sich verheiratete trans Personen für die Änderung des Personenstandes nicht mehr scheiden lassen; Seit 2010 darf der Staat Österreich keine Operationen mehr erzwingen und vor allem dürfen trans Personen nicht mehr zwangssterilisiert werden; Seit einiger Zeit können Zeugnisse nach der Personenstandsänderung angepasst werden; Seit 2018 muss der Staat Österreich – nachdem eine inter* Person erfolgreich geklagt hat – mehr als zwei Geschlechter anerkennen; und und und. Gleichzeitig bleibt noch einiges offen: Noch immer ist es nicht möglich, den Vornamen frei zu wählen, die vier Geschlechtseinträge neben Mann und Frau sind vorerst inter* Personen vorenthalten. Trans Kinder und Jugendliche haben hingegen mit einigen Schwierigkeiten und Gegenwind zu rechnen, Toiletten und Umkleideräume sind noch immer meist in männliche, weibliche und geschlechtslose (sogenannte „Behindertentoiletten“) eingeteilt, Schulen und Hochschulen sind noch immer nicht bereit, trans Personen anzuerkennen und respektvoll zu behandeln und Asylverfahren sind weiterhin mit menschenrechtsverletzenden Schikanen verbunden – um nur einige zu nennen.

„Allein das Da-Sein als trans Person ist Aktivismus.“

Für Österreich zeigt das Oral-History-Projekt des Vereins ][diskursiv zur Entstehung der Trans-Bewegung, dass bereits der Alltag in den 1970ern und 1980ern bedrohliche Ausmaße annehmen kann:

„[…] in ein Geschäft zu gehen und was zu kaufen oder so – das hat zum Teil bis zu Polizeieinsätzen geführt. Ich weiß einen Fall, wo wirklich Polizei gekommen ist, weil jemand sich irgendwelche Frauenkleider kaufen wollte. Da war gerade ein gefährlicher Sexualtäter aus dem Zuchthaus Stein entkommen, und die Boulevardtageszeitung ‚Kronen Zeitung‘ hat dick darüber berichtet. Die Leute im Geschäft haben sich halt gedacht: ‚Da ist ein Mann, der schaut sich irgendwelchen Frauenfummel an, das muss der Sexualtäter sein‘ und haben wirklich einen Riesen-Polizeieinsatz mit gezückten Pistolen ausgelöst ((lacht)). Solche Dinge hat es gegeben, die Sichtbarkeit nach außen war daher eine ständige Mutprobe und manchmal eine lebensgefährliche Farce.“ (G. 2011: 38)

Ab 1980 bis 2010 werden Personenstandsänderungen von trans Personen über den sogenannten „Transsexuellen-Erlass“ reguliert. Federführend ist das Innenministerium, zu Beginn sind auch das Justiz- und Gesundheitsministerium beteiligt. Letzteres schickt 1997 zusätzlich einen eigenen Erlass „Empfehlungen zur Behandlung von Transsexuellen in Österreich“ aus. Der Erlass bestimmt zwischen 1980 und 2010, unter welchen Bedingungen trans Personen ihren Geschlechts- und Vornamenseintrag im Geburtenbuch ändern können. Er war umstritten, u.a. wurden bis 1996 die Ehen von trans Personen automatisch aufgelöst, sobald die Person eine Personenstandsänderung beantragte. Danach, bis 2006, bestand Scheidungszwang. Zusätzlich bestand von 1983 bis 2010 ein Operationszwang und trans Personen durften nicht fortpflanzungsfähig sein, um nur einige Schikanen zu nennen. Die „Empfehlungen zur Behandlung von Transsexuellen in Österreich“ gelten bis heute fast unverändert und haben nach 2010 eine größere Wichtigkeit bekommen. Seit 2017 gibt es auch „Empfehlungen“ für Kinder und Jugendliche.

Obwohl geschlechtsverändernde Operationen zur Zeit in Österreich als Körperverletzung nach § 90 StGB Abs. 2 und „Verstoß wider die guten Sitten“ § 90 StGB Abs. 1 strafrechtlich verboten sind, werden sie über den „Transsexuellen-Erlass“ verlangt. Trans Personen experimentieren daher meist auf eigene Faust mit Hormonen wie Östrogen- und Testosteronpräparaten, für geschlechtsverändernde Operationen reisen sie nach Marokko (Casablanca) und in die Schweiz (Basel).

Bis 1997 gelten in Österreich zusätzlich die §§ 220 und 221 StGB, die ein „Vereins- und Werbeverbot für homosexuelle Themen“ bestimmen. Trans ist in diesen Bestimmungen nicht explizit genannt, wird jedoch oft als gleichbedeutend mit homosexuell gesehen, weswegen auch Trans-Organisationen implizit davon betroffen sind. Die Paragrafen bestehen mehr auf dem Papier als dass sie ausgeführt werden, zumal zu der Zeit bereits mehrere Trans-Vereine bei der Vereinspolizei registriert sind. Dennoch  sind sie in Kraft und könnten bei jeder Versammlung oder Aktion geltend gemacht werden.

Pervers, krank und kriminell … Das Transsexualismus/Transsexualität-Paradigma

Um zu verstehen, womit es trans Personen und -Aktivistinnen in den 1970ern und 1980ern, aber auch darüber hinaus, konfrontiert sind, skizziere ich hier den Forschungsstand zu Trans in Österreich zu einer Zeit, als sich trans Personen (nach 1945 wieder) beginnen, in Gruppen zu organisieren und nach und nach mit ihren Forderungen in die Öffentlichkeit zu gehen. Der medizinische Wissensstand ist für Trans besonders wichtig: einerseits in Bezug auf medizinische Unterstützung wie Hormonbeigaben und chirurgische Maßnahmen, aber vor allem im Bereich der Ver_Ortung von Trans als psychischer Krankheit, Wahn, Zwang und/oder Störung – dem Transsexualismus/Transsexualität-Paradigma. Auf dieses stützen sich später unkritisch rechtswissenschaftliche Forschungsbereiche, staatliche Verwaltung wie auch Gerichte.

Spätestens seit den 1960er Jahren beschäftigen sich verschiedene Forschungsfelder vermehrt mit Trans und Inter bzw. binären Geschlechterüberschreitungen – meist in Verbindung mit Homosexualität. In Bezug auf Trans bilden unter anderem die Sexualwissenschaften und Psych*Fächer [FN 3] in ihrer Entstehung ein Narrativ von Trans als krank und unnatürlich, aber mit somatischen und/oder psych*ischen Methoden heilbar. Dieses Transsexualismus/Transsexualität-Paradigma verändert sich im Laufe der Zeit nur wenig und ist bis heute in seiner Pathologisierung und Kriminalisierung von Trans wirksam. Dies zeigen unter anderem die Trans-Diagnosen im ICD, einem weltweit anerkannten Diagnoseschlüssel der Medizin (engl. International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems; deutsch: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme), es zeigt sich aber auch im „Transsexuellen-Erlass“ des Innenministeriums und in den „Empfehlungen zur Behandlung von Transsexuellen in Österreich“ des Gesundheitsministeriums. Selbstverständlich sind die Anfänge des Paradigmas weit früher zu verorten (etwa in den Sexualwissenschaften vor der NS-Zeit in Europa, aber auch in Theorien zu Geschlecht aus der Zeit davor), die Sexualwissenschaften, ihre Theorie und vor allem auch ihre Praktiken nach 1945 sind jedoch zentral für die heutigen Auffassungen und Diskussionen zu Trans und der „Behandlung“ von trans Personen.

Das Transsexualismus/Transsexualität-Paradigma beinhaltet folgende Punkte:

  • „Transsexualismus“ bzw. „Transsexualität“ wird prinzipiell pathologisiert als Krankheit oder (Persönlichkeits-)Störung, was zuerst einer heilenden, später einer begleitenden Behandlung bedürfe.
  • Trans Personen stehen in dieser Denkweise unter einem (jahrelangen) Leidensdruck und verschiedenen Zwängen, etwa unter dem Zwang, ihre Genitalien zu entfernen, mit dem Argument, dass sie den Leidensdruck, im „falschen Körper“ geboren zu sein, nicht mehr aushielten.
  • Es wird zwischen primärer und sekundärer bzw. zwischen „echter“ und „symptomatischer“ Transsexualität unterschieden. Wobei „echte Transsexualität“ bis in die frühe Kindheit zurückgeführt werden soll und „symptomatische“ im Erwachsenenalter festgemacht wird. Damit wird eine (weitere) Hierarchie zwischen trans Personen erstellt und der Zugang zur Personenstandsänderung reguliert. Denn nur als „echt“ angesehene trans Personen können ihren Personenstand ändern.
  • Transsexualismus bzw. Transsexualität wird in verschiedene Bereiche aufgesplittet, die Trans als komplexes Phänomen erscheinen lassen, für das medizinische Expertise notwendig sei und die selbstbestimmte Expertise der trans Personen nicht genüge.
  • Daraus werden unterschiedliche Behandlungsmethoden entwickelt und angewendet, etwa in Psychotherapie oder Psychoanalyse.
  • Es gibt in diesem Paradigma eine klare Hierarchie der Expertise, die einer paternalistischen Struktur folgt: Psychiater*innen bestimmen als sogenannte Expertinnen zu Trans über die trans Personen und ihre „Behandlung“ bzw. später Begleitung, den trans Personen wird keine oder später nur geringe Expertise zugewiesen. Eine ähnliche paternalistische Herangehensweise findet sich in der universitären Forschung zu Trans: Forschende theoretisieren trans Personen, ohne sie bzw. ihre Expertise in die Rückschlüsse aufzunehmen.

Im Rahmen dieses Paradigmas werden trans Personen in den 1980er Jahren als Homosexuelle konstruiert, die ihre Homosexualität aufgrund internalisierter homophober Gesellschaftsnormen unterdrücken würden und über eine Psych*Therapie als Homosexuelle größtenteils heilbar seien. Später findet eine Abgrenzung von Homosexualität und Transvestismus statt. Trans ist damit nicht mehr als unterdrückte Homosexualität definiert, wird aber weiterhin als therapierbar gesehen: Es wird davon ausgegangen, trans Personen würden unter einem Zwang leiden, der über hormonelle und chirurgische Maßnahmen gelöst werden könne und der psych*ische Diagnostik sowie Begleitung benötige. Bis heute geht die Weltgesundheitsbehörde von verschiedenen Trans-Diagnosen aus, die im ICD-10 im Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ als „Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen“ unter „Störungen der Geschlechtsidentität“ beschrieben sind. Welche Effekte ein solches Paradigma haben kann, zeigt auch die Definition von Transsexualität im „Transsexuellen-Erlass“ von 1983, die das Paradigma ziemlich gut zusammenfasst, nämlich: trans Personen würden „längere Zeit unter der zwanghaften Vorstellung“ leben, „dem anderen Geschlecht zuzugehören“, was sie zu „geschlechtskorrigierenden Maßnahmen“ veranlassen würden. Diese Maßnahmen würden zu „einer deutlichen Annäherung an das äußere Erscheinungsbild des anderen Geschlechts“ führen, Schließlich wird angenommen, dass sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit … am Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nichts mehr ändern“ würde.

Nach jahrelangen internationalen Kämpfen haben es trans Aktivistinnen und Verbündete geschafft, dass mit dem ICD-11 demnächst unter „gender incongruence“ von der F-Kategorie der „psychischen Störungen“ zu den H-Kategorien „conditions related to sexuel health“ verschoben wird. Ein wichtiger Schritt weg von der Trans-Pathologisierung, wobei gleichzeitig bei Bedarf medizinische Unterstützung anerkannt wird.

Nicht mit uns! – Die Entstehung der österreichischen Trans-Bewegung Ende der 1980er

Die Trans-Bewegung in Österreich entsteht – soweit heute bekannt – Ende der 1980er Jahre durch erste Treffen, Gruppen und Vereinsbildung sowie vermehrte mediale Präsenz. Dabei spielen besetzte Häuser eine wichtige Rolle. [FN 4] Ab den 1990er Jahren werden verschiedene Vereine gebildet und immer mehr in den akademischen Wissenstand, in gesellschaftliche Vorstellungen und staatliche Regulierungen von Trans eingegriffen. Spätestens in den 2000er Jahren gehen trans Aktivist_innen immer mehr mit verschiedenen Aktionen in die Öffentlichkeit und machen auf sich und ihre Forderungen aufmerksam. Nach und nach entstehen europaweite und internationale Netzwerke, die u.a. die Depathologisierung von Trans in den Krankheitshandbüchern ICD und DSM erreichen. Nach einer Zeit mit wenigen trans Organisationen gibt es heute wieder mehr Trans-Selbstorganisationen, die verschiedene Aspekte des Trans Seins abdecken.

Für die Entstehung von sozialen Bewegungen spielen Selbsthilfegruppen eine zentrale Rolle. Denn ohne erste Treffen von einzelnen trans Personen – allein um sich nicht mehr verstecken zu müssen – sind die Registrierung von Trans-Vereinen und eine Trans-Bewegung mit öffentlichen Aktionen nicht denkbar. Eine der ersten bisher bekannten Trans-Gruppen in Österreich ist die „Transsexuellen Initiative Österreich“ (TSI), die in den 1980er Jahren in Graz entsteht, bereits 1990 als Verein registriert ist, später in Wien weitergeführt und von Elisabeth Piesch geleitet wird.

Kurz darauf, 1992, schaltet Heike Keusch ein Zeitungsinserat mit dem Aufruf zu einem Treffen von trans Personen im Rahmen der Veranstaltung „Erotik Kreativ 2“, die in dem 1981 besetzten und später selbstverwalteten Werkstätten- und Kulturhaus WUK in Wien stattfindet. Eine weitere frühe öffentlich beworbene Vernetzung von trans Personen findet im Rahmen des im September 1994 abgehaltenen Filmfestivals „trans-X. Eine filmische Identity Tour“ in Wien statt, bei dem „Androgynität, Cross-dressing, Transvestismus und Transsexualität“ im Rahmenprogramm sichtbar sind. Das Rahmenprogramm besteht unter anderem aus einem „3 Tage cross dressing workshop“ von Mark Willuhn, dem Seminar „Sex & Gender“ im WUK sowie einer Ausstellung von Fotos von Dame Galaxis und Chantal St. Germain unter dem Titel „Drag or Whatever“ im Freihaus.

Der Wiener Verein „Forum TransGender“ befindet sich Mitte der 1990er in Gründung und schreibt etwa im April 1995 einen Antrag zur Änderung des sogenannten „Transsexuellen-Erlasses“ vom 18. Juli 1983 und gestaltet das Internationale Menschrechtstribunal im Juni 1995 in Wien mit.

Ebenfalls Anfang der 1990er Jahre finden in dem 1982 besetzten Haus „Rosa Lila Villa“ (heute Türkis Rosa Lila Villa) in Wien regelmäßige Treffen von verschiedenen Trans-Gruppen statt. Eine Gruppe rund um Heike Keusch, Mark Willuhn und anderen wird am 16. September 1993 als Verein „Transvestitin – Verein für Transvestit-Innen und Transsexuelle“ bei der Wiener Vereinspolizei registriert, eine weitere Gruppe rund um Chris und Gernot am 4. Dezember 1995 als Verein „TransX – Verein für TransGender Personen“.

Ein Informationsblatt der Transsexuellen Initiative Österreich von 1990 beschreibt anfängliche Schwerpunkte der Selbstorganisationen: Neben dem Austausch und Empowerment von trans Personen und ihren Angehörigen sind Interventionen in die damaligen Wissensstände benannt. Auch der Abschnitt zu „TransGender“ in einer Broschüre der österreichischen Hochschülerinnenschaft aus den 1990er Jahre beschreibt klare Aufgabengebiete für Trans-Organisationen hin zu einer Änderung des „Verhalten[s] der Mehrheitsbevölkerung gegenüber Minderheiten“.

Trans Aktivistinnen intervenieren in öffentliche Diskussionen zu Transsexualität, TransGender und/oder Trans, veranstalten Kunstprojekte, bringen sich über Informationsvorträge zu Trans in die Universitäten sowie in Berufsverbände und Vereinigungen (etwa in den Österreichischen Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik ÖAGG) ein und vernetzen sich mit den Studierendenvertretungen der Universitäten. Sie kommen aus verschiedenen Bewegungen, unter anderem aus der heute sogenannten schwullesbischen, der BDSM- oder der Friedensbewegung, und kooperieren mit diesen in verschiedenen öffentlichen Aktionen, Projekten und politischen Interventionen. Aber auch in der Frauenbewegung sind trans Personen seit den 1990ern aktiv.

Sie nutzen die Mainstream-Medien, also Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen. Sie mischen sich in die Politik ein, halten Vorträge und intervenieren in den damaligen Forschungsstand zu Trans. Über die Studierenden kommen das Thema Trans und die Trans Studies bald in die Universitäten: Mitte der 1990er etwa nimmt die ÖH der Universität Wien in der Broschüre „Wien – out now! einE LesBiSchwulTransGender wegweiserIn durch das rosa lila wien“ auf Marjorie Garbers Buch „Verhüllte Interessen“ von 1993 und Kate Bornsteins Buch „Gender Outlaw“ von 1994 und damit auf die englischsprachigen Trans Studies Bezug; 1995 organisiert die LesBiSchwule Aktionswoche einen Vortrag über „Die rechtliche Situation von Transsexuellen in Österreich“, der von Piesch von der TSI begleitet wird; ein Folder des Vereins Transvestitin nimmt u.a. kritisch-ironisch Bezug auf den damaligen Wissensstand und die pathologisierende Praxis der Akademia, um nur einige Beispiele zu nennen.

Das Forum TransGender beginnt eine Kooperation mit dem Österreichischen Lesben- und Schwulenforum ÖLSF, das unter vielen anderen Vereinen das Menschenrechtstribunal mitgestaltet, das von 9. bis 12. Juni 1995 in Wien stattfindet. Im Tribunal gab es einen eigenen inhaltlichen Bereich zu „TransGenderPersons“, in dem die Republik Österreich u. a. in Bezug auf Personenstand, Ehe und Familie, auf Psychiatrie, auf Arbeitswelt und auf Öffentlichkeit von diesem Tribunal der Diskriminierung von trans Personen angeklagt wird. [FN 5] In Bezug auf Trans wird die Republik Österreich zur Erfüllung mehrerer Auflagen verurteilt.

TRANS UND DIE MEDIEN

Als Folge der Trans-Aktivismen nehmen Mainstream-Medien vermehrt das Thema auf und berichten darüber. Berichte zu Trans finden sich spätestens ab dem Jahr 1990 in Zeitungen und Zeitschriften wie Basta, profil, Der Standard, Wiener Wirtschaft und in Radio- und Fernsehsendungen wie „ZickZack“ (Ö3), „X-Large“ (ORF / 3sat) oder „Club 2“ (ORF), aber auch in Sendeformaten wie „Vera“ und „Die Barbara Karlich Show“.

Das Verhältnis von trans Personen und Medien ist ambivalent – einerseits werden die Medien von trans Personen genutzt, um auf das Thema Trans sowie die gesellschaftliche, juristische und medizinische Diskriminierung aufmerksam zu machen. Andererseits werden trans Personen und -Gruppen von den Medien benutzt und Stereotype über trans Personen verstärkt, etwa über die vielen Porträts, in denen trans Personen als arme, leidende, zwanghaft kranke Menschen dargestellt werden, die eigentlich Männer seien, sich aber über Hormone und Operationen zu Frauen machen wollten (oder umgekehrt):

„Es verging irgendwann kein Villa-Abend mehr, wo nicht irgend ein Journalist drin gesessen ist und gesagt hat, er sucht Leute, die, ich weiß nicht, sich fotografieren lassen und sich ausziehen dabei und über ihr Sexualleben referieren.“ (G. 2011: 37)

Später reagieren Trans-Organisationen mit Broschüren für Journalistinnen, was es in der Berichterstattung zu Trans* zu beachten gilt, und für trans Personen, was sie beachten können, wenn sie mit Medien in Kontakt sind (z. B. von TransInterQueer e. V. und TGNS Transgender Network Switzerland). Diese zeigen mittlerweile ihre Wirkung, Trans und trans Personen werden in den Medien nach und nach vielfältiger und respektvoller dargestellt (wenn auch nicht immer).

GESETZLICHE ERRUNGENSCHAFTEN

Seit den 1990ern gehen einzelne trans Personen gegen die Bestimmungen des „Transsexuellen-Erlasses“ vor Gericht und können ihre Forderungen zunehmend durchsetzen, bis 2010 schlussendlich der „Transsexuellen-Erlass“ aufgehoben werden muss. Ab diesem Zeitpunkt gibt es keine zentralistische Regulierung des Innenministeriums mehr, es sind wieder die einzelnen Bundesländer zuständig. Jedoch ist der Erlass des Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 1997 („Empfehlungen“) weiterhin in Kraft und wird 2014 mehrmals, verschwindend gering überarbeitet, neu aufgelegt. Damit ist die Zwangskastration/-sterilisation zwar vom Tisch, weitere Regelungen aus dem „Transsexuellen-Erlass“ sind jedoch über die „Empfehlungen“ weiterhin aktiv und treffen vor allem trans Personen, die medizinische Maßnahmen nicht selber bezahlen können.

Seit der ersten Regenbogenparade im Jahr 1996 gestalten trans Personen diese aktiv mit, etwa über die Vereine ÖLSF, TransX und Libertine, und übernehmen zentrale Rollen, etwa hält Eva Fels bei der Abschlusskundgebung im Juni 2002 einer Rede zu Transgender. Ebenfalls 1996 wird auf der Webplattform transgender.at das TransGender Radio gegründet und im Rahmen des Vereins ÖLSF organisieren trans Aktivistinnen von 1996 bis 1999 diverse Treffen mit jeweils öffentlichen ProvokAktionen mit und organisieren Podiumsdiskussionen und/oder nehmen daran Teil.

Die Trans-Bewegung verändert sich im Laufe der Zeit immer wieder: Manche Trans-Gruppen lösen sich auf, andere bilden sich neu. Über die Zeit ändern sich die Forderungen, weil manche erfüllt werden (etwa 2006 die Aufhebung des Scheidungszwangs und 2010 des Operationszwangs) und neue ins aktivistische Blickfeld rücken (etwa trans Refugees, Asyl von trans Personen oder behinderte trans Personen). Zu all dem gibt es viel aktivistisches und wenig akademisches Wissen. Mehr Informationen zu den heute aktiven Vereinen und Gruppen, die zu Trans-Anliegen arbeiten, bieten deren jeweilige Websites und Facebook-Auftritten: u. a. die Website von TransX, von Transgender.at, von Trans-Austria, die Website von GoWest – Verein für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und Queer, von ORQOA – Oriental Queer Organisation Austria, von Queer Base – Welcome and Support for LGBTIQ Refugees, von ara Afro Rainbow Austria, von Gender Galaxie, von The Chainge – Trans* Peer Group Wien und vielen mehr.

Vom Aktivismus in die Akademia – Trans*Aktivistinnen intervenieren in den akademischen Forschungsstand

In den 1990er-Jahren kommt das Thema Trans* über Aktivistinnen und Studierende in die österreichischen Universitäten. Auch Reibungen mit lesbisch-feministischen Gruppen und Räumen verhelfen dazu sowie zu trans*feministischen Zusammenschlüssen gegen transfeindliche Feminismen. Diese erste Ver_Ortung der Trans Studies an den österreichischen Universitäten findet nicht vordergründig im klassischen wissenschaftlichen Sinn (in Lehrveranstaltungen, Forschungsprojekten, Konferenzen, Abschlussarbeiten, Monografien …) statt, sondern hauptsächlich über studentische und künstlerische Aktionen und Auseinandersetzungen.

1999 wird im Theater des Augenblicks in Wien das Symposium „Transidentität im Vergleich der Kulturen Österreich – Türkei – Indien“ abgehalten. Es findet im Rahmen des von Gül Gürses geleiteten IDL Zyklus III (International Dance Laboratory 1999/2000) statt und wird gemeinsam mit trans Aktivistinnen und Hijras aus der Türkei, Indien und Österreich erarbeitet.

2005 organisiert der Verein TransX zum seinem zehnjährigen Bestehen den TransGender Council (s. tgeu.net), der erstmals Trans-Organisationen aus ganz Europa vernetzt. Daraus geht das bis heute aktive europäische Netzwerk TGEU – TransGender Europe hervor, das vor allem für die europäische NGO-Forschung zu Trans wichtig ist, aber auch eine wichtige Rolle in der Bewegung gegen (staatliche) Trans-Pathologisierung spielt. Eine wissenschaftliche Tagung zu Trans Studies hat in Österreich bisher nicht stattgefunden, allerdings organisiert 2014 der Verein ][diskursiv in Kooperation mit dem Referat Genderforschung der Universität Wien einen zweitägigen Workshop zur Vernetzung von österreichischen Trans Studies und -Aktivismen.

Mitte der 1990er Jahre bis Anfang der 2000er ist der Trans-Aktivismus in Österreich unter anderem mit der Bildung von Vereinen und verschiedenen öffentlichen Aktionen zu Menschenrechten, körperlicher Unversehrtheit, freier Namenswahl und ähnlichen Inhalten beschäftigt. Zusätzlich dazu beginnen trans Aktivistinnen, in den pathologisierenden, paternalistischen und akademischen Wissensstand zu Trans zu intervenieren. Im Jahr 1994 gibt der Verein Transvestitin einen Infofolder heraus, der in der Rubrik „Bildung“ kritisch-ironisch Bezug nimmt auf die damaligen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Äußerungen von „Expertinnen“ zu Trans, aber auch zu gesellschaftlichen Stereotypen gegenüber trans Personen.

„Wir stehen, wie eine angesehene Psychologin unlängst in einem Interview festgestellt hat, unter dem inneren Zwang, Eis zu lutschen. Ein deutscher Psychiater hat herausgefunden, da. wir dabei drei Stadien durchschreiten: Schokoeis, Vanilleeis, alle Eissorten.

In Wahrheit, so konnte die anerkannte österreichische Kapazität für Transsexualität anhand seiner wissenschaftlicher Voreingenommenheit nachweisen, sind wir alle bloß verkappte Homosexuelle, die sich nicht trauen, einfach Homo zu sein.

Ein deutscher Psychiater wiederum hat es auf den Punkt gebracht: Wir Transsexuellen sehen einfach die fundamentale Realität unseres Geschlechts nicht!

Des weiteren zeichnen wir uns natürlich durch spezifische Boshaftigkeit aus, andere unbescholtene Bürger und Bürgerinnen auf dumme Gedanken zu bringen und deren unterdrückte Phantasien im Alltag unnötig aufzuheizen. Schlimmer noch: wir degradieren besonders den Mann zum bloßen Sexualobjekt! Wie ein Weib – Igitt! So hat jede/r einzelne von uns schon manch brave/n Bürger/in, der/die nächtens auf der Jagd nach Frischfleisch über uns herzufallen beabsichtigte, auf besonders rüde Art und Weise desillusioniert.“ (Transvestitin 1994: o. S.)

Spätestens mit diesem Flyer des Vereins Transvestitin und verschiedenen Aktionen des Vereins Transsexuelle Initiative TSI intervenieren trans Aktivistinnen in den aktuellen Wissenstand, die paternalistische und pathologisierende Fremdbestimmung vonseiten der Wissenschaften (allen voran der Psychiatrie und Psychologie).

Zum 50-jährigen Jubiläum der Republik Österreich veröffentlicht Elisabeth Piesch 1995 den Text „Festschrift: Die Lage einer Bevölkerungsgruppe in Österreich“. Dieser Text ist eine Aufklärungsschrift, ein Informationspapier zu Trans. Er kommt im Jahr des Menschenrechtstribunals heraus (bereits im Frühling) und beschreibt umfangreich die Diskriminierung von TransGenderPersonen.

Ab den 1990er Jahren finden auch direkte Interventionen an den Universitäten statt, wie etwa im Jahr 1995 ein Vortrag zum Thema „Die rechtlichen Situation von Transsexuellen in Österreich“ an der Universität Wien. Dem folgen diverse weitere Vorträge, Seminare und Lese- sowie Kabarett-Performances an der Universität Wien. Ab 1997 sind auch selbstbestimmte Interventionen in die akademische Medienlandschaft bekannt. Gleichzeitig geht die Pathologisierung und Kriminalisierung von trans Personen in der österreichischen Akademia weiter.

In der letzter Zeit rücken nonbinary oder nichtbinäre Lebensweisen und Identitäten, früher oft genderqueer genannt, ins Zentrum der Diskussionen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die inter* Bewegung nach und nach mehr Sichtbarkeit erlangt (siehe unter anderem: VIMÖ und VarGes). Diese Sichtbarkeit hat mit dem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes 2018, das eine inter* Person über Jahre erstritten hat, einen Aufschwung bekommen. In dem Erkenntnis geht der Verfassungsgerichtshof davon aus, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und der Staat Österreich daher mehr als zwei Personenstände ermöglichen muss (derzeit sind es sechs). [FN 6]

Forderungen im Laufe der Zeit:

  • Freie Wahl des Vornamens (Positionspapier österreichischer Transgender-Gruppen 2009)
  • Die Personenstandsänderung darf nicht von folgenden Kriterien abhängig gemacht werden: Infertilität, operative Eingriffe jeglicher Art, Hormonbehandlungen, alle somatischen Behandlungen, Maßnahmen zur Angleichung des äußeren Erscheinungsbildes (Positionspapier österreichischer Transgender-Gruppen 2009)
  • Die Übernahme sämtlicher anfallender Behandlungskosten muss unbedingt gewährleistet sein. (Positionspapier österreichischer Transgender-Gruppen 2009)
  • Wir fordern die uneingeschränkte Anerkennung unserer Geschlechtsidentität! (TG Positionspapier 2016)
  • Wir wollen Selbstbestimmung statt geschlechtsregulierende Bürokratie! (TG Positionspapier 2016)
  • Recht auf freien Ausdruck der eigenen Geschlechtlichkeit ohne Diskriminierung und Diffamierung! (TransX Forderungspaket 2001)
  • Recht auf freie Namenswahl! (TransX Forderungspaket 2001)
  • Keine Geschlechtsdiskriminierung in Ausweispapieren! (TransX Forderungspaket 2001)
  • Abschaffung unnötiger Untersuchungen von Transsexuellen! (TransX Forderungspaket 2001)
  • Sein Geschlecht in all seiner Vielfalt zu leben darf kein Grund für soziale Diskriminierung sein! (TransX Forderungspaket 2001)
  • Freie Personenstandswahl ohne bürokratische Hürden – jeder Mensch muss durch Selbstauskunft in dem Geschlecht anerkannt werden, in dem er lebt! (Offener Brief 2021)
  • Zugang für transidente und nicht-binäre Personen zu den Einträgen „inter“, „divers“, „offen“ und „kein Eintrag“. (Offener Brief 2021)
  • Schluss mit der Pathologisierung intergeschlechtlicher und trans Personen – Ende der Gutachtenpflicht. (Offener Brief 2021)
  • Anerkennung darf nicht zu finanziellen Belastungen und in weiterer Folge zu Schulden führen – kostenfreie Neuausstellung von Dokumenten und Abschaffung der Gebühren für Personen-stands- und Vornamensänderungen. (Offener Brief 2021)
  • Gegen die Diskriminierung aufgrund von Geschlechtsidentität, Geschlechtsmerkmalen und Geschlechtsausdruck! (Offener Brief 2021)
  • No border! No nation! No Deportation!
  • Black Trans Lives Matter!
  • Trans Rechte sind Menschenrechte!
  • Einhalten der Grundrechte für LSBTIQA+ Geflüchtete! (in Anlehnung an queerbase)
  • Queer Base – Welcome and Support für LGBTIQ Refugees als Organisation für lesbische, schwule, bisexuelle, inter und trans Geflüchtete fordert die politischen Entscheidungsträger:innen auf für ein konsequentes Qualitätsmanagement zu sorgen und eine Beschwerdestelle einzurichten, das Schulungsangebot für Polizei, BFA und BVwG entsprechend zu erweitern und verpflichtend einzuführen. Das BMI als Auftraggeber:in muss dafür Sorge tragen, dass Dolmetscher:innen entsprechend aus- und weitergebildet werden und Standards in der Übersetzung verlangen. (Queer Base 2021)
  • Fight the Cis-tem!
  • Geschlechtervielfalt für alle!
  • Auflösen der Geschlechterbinarität als zentrales gesellschaftsbildendes Element!

Timeline

Ende 1980er und 1990er Jahre: erste Treffen, Vereinsbildung und Aktionen

  • Ende 1980er Gründung von Transsexuelle Inititative TSI durch Elisabeth Piesch, beginnend in Graz, später in Wien
  • 1992 Einladung für Trans-Treffen von Heike Keusch im Rahmen von erotik kreativ 2
  • Ab 1992 regelmäßige Treffen von verschiedenen Trans-Gruppen in der Rosa Lila Villa, Wien
  • 1993 Gründung des Vereins Transvestitin –Verein für Transvestit-Innen und Transsexuelle
  • 1993-1997 vermehrte Präsenz von Trans* in den Medien
  • 1994 Trans-Treffen und Rahmenprogramm beim Filmfestival trans-X. Eine filmische Identity Tour
  • 1994 auf dem Aktivist_innentreffen des ÖLSF wird die Resolution zur Abschaffung der Geschlechter diskutiert, sie bekommt keine Mehrheit
  • 1995 Gründung des Vereins TransX – Verein für Transgender Personen
  • 1995 Erstes Internationales Menschenrechtstribunal, die Republik Österreich wird u.a. der Verletzung der Menschenrechte von trans Personen schuldig befunden (ÖLSF, Vertretung für Trans: Elisabeth Piesch & Gloria G.)
  • 1996 Erste Regenbogenparade, u.a. von trans Personen mitorganisiert (ÖLSF, Grüne andersrum, TransX und libertine)
  • ab 1996 aktive Beteiligung von trans Aktivist_innen an den Regebogen-Paraden verschiedener Gruppe (u.a. libertine, TransX, ÖLSF)
  • 1996-1998 diverse Vorträge, Seminare und Lese- sowie Kabarett-Performances an der Universität Wien
  • 1996-1999 Mitorganisation der ÖLSF-Treffen mit diversen ProvokAktionen
  • ab 1996 Transgender Radio auf transgender.at
  • 1999 Symposium „Transidentität im Vergleich der Kulturen Österreich – Türkei – Indien“, im Theater des Augenblicks, organisiert von Gül Gürses
  • 1999 Radio Stimme: Sendung zu Transsexualität & Transgender
  • 1999 Teilnahme und Intervention mehrerer trans Personen am Kongress zu Transsexualität im AKH, Wien
  • Ende 1990er Trans Frauen werden aus Frauenräumen ausgeschlossen, führt zu trans-feministischen Bündnissen und Aktionen (zB Intervention in Frauendemo, Gendertalk …)

2000er Jahre: internationale Vernetzung & weitere Aktionen

  • 2000 mehrere Feminist_innen und trans Personen gründen die Gruppe „Gendertalk“ als Reaktion auf transfeindliche Ausschlüsse in feministischen Räumen
  • 2001 „Manifest zum 8. März“ als trans-feministische Intervention in die FrauenLesben-Demonstration, die trans Personen ausschließt
  • 2001 Trans-Beitrag im Buchprojekt “Der andere Blick – lesbischwules leben in Österreich”
  • 2001 Forderungspaket „Was wir wollen“ (TransX)
  • 2002 Workshop zu Sexismus und der Verbindung von feministischen Strategien und Transgender-Politiken im Café Willendorf (Rosa Lila Villa)
  • 2003 “Gedenkzug zum 320. Jahrestag der Ermordung einer TransGender-Person” (TransX, Volxtheater)
  • Ab 2002 Teilnahme mit Ständen an Stadtfesten wie Volksstimmefest, Donauinselfest, ÖVP-Stadtfest etc. (TransX)
  • 2004 Intervention bei der medizinischen „Fachtagung zur Behandlung von Transsexuellen in Österreich“
  • 2005 Erster TransGender-Rat im Wiener Rathaus, aus dem heraus TGEU Transgender Europe entsteht
  • 2006 Scheidungszwang fällt durch Klage von trans-lesbischem Paar
  • 2006 Veranstaltungsreihe free gender (TransX, libertine, frauensolidarität u.a.)
  • Seit 2007 gibt es in Europa eine immer stärker werdende Kampagne zur Depathologisierung von Trans
  • 2009 Internationales Netzwerke STP 2012 – Stop Trans Pathologization 2012 wird gebildet
  • 2008 Erste Studie zu trans Personen am österreichischen Arbeitsmarkt (Verein ][diskursiv)
  • 2006-2009 Abhalten des Transgender Day of Remembrance in Wien (Verein ][diskursiv)
  • 2009-2010 „Transsexuellen-Erlass“ wird durch Klagen von verschiedenen trans Personen endlich aufgehoben, Operations- & Sterilisations- bzw. Kastrationszwang fallen
  • 2009 Positionspapier österreichischer Transgender Gruppen zur Personenstandsänderung (TransX u.a.)
  • 2010 ORQOA Oriental Queer Austria wird gegründet, die für die Anerkennung der Rechte von Migrant_innen aus der LGBTIQ-Community in Österreich kämpft
  • 2009 Trans-Austria – Österreichisch-bayerische Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität wird gegründet

Bis heute: Einiges ist erreicht, manches bleibt offen

  • 2011 Beteiligung an der Plattform „Das ist nicht unser Gesetz – Wir sagen NEIN zum „Fremden“-Unrechtspaket“ (TransX)
  • 2011 in 70 Städten weltweit demonstrieren trans* Personen für die Streichung der Diagnose Geschlechtsidentitätsstörung aus den internationalen Krankheitskatalogen (u.a. TransX)
  • 2011-2013 diverse EU-weite Projekte (u.a. 2011-2013 Beyond Borders – For culturally diverse LGBT people in Europe, 2009-2011 …And Others! Argumentation Training for Transgender Inclusion in Europe, Österreich ist über den Verein ][diskursiv vertreten)
  • 2013 Veranstaltungsreihe “Das künstliche Geschlecht – Die anderen Versionen der Gender-Politik am Beispiel Iran” (ORQOA, WASt, TransX)
  • 2014 Workshop und Netzwerktreffen TransGender Studies – Ein Austausch (Verein ][diskursiv, Referat Genderforschung Uni Wien)
  • 2014 Onlinepetition „Wir lassen uns nicht unheilbar krank machen!“ (TransX)
  • Ca. 2015 NaGeH – Mein Name, mein Geschlecht, meine Hochschule wird aktiv und versucht, die Situation von trans Personen an Universitäten zu verbessern
  • 2016 neues Positionspapier zur Personenstandsänderung (TransX u.a.)
  • 2016 Informationsveranstaltung über trans Personen in Haft (Aktions- und Solidaritätstag für trans Gefangene; Anarchist Black Cross, Rosa Lila Villa, TransX)
  • 2009 Planet 10 wird gegründet, ein queer feminstischer partizipativer Ort der Umverteilung von Privilegien wie Besitz, Zugang zu Geld, Jobs, Wohnraum etc.
  • 2016 Queer Base Welcome and Support for LGBTIQ Refugees – Anlaufstelle undUnterstützung für queere_lesBischwule_trans*inter*Gender Flüchtlinge wird gegründet
  • 2016 Gender Galaxie von und für nicht-binäre Geschlechtsidentitäten wird auf facebook öffentlich aktiv
  • 2017 The Chainge – Trans* Peer Group Wien
  • 2021 Offener Brief verschiedener Vereine zur Änderung des Geschlechtseintrags ohne pathologisierende und entmündigende Gutachten (HOSI Wien, VIMÖ, TransX, Aids Hilfe Wien u.a.)

Fußnoten

[FN 1] Dieser Beitrag bezieht sich auf die zwei Bücher „Trans Studies. Historische, begriffliche und aktivistische Aspekte“ (Zaglossus, 2017) und „Die staatliche Regulierung von Trans“ (transcript. 2019) sowie auf die Arbeit des Vereins ][diskursiv auf.

[FN 2] Die jeweils aktuelle rechtliche und medizinische Situation kann auf der Website des Vereins TransX nachverfolgt werden, ein weltweiter Überblick über die Pathologisierung und Kriminalisierung von Trans sowie die Ermordung von Menschen, die als trans Personen gesehen werden, findet sich auf der Website des Projektes Transrespect versus Transphobia Worldwide (TvT).

[FN 3] Unter dem Begriff „Psych*“ fasse ich die Forschungs- und Praxisfelder Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie zusammen, wenn sie sich inhaltlich nicht grundlegend unterscheiden.

[FN 4] Hausbesetzungen spielen für einige TransGruppen in ihrer Anfangszeit und teilweise bis heute eine wichtige Rolle. Neben dem WUK ist die „Türkis Rosa Lila Villa“ wichtig. Ende der 2000er entsteht ein weiteres Haus, das queere, antirassistische Hausprojekt „Planet – Planeta – Gezegen 10“ im 10. Wiener Gemeindebezirk. S. auch die Websites der beiden Hausprojekte: dievilla.at und planet10wien.wordpress.com.

[FN 5] Das Menschenrechtstribunal wird beim Schlussplenum des 4. ÖLSF initiiert und von folgenden Vereinen organisiert und durchgeführt: ACT.UP Wien, AK Schwul und behindert, AUF.Eine Frauenzeitschrift, CheckArt (Herausgeber des feministischen Magazins an.schläge), FORVM, Forum TransGender, Grüne Bildungswerkstatt, HOSI Linz, HOSI Wien, Initiative Minderheiten, Kulturverein Berggasse, Österreichisches Lesben- und Schwulenforum ÖLSF, Republikanischer Club, RosaLila Panther Graz, TransX, Velvet Cinema. Vertreterinnen der Anklage sind u. a. die Trans-Aktivistinnen Gloria G. und Elisabeth Piesch.

[FN 6] Für aktuelle Informationen vgl. die Webseiten des Vereins intergeschlechtlicher Menschen Österreich VIMÖ und der Plattform Intersex Österreich – PIÖ.

Quellenangaben und weiterführende Links

Baumgartinger, 2017, Trans Studies. Historische, begriffliche und aktivistische Aspekte. Wien, Zaglossus.

Baumgartinger, 2019, Die staatliche Regulierung von Trans. Der Transsexuellen-Erlass in Österreich (1980-2010). Eine Dispositivgeschichte. Bielefeld, transcript.

Verein ][diskursiv, 2011, Where Have All the Trannies Gone … Wo sind all die Transen hin… Die TransBewegung der 1990er Jahre in Österreich, Wien. Online unter: Verein ][diskursiv

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