Coming soon: Die aktuelle Ausgabe der STIMME #138/2026 – Gedenkstätten im Lärm der Zeit


Mit dem unaufhaltsamen Ende der unmittelbaren Zeitzeugenschaft verlagert sich das Erinnern zunehmend auf die Orte der NS-Verbrechen selbst. Gedenkstätten müssen bewahren, erzählen und vermitteln – und sie müssen Verantwortung einfordern. Zwischen stiller Trauer und politischen Auseinandersetzungen wird hier verhandelt, wie eine Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit umgeht.

Dieses Heft widmet sich sichtbaren und verborgenen Orten, Formen und Konflikten des Erinnerns in Österreich. Der Blick reicht von großen Gedenkstätten über lange übersehene Tatorte bis hin zu Perspektiven von Minderheiten, die im öffentlichen Gedenken noch immer zu wenig sichtbar sind.

Bertrand Perz, führender Experte für die Geschichte des KZ Mauthausen vor und nach 1945, zeichnet in seinem einleitenden Beitrag die umkämpfte Erinnerung an die NS-Verbrechen am Beispiel Mauthausen und seinen Außenlagern nach.

Christoph Viscorsum (vorm. Mayer chm.) wuchs in St. Georgen an der Gusen auf, ohne zu wissen, dass sich dort ein Konzentrationslager in der Größe von Mauthausen befunden hatte. Der Audioweg Gusen, den der Künstler mit Stimmen von Überlebenden, Anwohner:innen und auch Täter:innen entwickelt hat, macht dieses unsichtbare Lager hörbar.

Menschlichkeit als tägliche Aufgabe: Die Gedenkstättenpädagogin Gudrun Blohberger setzt sich seit drei Jahrzehnten mit der Vermittlung von NS-Verbrechen auseinander. Cornelia Kogoj und Gamze Ongan trafen sie zum Gespräch.

Der freischaffende Historiker Tim Corbett veranschaulicht, wie die jüdischen Friedhöfe Österreichs bis heute als Erinnerungs- und Gedenkorte wirken: als Zeugnisse jüdischen Lebens ebenso wie als Mahnmale für Zerstörung, Restitution und Erinnerung.

Der Beitrag von Michael Hieslmair und Michael Zinganel, den Gründern der Forschungsplattform „Tracing Spaces“, erinnert an den Wiener Nordwestbahnhof als Tatort der NS-Propaganda. Die Autoren plädieren dafür, das hier seit 2021 bestehende temporäre Denkmal zur Erinnerung an die antisemitische Ausstellung „Der ewige Jude“ (1938) dauerhaft zu sichern.

Nirgendwo in Österreich wird explizit an gehörlose NS-Opfer erinnert. Die Gebärdensprachenforscherin Verena Krausneker argumentiert gegen ein „mitgemeintes“ Gedenken und unterstreicht die Kraft des Erinnerns für die Politisierung einer Minderheit.

Die Ausstellung „Hinschaun! Poglejmo.“ im Jahr 2025 im kärnten.museum forderte 80 Jahre nach Kriegsende zur öffentlichen Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte Kärntens auf. Der Zeithistoriker Peter Pirker, Mitkurator der Ausstellung, zeichnet in seinem Beitrag die Entstehung der Ausstellung, ihre inhaltlichen Schwerpunkte sowie die Reaktionen darauf nach.

Im vorliegenden Heft präsentieren wir zudem eine Fotostrecke mit Bildern aus den Sammlungen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Unser herzlicher Dank gilt Vida Bakondy und Ralf Lechner, die die Fotos mit einem begleitenden Text fachkundig einordnen.

Die Beiträge in diesem Heft laden dazu ein, genauer hinzuschauen – auf die Geschichte der Gedenkorte, auf die Konflikte im Erinnerungsprozess und auf die Verantwortung, die daraus für uns alle erwächst. Gedenken bleibt eine Aufgabe der Gegenwart.

In eigener Sache

Wir haben Geburtstag: Die Initiative Minderheiten und die Stimme werden 35 Jahre alt. Diesen besonderen Anlass möchten wir gemeinsam mit all jenen feiern, die uns über dreieinhalb Jahrzehnte hinweg mit Solidarität und Engagement für Minderheitenrechte begleitet haben – im Juni im Rahmen der Veranstaltung „35 Jahre Initiative Minderheiten“ sowie am 29. November 2026 mit einem Fest im Wiener Rathaus.

Kommen wir gemeinsam gut durch die nächsten Jahrzehnte!

Gamze Ongan, Chefredakteurin


Gestaltung: Fatih Aydoğdu

Lektorat: Daniel Müller


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