Die aktuelle Ausgabe der STIMME #116/2020 Klimaschutz mit allen für alle

Die derzeitigen durch die Covid-19-Pandemie bedingten Beschränkungen sollen zwar zum starken Rückgang der weltweiten Kohlendioxidemissionen geführt haben. Doch lässt sich an der Nachhaltigkeit dieser Tendenz zweifeln, ist sie doch Folge wirtschaftlicher Einschränkungen und nicht politischer Entscheidungen. Oder mit den Worten des Vorsitzenden des deutschen Klima-Konsortiums Mojib Latif: „Wenn wir nächstes Jahr weniger Staatsschulden aufnehmen als dieses Jahr, heißt das ja nicht, dass der Schuldenberg sinkt, sondern er steigt weiterhin.“ Zur konsequenten Bekämpfung des Klimawandels braucht es keine Stilllegung der Wirtschaft, sondern ihren Umbau und noch viel mehr.
Der Klimawandel ist im Gegensatz zur akuten Gefahr durch das Coronavirus eine Bedrohung auf lange Sicht. Er ist nicht nur ein Umwelt-, sondern auch ein massives Gerechtigkeitsproblem. Die Erderhitzung führt unter anderem zu mehr Armut, zu mehr Flucht und bewirkt die Zunahme nationalistischer Tendenzen.

Für das Schwerpunktheft zu Klimawandel und Ökologie haben wir unsere Autor*innen gebeten, das Thema in Verbindung zu und aus der Perspektive von minorisierten gesellschaftlichen Gruppen zu beleuchten. Am Beginn der Themenstrecke steht ein Beitrag des Soziologen Andreas Weber, in dem er die Notwendigkeit eines Übergangs von der „imperialen“ zu einer ökologisch nachhaltigen Lebensweise unterstreicht. Die Sozialwissenschaftlerin Ruth Simsa betrachtet die Klimabewegung im Kontext anderer sozialer Bewegungen und problematisiert die Diskreditierung der Klimaktivist*innen.
Im September 2019 fand in Wien die erste feministische Klimakonferenz statt. Wir haben die Mitorganisatorin Eva Lachkovics (WIDE-Netzwerk und Grüne Frauen) gebeten, die Klimakrise in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit zu analysieren.
Das Thema Ökologie nimmt auch in rechten Ideologien einen prominenten Platz ein. Der Rechtsextremismusforscher Alexander Winkler schreibt über das biologistische Weltbild, den Wunsch nach einer „Ökodiktatur“ und den klimafreundlich verpackten Rassismus der Rechten.
Durch extreme Wetterereignisse werden wesentlich mehr Menschen vertrieben als durch kriegerische Konflikte. Monika Mayrhofer und Margit Ammer vom Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte geben uns einen Einblick in die (inter)nationale Mobilität im Rahmen des Klimawandels und den rechtlichen Status der Betroffenen.
Das Migrantinnenzentrum Peregrina setzt seit 2012 Projekte zum Empowerment von Migrantinnen zu nachhaltigem Leben um. Wir haben die Projektleiterin Sigrid Awart um einen Best-Practice-Bericht gebeten.
Umweltbewusstsein und Islam: immer schon eine Selbstverständlichkeit – auch für muslimische Jugendliche –, erzählt die Klimaaktivistin Elma Salo.
Und nicht zuletzt legen Valentina Kropfreiter und Felix Hnat von der Veganen Gesellschaft dar, wie Steuer- und Subventionspolitik Tierprodukte begünstigen, während pflanzliche Kost wirtschaftlich massiv benachteiligt wird.

Diese Ausgabe entstand in redaktioneller Mitarbeit der Grünen Bildungswerkstatt Wien (GBW). An dieser Stelle einen besonderen Dank an Cosma Stöger für die kompetente Unterstützung in der inhaltlichen Konzeption.

Was Sie in diesem Heft noch erwartet: Im September 2020 verstarb Eduard Riha, Behindertenaktivist und langjähriger Generalsekretär der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation. Lesen Sie einen Nachruf von seinem Kollegen und Nachbarn Erwin Riess in Groll. Außerdem eine Spurensuche zu Antisemitismus in antirassistischen Kämpfen von Leah Carola Czollek und Gudrun Perko vom Institut „Social Justice and Radical Diversity“. In Kennengelernt stellt Duygu Özkan die Vorarlberger Umweltaktivistin Hildegard Breiner vor. Julia Schönherr schließlich bespricht das Buch „Triumph der Ungerechtigkeit“ der Wirtschaftswissenschaftler Emmanuel Saez und Gabriel Zucman – ein Plädoyer für ein gerechteres Steuersystem.

Mögen der Herbst und der Winter doch nicht so düster und kalt werden, auch wenn es angesichts der aktuellen politischen Lage sehr schwerfällt, darauf zu hoffen.
Anregende Lektüre wünscht
Gamze Ongan, Chefredakteurin


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