Ausstellung: „Man will uns ans Leben“ | Bomben gegen Minderheiten 1993–1996

24. 04. – 25. 08. 2024 | Volkskundemuseum Wien
20. 09. – 24. 11. 2024 | kärnten.museum, Klagenfurt
07. 02. – 08. 03. 2025 | Offenes Haus Oberwart

Briefbombe, adressiert an Angela Resetarits, explodierte am 11. Dezember 1995 um 19:00 Uhr in einem speziellen Behälter auf dem Weg von Graz nach Wien. Foto: Werner Sabitzer, Quelle: Lehrmittelsammlung des Entschärfungsdienstes des Bundesministeriums für Inneres, Wien.

Vor 30 Jahren, am 3. Dezember 1993, explodierten in der ORF-Minderheitenredaktion in Wien und in der Pfarre Hartberg/Steiermark zwei Briefbomben und verletzten die Moderatorin Silvana Meixner und den „Flüchtlingspfarrer“ August Janisch schwer. Bis zum 6. Dezember 1993 wurden weitere acht Briefbomben verschickt, eine davon zerfetzte die linke Hand des damaligen Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk. Im August 1994 explodierte eine vor der zweisprachigen Rennerschule in Klagenfurt deponierte Rohrbombe beim Entschärfungsversuch und riss dem Polizisten Theodor Kelz beide Hände ab. Der folgenschwerste Anschlag fand im Februar 1995 in Oberwart statt, bei dem vier Roma-Angehörige – Josef Simon, Karl Horvath, Erwin Horvath und Peter Sarközi – durch eine Sprengfalle getötet wurden.

Die Terrorwelle der selbst ernannten Bajuwarischen Befreiungsarmee, die sich explizit gegen ethnische Minderheiten und ihre Unterstützer*innen richtete, dauerte bis 1997 an. Insgesamt 25 Briefbomben und drei Sprengfallen hatten 13 zum Teil Schwerverletzte und vier Tote zur Folge.

Die Bombenserie stellte einerseits den traurigen Höhepunkt eines historisch gewachsenen, tendenziell minderheitenfeindlichen Klimas in Österreich dar. Andererseits markierten die 1980er und frühen 1990er Jahre aber auch eine Zeit, in der wichtige Errungenschaften progressiver Minderheitenpolitik realisiert werden konnten, wie etwa die Etablierung einer Minderheitenredaktion im ORF im Jahr 1989, die Errichtung einer öffentlichen zweisprachigen Volksschule in Klagenfurt 1991 und die Anerkennung der Rom*nja als offizielle Volksgruppe 1993.

Die Ausstellung „Man will uns ans Leben“ | Bomben gegen Minderheiten 1993–1996 der Initiative Minderheiten hat das Ziel, historisches Wissen zu größten innenpolitischen Gewalttaten der Zweiten Republik zu vermitteln, aber auch das politisch-gesellschaftliche Klima der 1990er Jahre und seine Folgen für die direkt betroffenen Minderheitencommunitys aufzuzeigen.

Weitere Infos zur Ausstellung aus der STIMME 129/2023: Bomben gegen Minderheiten

Zum 30. Jahrestag des Beginns der Briefbombenserie fand am 4.12.2023 die Auftaktveranstaltung Bomben gegen Minderheiten – Rechter Terror 1993–1996 im Volkskundemuseum in Wien statt.

Neben dokumentarischem Material (historische Zeitungsartikel, Fotos, Dokumente etc.) werden neun Interviews mit Zeitzeug*innen zu sehen sein. Einblicke in die Dreharbeiten finden sich auf Instagram.

Im Jänner 2024 wurden zudem Workshops mit Schüler*innen in Wien, Klagenfurt und Oberwart durchgeführt.


Kuratorinnen: Vida Bakondy, Cornelia Kogoj und Gamze Ongan

Eine Ausstellung der Initiative Minderheiten in Kooperation mit dem Volkskundemuseum Wien, dem kärnten.museum und dem Offenen Haus Oberwart (OHO)

Weitere Kooperationspartner*innen: Roma Volkshochschule Burgenland, Roma-Pastoral der Diözese Eisenstadt, Hrvatski akademski klub/Kroatischer akademischer Klub

Die Ausstellung wird gefördert aus Mitteln des Sozialministeriums

Die in der Ausstellung gezeigten Videos werden zusätzlich vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport gefördert